*** REPLIKEN IM TEST ***

 

Feindliche Übernahme

Auf der Suche nach einem einfachen und nahezu gasdichten Hinterlader mit Perkussionszündung bastelte Mahlon J. Gallager so lange, bis er ein brauchbares Kippsystem entwickelt hatte. Der Karabiner sollte sich trotz einiger interessanter Ansätze nicht durchsetzen. Lesen Sie hier die Geschichte des Hinterladekarabiners, der ausgerechnet an der richtungsweisenden Metallmunition scheitern sollte. Folgen Sie seinen Spuren bis zu der Wiederbelebung der Waffe durch einen deutschen Nachbau.

Der Kipplaufkarabiner von Mahlon J. Gallager

Die Zeichen standen bereits auf Sturm, als der Südstaatler Mahlon J. Gallager das Patent seines Hinterladerkarabiners erhielt. Im Jahre 1860 befanden sich die Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Weg der nationalen Spaltung mitten hinein in einen Bürgerkrieg.  Am 17. Juli des gleichen Jahres wurden mit der Patentnummer 29.157 einem jungen Konstrukteur aus Savannah, Georgia, die Rechte eines neuen Kipplaufkarabiners übertragen. Zu dieser Zeit reichten Erfinder und Konstrukteure fast täglich neue Waffensysteme im Patentamt ein, so dass sich für Mahlon J. Gallager zunächst keiner interessierte. Erst 1 1/2  Jahre später wurde Tuchfühlung mit den Behörden in Washington aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die aus Philadelphia stammende Firma Richardson & Overman die Rechte am Kipplaufkarabiner erhalten. Die beiden Geschäftspartner bemühten sich um einen der begehrten Regierungsaufträge, nachdem der Bürgerkrieg ausgebrochen war. Im Herbst 1861 trafen die ersten Waffen zu Testserien im Arsenal von Frankford, Philadelphia, ein. Der Karabiner des Südstaatlers Gallager lag nun zur Begutachtung dem Feind im Norden vor!

 

Einfache Handhabung

Gallagers Konstruktion basierte auf der Überlegung, durch die Zweiteilung der Waffe das Laden einer Metallkartusche zu erleichtern. Öffnen und Schließen mittels eines Abzugsbügels war zur damaligen Zeit keine Besonderheit mehr. Die Waffe bestand aus zwei Grundelementen: Lauf mit Verriegelungsschiene sowie Gewehrkolben einschließlich Verschlussgehäuse, der den Zündmechanismus beinhaltet. Der Karabiner wurde über den verlängerten Abzugsbügel in einer Vorwärtsbewegung entriegelt. Dabei schob sich zuerst der Lauf um etwa 3 cm aus dem Verschlussgehäuse und kippte anschließend um etwa 20 Grad nach unten. Der Lauf mit dem Patronenlager lag nun frei und konnte mit einer speziell konstruierten Metallhülse geladen werden. Zum Verriegeln brachte der Schütze den Lauf wieder in die Waagerechte und zog den Lauf samt eingeführter Patrone zurück in das Verschlussstück. Zu guter Letzt musste nur noch der Abzugsbügel zurück in die federgelagerte Nase auf der Unterseite des Gewehrkolbens eingerastet werden. Der Hahn wurde gespannt, ein Zündhütchen auf das Piston gesetzt und der Karabiner war schussbereit. Mit fast 100 cm Gesamtlänge - 57 cm davon entfielen auf den Lauf – und einem Gewicht von 3,3 kg fügte sich der Gallager problemlos in die Standartabmessungen der Kavalleriebewaffnung. Die Waffe besaß sechs Züge im Kaliber .50 und verschoss Bleiprojektile, die fast 0,6 mm mehr im Durchmesser maßen. Diese, nach ihrem Erfinder benannten „Poultneys Metallic Cartridges“ kamen im 10er Pack einschließlich 12 Zündhütchen ab 1863 an die Front. Angetrieben wurde das 374 grains schwere Geschoss von 50 grains  Schwarzpulver.

Der Gallager Nachbau mit geöffnetem Verschluss. Auf der linken Seite befindet sich die Reitstange mit Karabinerring zur Befestigung der Waffe am Schulterriemen des Kavalleristen.

