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AMERIKANISCHER BÜRGERKRIEG

Im April 2006 jährte sich dieses bedeutsame militärische und wirtschaftliche  Ereignis in den U.S.A. zum einhundertfünfundvierzigsten Mal.

Die Anfänge

Nachdem bereits einige Bundesstaaten aus der Union ausgetreten waren und sich somit der Oberhoheit in Washington entzogen hatten, begann die Sezession am 12. April 1861 durch die Beschießung der kleinen Unionsfestung Fort Sumter auch militärische Züge anzunehmen. Das Bombardement selbst hatte auf beiden Seiten keine Opfer gefordert, so dass man tatsächlich der Ansicht war, einen nunmehr ins Rollen gebrachten Bürgerkrieg rasch und nahezu verlustfrei beenden zu können.

Die Ursachen, die schließlich im Frühjahr 1861 zu offenen kriegerischen Auseinandersetzungen führen sollten, sind im wesentlichen auf die wirtschaftlichen Disproportionen der beiden verfeindeten Parteien zurückzuführen. Jahrzehntelang wurde im Norden und Süden des Landes völlig unterschiedlich gewirtschaftet. Dabei lag das industrielle Potential im Norden. Über 90% der Fabriken und der maschinellen Fertigung waren hier zu Hause. Im nahezu isoliertem Süden bestand kein Interesse, sich einer rasanten Industrialisierung anzuschließen. Das einträgliche Geschäft mit Baumwolle und das probate System der Sklavenarbeit veranlassten keinen Plantagenbesitzer dazu, sein Geschäft zu verändern oder dieses gar aufzugeben. Tatsächlich spielte die Problematik der etwa vier Millionen Sklaven, die auf den Baumwollfeldern des Südens schufteten, für die meisten unionstreuen Amerikaner eine untergeordnete Rolle. Erst im Verlauf der ersten Kriegsjahre zeichnete sich in der politischen Führung in Washington die Einsicht ab, die Befreiung der Sklaven als eine unausweichliche Notwendigkeit - auch im internationalen Maßstab - in dem großem Feldzug für die Erhaltung der Union zu verankern.

 

Feldzüge, Schlachten und Verluste

 Zum Zeitpunkt der Beschießung der Unionsfestung Fort Sumter standen etwa 16.000 Mann reguläre Truppen unter Waffen. Der größte Teil dieses Kontingentes war allerdings im Westen des Landes stationiert, um die Siedler vor Indianerangriffen zu schützen. Teile des kleinen Offizierscorps quittierten ihren Dienst und traten in die provisorisch gebildete konföderierte Armee ein, um fortan gegen ihre ehemaligen Offizierskollegen in den Krieg zu ziehen. Als der personelle Missstand offenkundig wird, wurden eiligst auf beiden Seiten Zehntausende von Freiwilligen zu den Waffen gerufen, um jeweils für die Erhaltung der Union bzw. für die Souveränität der Konföderation zu kämpfen.

Nachdem zahlreiche Scharmützel lediglich als Kraftprobe für beide Seiten dienten, stießen am 21. Juli 1861 etwa 60.000 Soldaten am Bull Run aufeinander und entfachten hier die erste blutige Feldschlacht. Wie sorglos und geradezu romantisch verklärt die kriegerische Situation eingeschätzt worden war zeigt die Tatsache, dass das Kampfgeschehen von Hunderten Schaulustigen auf Unionsseite begleitet wurde, die sogar ihre Kinder fein herausgeputzt hatten, um Zeuge einer militärischen Auseinandersetzung sein zu können. Um so skurriler erscheint wenig später der panikartige Rückzug der Unionstruppen, die massiv durch die anwesenden Zivilisten in ihrer Flucht gehindert wurden. Keine der beiden verfeindeten Seiten verfügte bereits über ausreichende militärische Kenntnisse, dennoch erwies sich die Zähigkeit und   Entschlossenheit der konföderierten Soldaten als  entscheidend in dieser Schlacht. Die Konföderierten sollten diesen enormen Vorteil auch in den künftigen Kriegsjahren zu ihren Gunsten nutzen können. Spätestens nach der Schlacht von Bull Run und den etwa 5000 Opfern auf beiden Seiten, wurde man sich über die Ernsthaftigkeit der Hostilität im Klaren, um systematisch an einer Kriegsstrategie zu arbeiten. Im Süden rief Präsident Jefferson Davis 100.000 Freiwillige auf, die Konföderation zu verteidigen.

