Auf dem Schießstand: Schwarzpulverwaffen im Einsatz.

 

Das "Arbeitsgerät": Ein Colt Model 1873 HEGE - UBERTI, 5 1/2 Zoll Lauf im Originalkaliber .45 LC (eigentlich .45 - 40). Die Waffe steht zwar nicht in Verbindung mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg, eignet sich jedoch hervorragend zum Schwarzpulverschießen.

hier kurze Abfolge im Film

 

 

Ich verwende zum Geschossgießen eine Kokille von RCBS, welche dem Original nachempfunden wurde. Die Patrone wird mit 35 grains Schweizer ZWO (Schwarzpulver) geladen. Der Schuss wirkt aufgrund der recht hohen Ladung äußerst kräftig und treibt den Lauf ruckartig nach oben (Bild rechts), bevor sich dieser wieder stabilisierend in die Waagerechte zurück bewegt (Bild unten). Der Spaß hat allerdings auch seine Schattenseite. Für jeden Wiederlader bedeutet das SP - Patronenschießen einen Albtraum. Das Pulver macht die Hülsen nahezu unbrauchbar und verursacht starke Ablagerungen auch in der Waffe selbst. Hier hilft nur rasches und gründliches Reinigen mit heißem Wasser. Es bleibt nicht mehr viel vom Nimbus des beidhändig schießenden Revolverhelden, der im Staub der Plains hastig seine leer geschossenen Trommeln nachlud und das gleiche Spiel nahezu unbegrenzt fortsetzen konnte. Wer mit solch einer Waffe geschossen hat, musste nach wenigen Runden wegen völliger Verschmauchung von Lauf und Trommel kapitulieren. Die Originalladung betrug 40 grains Schwarzpulver ( in einer Qualität, die sich mit dem heutigen Schweizer Zwo zum Beispiel, überhaupt nicht vergleichen ließ). Diese Ladung trieb ein 255 grains schweres Bleigeschoss an und brachte dieses auf etwa 250 m/s.

Von Interesse dürfte die Tatsache sein, dass modernes Jagdschwarzpulver in einer Ladung von 35 grains einen Gasdruck von bis zu 933 bar erreichen kann (zum Vergleich: ein PKW Reifen hat zwischen 2 bis 3 bar). Damit liegt es nur knapp unter NC - Pulver ( Ladungen von etwa 6 - 8 grains), mit welchem Revolver Repliken von heute in aller Regel geschossen werden. Für die ausgezeichnete Qualität heutiger Schwarzpulversorten sprechen auch die Geschossgeschwindigkeiten der Projektile. Sie liegen immerhin bei etwa 320 m/s und sind damit bedeutet höher als Originalladungen.

 

 

als nächstes folgte der Starr Karabiner

Das untere Bild zeigt den Augenblick der Zündung des Zündhütchens, noch bevor der Feuerstrahl die Ladung im Patronenlager erreicht.

 

                

Die Waffe wird mit einer Papierpatrone geladen, wobei ich etwa 45 grains Schwarzpulver verwende. Um die Originallänge der Papierpatrone gewährleisten zu können, setze ich unter das Bleigeschoss einen Filzpfropfen, der die fehlende Ladung zum Original (62 grains) ausgleichen soll. Das Bild ganz unten zeigt rechts zwei Original Starr Linen Patronen .54, daneben meine nachgebauten Papierpatronen. Ganz links liegen Starr Bleigeschosse von DGW sowie zwei Filze im Kaliber .44. Der Starr Karabiner steht in Bezug auf Qualität der Gasabdichtung, Handling und Schussverhalten ganz oben in (meiner) Rangliste. Aversionen einiger Unionssoldaten  dieser Waffe gegenüber kann ich in keiner Weise teilen. Zuverlässig und gleich bleibend im Schussverhalten, würde ich den Starr Karabiner als den besten Karabiner mit Papierpatrone bezeichnen. Lediglich die flache Abwinklung des Gewehrkolbens macht den Anschlag etwas gewöhnungsbedürftig. Der Schütze muss sich weit nach oben drehend in die Waffe "hinein legen", um Ziel aufnehmen zu können. Ich vermute, dass genau dies das Handicap einiger Unionssoldaten gewesen war, die sich in ihrer engen, schweren und unbequemen Montur beim Schießen dieser Waffe ganz besondere Mühe geben mussten.

 

ACHTUNG: Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass ich für alle vorgenannten Ladeangaben keine Verantwortung übernehme!

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