Verspätete Lieferung

Im September 1861 begann die Begutachtung von 200 Karabinern im Frankford Arsenal durch Leutnant Thomas J. Treadwell. Die Karabiner überzeugten hier und ein Exemplar geriet in die Hände hoher Regierungsvertreter. Auf Druck des stellvertretenden Kriegsministers, Thomas A. Scott, bestellte das Zeugamt unter General James W. Ripley die ersten Gallager Karabiner. Am 17. September 1861 erging die erste Bestellung über 5.000 Karabiner an die Firma Richardson & Overman. Dabei wurde vereinbart, dass jeden Monat 500 Stück nebst 40 wiederladbaren Messinghülsen und Zubehör für den Preis von $ 30,00 geliefert werden sollten. Weitere $ 25,00 sollten für je 1000 Schuss bezahlt werden. Die Geschäftspartner George J. Richardson und William W. Overman hatten sich mit der Zusage über die pünktliche Lieferung solch hoher Stückzahlen übernommen. Bis zum 11. März 1862 konnten lediglich 840 Karabiner und 30.000 Patronen gefertigt und ausgeliefert werden. Das Zeugamt reagiert prompt und schickte zwei seiner Beamten zur Kontrolle in die Fertigungshallen des Unternehmens. Die ermittelnden Beamten, Joseph Holt und Robert D. Owen, stellten allerdings zu ihrer Überraschung fest, dass alle Maschinen und Arbeiter vorhanden waren und die Produktion lief. Nach der Zusicherung, 200 Karabiner in der Woche herstellen zu können, verließen die Regierungsbeamten zufrieden die Produktionsstätte. Jedes Jahr produzierte man nun rund 7000 Stück, die zuletzt für $ 20,00 pro Karabiner verkauft werden konnten. Bis Dezember 1864 wurden 17.728 Perkussionskarabiner an die Regierung geliefert. Hinzu kamen rund 8 Mio. Schuss Munition. Rechnet man die aptierten Modelle nach dem Krieg hinzu, so brachte es die Firma Richardson & Overman auf einen Gesamtumsatz von stattlichen $ 718.163.

James Wolfe Ripley (1794 - 1870), altersstarrsinniger, sturer Militär und Chef des US - Zeugamtes von 1861 bis 1863, konnte trotz seiner Vorbehalte moderner Hinterladesysteme gegenüber, die Einführung des Gallager Karabiners nicht verhindern.

 

Von wertlos bis sehr gut

Der Gallager Karabiner zählte zweifellos zu den am meist umstrittenen Waffen seiner Zeit. Dies spiegelte sich insbesondere in der Meinung der Truppe wider. Bereits 1862 betonte Hauptmann William Hannis, Chef des Zeugamtes Ohio, dass er keinen Offizier kenne, der sich positiv über den Gallager Karabiner im Einsatz geäußert hätte. Wie bei vielen Waffen, die erstmals mit Metallkartuschen arbeiteten, lagen auch beim Gallager hier die größten Probleme. Nach dem Abfeuern ließen sich die leeren Hülsen nur mit großem Kraftaufwand aus dem Patronenlager im Lauf entfernen. Das mitgelieferte Werkzeug diente nun nicht zum Zerlegen der Waffe, sondern zum Entladen. Im schonungslosen Feldeinsatz verloren die Kavalleristen oft ihr Werkzeug und waren nach dem Abfeuern von wenigen Schüssen mit ihren Gallagern regelrecht hilflos. Leutnant Horace Porter vom Zeugamt der Cumberland Armee, urteilte im Jahre 1863: „Der gut gefertigte Gallager Karabiner ist in den Händen von erfahrenen und umsichtigen Truppen, die allesamt mit Werkzeugen in speziellen Vorrichtungen ausgerüstet sind, eine durchaus gute Waffe. Aber wir verfügen nicht über solche Truppen und sollten unsere Männer lieber mit brauchbaren Waffen ausrüsten.“ Oberst John E. Phelps vom 2. Arkansas Kavallerieregiment beklagte die Schussleistung sowie die mangelhafte Qualität der Waffe. Er bewertete den Gallager weit schlechter als die Karabiner von Sharps, Smith oder Gwyn und Campbell. Nachdem die Reiter der 7. Iowa Kavallerie in Vorbereitung auf die Indianerkriege 1864 mit Gallager Karabinern bewaffnet worden waren, bezeichnete Leutnant Eugene F. Ward die Waffe als „überaus nutzlos“. Lediglich die Männer der 9. Kansas Kavallerie waren begeistert, als sie im September 1864 444 Gallager Karabiner erhielten. Die Auswertung des Zeugamtes über den feldmäßigen Einsatz von Karabinern in den Jahren 1863 und 1864 brachte ein eindeutiges Ergebnis. Von 50 befragten Offizieren bescheinigten gerade einmal 10 dem Gallager Karabiner gute Noten. Die restlichen Offiziere bezeichneten die Waffe mehr oder weniger als nutzlos. Der Grund dafür lag wiederum in der Schwierigkeit beim Entfernen der verschossenen Messinghülsen. Einige Kavalleristen versuchten mit ihren Messern, die verkeilten Kartuschen aus dem Lauf zu befördern. Ein unhaltbarer Zustand für die berittene Truppe. In einem Brief vom 5. April 1864 sprach sich der neue Chef des US – Zeugamtes, General George D. Ramsay, erstmals dagegen aus, den Gallager weiterhin für die Bewaffnung der Kavallerie vorzusehen. Bis zum Jahresende wurden daraufhin nur noch 100 Karabiner für $ 18,00 gekauft.