The Consecration (Weihe), 1861. Ölgemälde von George C. Lambdin (1830 - 1896). Die verklärte, romantisierende Darstellung zu Beginn des Bürgerkrieges kombiniert alle bekannten künstlerischen Elemente der damaligen Zeit. Der Offizier erhält in Form der nahezu zärtlichen Übergabe des Schwertes aus den Händen seiner Frau die gesellschaftliche, moralische und zu tiefste persönliche Legitimation zur Kriegsführung. Darstellungen dieser Art folgten alle dem gleichen Muster: Krieg als gesellschaftliche Notwendigkeit zur Durchsetzung höherer, meist (vermeintlich) moralischer Ziele.

Die Armee der Nordstaaten wurde nun einer Umstrukturierung unterzogen, wobei jeder unionstreue Bundesstaat eine gewisse Anzahl an Freiwilligen Regimenter (so genannte Volunteers) für den Krieg liefern sollte. Präsident Abraham Lincoln ernannte Major General George Brinton McClellan zum Befehlshaber der größten Streitkraft des Nordens, der Potomacarmee. McClellan war ein brillanter Organisator, der von seinen Untergebenden geradezu verehrt wurde. Leider waren seine strategischen Fähigkeiten und seine Entschlusskraft eher mittelmäßig und so verzögerte er zahlreiche Operationen unnötig und ermöglichte dem Feind immer wieder sich zu reorganisieren. Bis Anfang 1862 kam es zu keinen nennenswerten Zusammenstößen zwischen den Nordstaatlern und den konföderierten Streitkräften. Die Umgebung von Washington glich einem riesigen militärischen Lager. Ständig wurden neue Verbände zur Verteidigung der Hauptstadt herangezogen und an die zu erwartende Front beordert. Auf der Gegenseite richtete man sich auf eine defensive Kampfweise ein und überließ weitere Aktivitäten dem Feind. Diese blieben allerdings unter dem Oberbefehl von General McClellan aus. Keiner der militärischen Führer konnte mit der Situation umgehen. Die Erfahrungen der Offiziere und Soldaten waren relativ gering. Der letzte Krieg, der auf eigenem Boden geführt worden war, war die Okkupation von Teilen Mexikos und lag dreizehn Jahre zurück.  Damals hatten die Soldaten noch gemeinsam für die Union weite Teile Mexikos erobern können. In den Jahren 1861 bis 1865 standen sich diese Veteranen in einem blutigen Bruderkrieg gegenüber, der selbst ihre Vorstellung übersteigen sollte. Das Kriegsgeschehen des Bürgerkrieges spielte sich im Wesentlichen im Osten und im Westen des Landes ab, wobei die Kämpfe bis nach Missouri hinein getragen wurden.

Im März 1862 setzte sich die 90.000 Mann starke Potomac Armee unter General George B. McClellan in Bewegung, um die konföderierte Hauptstadt Richmond anzugreifen. Der Halbinselfeldzug, wie diese Operation genannt wurde, erwies sich als äußerst verlustreich für die Unionstruppen. Nach einer Reihe von Scharmützeln und Gefechten griff am 1. Juli 1862 die konföderierte Armee Unionstruppen bei Malvern Hill am James River an. Unter hohen Verlusten wurden die Angriffe der Südstaatler abgewehrt. General McClellan war allerdings nicht in der Lage die Situation auszunützen und dem geschlagenen Feind zu folgen. Stattdessen war es der konföderierten Streitkraft gelungen, den unschlüssigen und übervorsichtigen General McClellan an einem weiteren Vordringen nach Richmond zu hindern. Der Süden hingegen betrachtete die Schlacht von Malvern Hill ebenfalls als Sieg. Zum ersten Mal trat der befehlshabende General der konföderierten Armee in Erscheinung, dem die erfolgreiche Verteidigung Richmonds zugeschrieben wurde: Robert Edward Lee. General Lee stammte aus Virginia und war mit Beginn des Bürgerkrieges bereits 54 Jahre alt. Nach seinem Offiziersabschluss an der Militärakademie West Point diente er im Pioniercorps und nahm später mit Auszeichnung am Krieg gegen Mexiko teil. Obwohl er das System der Sklavenhaltenden Oligarchie im Süden ablehnte, quittierte er im April 1861 seinen Dienst bei den Regulären und bot den Streitkräften der Konföderation seine Dienste an. Robert E. Lee sollte sich während der vier blutigen Bürgerkriegsjahre zu einem der brillantesten militärischen Führer entwickeln.

Fight for the Standard, unbekannter Künstler, ca. 1865.

Etwa zeitgleich wurde auf dem westlichen Kriegsschauplatz verbissen um jedes strategisch wichtige Gebiet gerungen. Nachdem die neutralen Grenzstaaten Kentucky und Missouri von Unionstruppen besetzt worden waren, konnte der aus Deutschland stammende General Franz Sigel durch einen furiosen Sieg bei Pea Ridge am 7. März 1862 Missouri schließlich für die Union retten. Zahlreiche Landsleute aus Deutschland sollten dem Aufruf zur Verteidigung der Union folgen. Bis Kriegsende standen fast 200.000 deutsche Auswanderer auf Unionsseite unter Waffen.

In Tennessee machte unterdessen ein anderer Unionsoffizier durch seinen rigorosen Kommandostil auf sich aufmerksam: General Ulysses Simpson Grant. Nachdem seine Truppen am 6. März 1862 bei Shiloh fast in den Tennessee River getrieben worden waren, sammelten sich die Unionstruppen erneut und konnten der konföderierten Armee eine empfindliche Niederlage beibringen. Beide Seiten hatten über 23.000 Mann verloren. General Grants Ruf als gnadenloser Menschenschinder erhielt neue Nahrung. Dennoch sollten seine militärischen Fähigkeiten als der spätere Oberkommandierende General der Nordstaaten das Schicksal der Südstaaten besiegeln. Wie sein zukünftiger Gegenspieler, General Lee, so hatte auch General Grant die Elite Militärakademie in West Point besucht. Nach seiner erfolgreichen Teilnahme am Mexikanischen Krieg 1846-48 wurde er an die Westküste der Vereinigten Staaten verlegt. Der Militärdienst in dieser Region war für Soldaten und Offiziere gleichermaßen frustrierend. So vernachlässigte auch Grant seine Aufgaben und begann sich dem Alkohol zu ergeben. Bereits im Jahre 1854 schied er aus der regulären Armee aus. Erst im Bürgerkrieg sollten seine Fähigkeiten voll zur Geltung kommen. Unter seinem Oberkommando konnte die Unionsstreitmacht schließlich 1865 den Sieg erringen.

Während sich General Grant erfolgreich in Tennessee geschlagen hatte, sah es im Osten für die Unionsarmee weniger gut aus. Ein erneuter Vorstoß der Truppenteile unter US-General John Pope scheiterte kläglich bei Bull Run. Der 30. August 1862 endete mit einer kompletten Niederlage der Nordstaatler. Beide Seiten hatten etwa 25.000 getötete, verwundete oder vermisste Soldaten zu beklagen.

Präsident Abraham Lincoln setzte erneut General McClellan an die Spitze der Potomacarmee. Nach einer gründlichen Reorganisation der Truppenteile setzten sich sechs Corps in einer Gesamtstärke von etwa 97.000 Mann in Richtung Süden in Marsch. Am 17. September 1862 griffen die Unionseinheiten die Armee unter General Lee am Antietam an. Mehrere Angriffswellen der Union konnten immer wieder unter hohen Verlusten zurückgeschlagen werden. Am Abend wurden die Opfer gezählt. Über 12.000 Soldaten der Union und etwa 13.500 Konföderierte waren gefallen oder verwundet. Taktisch gesehen war die Schlacht am Antietam ein Sieg für die Südstaaten. Strategisch hatte allerdings McClellan gesiegt, so dass sich die Armee General Lees am nächsten Abend zurückziehen musste.

Dennoch war der kommandierende General der Potomacarmee nicht in der Lage, den angeschlagenen Feind zu verfolgen. McClellans phlegmatischer Führungsstil ermöglichte immer wieder dem Feind, sich unbehelligt zurückzuziehen und seine erschöpften Truppen zu sammeln. Im November 1862 wurde McClellan abgesetzt und durch General Ambrose Everett Burnside ersetzt. Auch Burnside hatte West Point absolviert und geriet ohne sein Zutun in diese Kommandoposition. Leider erwies sich seine Wahl als äußerst verheerend für die Streitkräfte. Am 13. Dezember 1862 stürmten die Unionstruppen unter seinem Befehl gegen die ausgezeichneten Verteidigungslinien des Feindes bei Fredericksburg massenhaft in den Tot. Den hohen Verlusten der Unionssoldaten von über 12.500 Mann standen etwa 5.500 außer Gefecht gesetzte Südstaatler gegenüber. Nach dieser katastrophalen Niederlage wurde der charismatische aber selbstsüchtige General Joseph Hooker an die Spitze der Unionsstreitkraft gestellt. Auch er scheiterte mit seiner gewaltigen Armee von über 134.000 Mann in der Nähe von Chancellorsville, nachdem er von einer kleinen, aber äußerst agilen Armee unter dem fähigen Südstaatengeneral „Stonewall“ Thomas J. Jackson am 1. Mai 1863 angegriffen worden war. Die mehrtägige Schlacht zeigte im wesentlichen die Unfähigkeit Hookers und einiger seiner Divisionäre. Über 30.000 Mann seiner Potomacarmee sind während der Kampfhandlungen nicht zum Einsatz gekommen. General Hooker selbst war überfordert und musste das Kommando abgeben, nachdem er die Nerven verloren hatte. Chancellorsville forderte die Verluste von über 29.500 Mann auf beiden Seiten und zählt zu den eindeutigsten und überzeugendsten Siegen General Lees. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Armee der Konföderation auf dem Höhepunkt ihrer Siege. Bereits zwei Monate später sollte sich jedoch das Blatt zugunsten der Union wenden und den Niedergang der Südstaaten besiegeln.

Cheering Stonewall Jackson, von Charles Hoffbauer (1875 - 1957). Zerlumpte, ausgezehrte Konföderierte ziehen an ihrem Befehlshaber General Stonewall Jackson vorbei und erweisen ihm ihre unbeugsame Treue.

Konföderierte Einheiten waren auf der Suche nach Schuhwerk, als sie am 1. Juli 1863 in der Nähe von Gettysburg, Pennsylvania, auf einige Verbände der Unionsarmee stießen. Bis zum 3. Juli zogen sich die Kämpfe hin, die mit dem vernichtenden Sturmangriff der Südstaatenarmee über freies Gelände ihr Ende fanden. Mittlerweile hatte der aus Spanien stammende General George G. Meade das Kommando über die Unionsarmee. Meade war ein kluger Taktiker, der die Situation richtig erkannte und ausnutzen konnte. Die Schlacht von Gettysburg endete mit gewaltigen Verlusten. Über 51.000 Mann, davon allein 28.000 Konföderierte, waren gefallen, verwundet oder in Gefangenschaft geraten. Angesichts dieser enormen Verluste wurde ein Ehrenfriedhof auf dem Schlachtfeld errichtet, zu dessen feierlichen Einweihung Präsident Abraham Lincoln am 19. November 1863 seine berühmte und oft zitierte Rede hielt. In der Zwischenzeit konnte US-General Grant auch auf den westlichen Kriegsschauplatz bedeutende Siege erringen. Gnadenlos jagte er die Südstaatenarmee, um sie schließlich in der Stadt Vicksburg einzuschließen. Dabei wurde Grant erneut seinem Ruf gerecht, rücksichtslos vorzugehen. Im Juni 1863 stand General Grant mit über 71.000 Mann vor den Toren von Vicksburg. Pünktlich zum 87. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten konnte er am 4. Juli die Kapitulation der Stadt seinem Präsident Lincoln melden.

General U. S. Grant in heroischer Pose, das Schlachtgeschehen dominierend.

Die Kriegsaktivitäten nach dem Wendepunkt von Gettysburg ließen auf beiden Seiten nach. Im September 1863 wurde eine US-Armee unter General William S. Rosecrans bei Chickamauga schwer geschlagen. Das eigentliche Ziel der Operation, der Eisenbahnknotenpunkt Chattanooga, konnte erst im November des gleichen Jahres von der Union unter General William T. Sherman genommen werden. Der Krieg im Westen war damit endgültig für die Konföderation verloren.

Im Frühjahr 1864 begann der letzte Feldzug der Unionstruppen, die nun von Westen und Norden gemeinsam nach Georgia einmarschieren konnten, um die konföderiere Hauptstadt Richmond einzunehmen. Am 9. März 1864 wurde Grant in Washington zum Generalleutnant und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt. Auf ihm ruhte die Hoffnung der Regierung und der Nation des Nordens. Grant war sich seiner Verantwortung bewusst und machte sich sogleich an die Arbeit. Seine Strategie sah dabei vor, die Hauptstadt der Konföderation Richmond mit drei Unionsarmeen in die Zange zu nehmen. Eine vierte Streitmacht unter General Sherman sollte sich auf die Einnahme von Atlanta in Georgia konzentrieren. Anfang Mai 1864 setzte sich eine über 100.000 Mann starke Potomacarmee in Richtung Süden in Marsch. In der Wilderness, nur wenige Meilen westlich des alten Schlachtfeldes von Chancellorsville, wurden die Unionstruppen von der Armee General Lees angegriffen. Die Gefechte spielten sich in einem unwegsamen Gelände ab. In dem Dickicht kam es zu dramatischen Situationen. Das Unterholz geriet durch die Feuergefechte überall in Brand und bis zum 6. Mai 1865 fanden zahlreiche Soldaten beider Seiten den Feuertod. Trotz der Verluste von etwa 18.000 Unionssoldaten marschierte die Armee General Grants weiter unaufhaltsam nach Süden. Anfang Juni prallte die riesige Streitmacht auf die Verteidigungslinien von Cold Harbor, nur wenige Meilen nordöstlich von Richmond entfernt. Wieder zeigte sich die taktische Überlegenheit General Lees. Gnadenlos trieb General Grant seine Truppen in das Stellungsfeuer des Feindes. Innerhalb einer Stunde verlor die Unionsarmee über 6000 Mann. Der gesamte Feldzug General Grants hatte seit Mai 1864 rund 52% seiner Truppen gekostet. Die Verluste auf der Gegenseite waren prozentual höher, konnten allerdings nicht so leicht wie auf Unionsseite wieder ersetzt werden. Unbeirrt von den Verlusten wälzte sich die  Unionsarmee weiter nach Süden. Im September konnte die konföderierte Stadt Atlanta eingenommen werden. Der Zeitpunkt war äußerst günstig. Im November des gleichen Jahres fanden die Präsidentschaftswahlen im Norden statt, die unter dem Einfluss der militärischen Ergebnisse zur Wiederwahl Präsident Abraham Lincolns führten. Unterdessen war die Armee General Lees damit beschäftigt, Richmond zur Festung auszubauen. Am 3. Februar 1865 erhielt Lee den Oberbefehl über die Streitkräfte der Konföderation. Weder seine Ernennung zum Oberbefehlshaber noch die Mobilmachung von Negertruppen in Richmond konnte die unmittelbar bevorstehende Niederlage aufhalten. Als die Einkesselung durch Unionstruppen unerträglich wurde, durchbrach General Lee mit seiner Armee die Umklammerung und marschierte nach Westen. Sofort setzte General Grant mit seinen Truppen nach und stellte die erschöpfte Armee General Lees am 9. April 1865 bei Appomatox Court House. Hier unterzeichnete General Lee wenig später die Kapitulation seiner nicht einmal 30.000 Mann starken Armee. Nachdem der konföderierte Präsident Jefferson Davis Richmond verlassen hatte, zogen im Mai 1865 Unionstruppen unter dem deutschstämmigen General Gottfried Weitzel in die Stadt ein und hissten das Sternenbanner. Die offizielle Kapitulation der Konföderation wurde am 14. April von einem tragischen Ereignis überschattet. Während eines Theaterbesuches in Washington beendete die Kugel eines Fanatikers das Leben des Präsidenten Abraham Lincoln und zerstörte damit die reale Chance auf einen gemäßigten Wiederaufbau des besiegten Südens.

Furling the Flag (die Fahne wird zusammen gerollt), Ölgemälde von Richard N. Brooke (1847 - 1920), 1872. Die Kapitulation der Konföderierten Staaten von Amerika. Heute unvorstellbar: die geschlagenen Soldaten, vom Kind bis zum Greis, beweinen trotz der schrecklichen vier Jahre die Niederlage ihrer Sache. Ihrem Zeitgeist entsprungen und dem begrenzten individuellen geistigen Horizont geschuldet, bedeutet ihnen der (vermeintliche) Sinn des Krieges mehr, als ihr Leben oder das Leben ihrer Familie und Freunde. 

 

Der gebürtige Norweger Ole Peter Hansen Balling (1823 - 1906) schuf das große Panoramabild "Grant and His Generals" im Jahre 1865. Es zeigt den heroischen Augenblick der Vereinigung der siegreichen Unionsgenerale unter dem Oberbefehl von U. S. Grant.

Der Bürgerkrieg und seine Folgen

Kein Krieg, an dem die USA bis zum heutigen Zeitpunkt teilgenommen hat, war so verlustreich wie der Bürgerkrieg. Weit über 600.000 Soldaten beider Seiten hatten ihr Leben in dem Konflikt verloren. Ungezählt sind die Opfer in der Zivilbevölkerung. Das Land war verwüstet, die Nation gespalten. Während der Kriegsjahre hatten sich rund 2 Mio. Soldaten auf Unionsseite und etwa 900.000 Soldaten auf Seite der Konföderation gegenübergestanden. Unmittelbar waren ungefähr 67.000 Unionssoldaten und 85.000 Südstaatler in den Schlachten gefallen. Erschreckend ist die Zahl derer, die an Krankheit starben. Über 224.000 Nordstaatler und etwa 180.000 Konföderierte gingen an Krankheiten zugrunde, weitere 80.000 erlagen ihren Kriegsverletzungen. Zahlenmäß exakter als dieses unvorstellbare menschliche Leid wurde der finanzielle Schaden ermittelt. Der Gesamtverlust beider Seiten lässt sich mit über 20 Milliarden Dollar beziffern. Der Wiederaufbau des zerstörten Südens wurde unter dem Aspekt der Bestrafung durch die Siegermacht vollzogen und trieb dadurch erneut einen tiefen Keil in die Nation. Bis heute sind die Auswirkungen des Bürgerkrieges und die Jahre der Rekonstruktion in den USA zu spüren. Erst im Jahre 1877 rückten die letzten Bundestruppen aus den besetzten Südstaaten ab und hinterließen einen besiegten und zu tiefst gedemütigten Süden. Mit Beendigung des Bürgerkrieges hatten sich die Rassenprobleme verschärft. Überall entstanden Geheimbünde mit dem Ziel, die nun verfassungsrechtlich gleichgestellten Neger zu tyrannisieren. Ein Problem, nicht nur in den Südstaaten, das bis zum heutigen Tag nichts an Brisanz verloren hat.                                 

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Amerikanischer Bürgerkrieg

(1861-1865)

 

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