Horace Porter (1837 - 1921), ein Absolvent der Harvard Universität des Jahrganges 1860, bezeichnete den Gallager Karabiner als nutzlos im Feldeinsatz.

 

John Elisha Phelps (1839 - 1921), ein ehemaliger Viehhändler aus Missouri, beklagte die schlechte Qualität und Schussleistung des Gallager Karabiners.

 

Aptierte Version auch für Europa

Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges verfügte die Regierung über eine gewaltige Anzahl an Handfeuerwaffen. Um die teure Verschrottung zu verhindern wurden zahlreiche Modelle auf die Metallpatrone .56 – 50 von Spencer aptiert. Im Falle einer laufenden Waffenproduktion wurde versucht, die noch zu fertigenden Modelle auf die neue Randfeuerpatrone umzustellen. Im Mai 1865 konnten die ersten 1000 umgerüsteten Gallager Karabiner für $ 20,00 das Stück geliefert werden. Ihr neues Einsatzgebiet lag nun in den Prärien des Westens, wo der Konflikt mit den Ureinwohnern eskalierte. Major Franklin D. Callender, befehlshabender Offizier des Arsenals von St. Louis, staunte nicht schlecht, als er anstatt der bestellten Spencer Karabiner nun 2.500 aptierte Gallager in den Kisten vorfand. Er hatte für seine Truppen eigentlich die siebenschüssigen, heiß begehrten Spencer Karabiner vorgesehen, um den verbittert kämpfenden Indianern gewachsen zu sein. Oberst Robert H. Carnahams Reiter der 3. Illinois Kavallerie rückten mit 630 Gallagers bewaffnet gegen feindliche Indianer in Minnesota und dem Dakota Territorium vor. Im Juni 1865 wurden die letzten der insgesamt 5.000 Gallagers im Kaliber .56 – 50 ausgeliefert. Fünf Jahre später kaufte das New Yorker Unternehmen Schuyler, Hartley und Graham 2.500 auf Metallpatrone umgerüstete Gallagers zum Stückpreis von $ 12,50. Die Waffen gingen unverzüglich auf große Reise nach Europa und wurden im Krieg 1870 bis 1871 von der französischen Armee eingesetzt.

Franklin Dyer Callender (1817 - 1882), ein Westpoint Absolvent und Veteran des Krieges gegen Mexiko, bekam entgegen der zugesagten Spencer Karabiner kistenweise aptierte Gallager Waffen.

 

Robert Huston Carnham (1823 - 1913), vor dem Krieg in der Landwirtschaft tätig, befehligte nach 1865 die 3. Illinois Kavallerie, die im Kampf gegen Indianer mit Gallager Karabinern ausgerüstet war.

 

Der Nachbau

In den 1970er Jahren wagte sich das deutsche Erma – Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Wischo Jagd – und Sportwaffen GmbH & Co. KG an den Nachbau des interessanten Kipplaufkarabiners. Im Ergebnis wurde ein authentischer Nachbau auf den Markt gebracht, der sich in nahezu allen Details mit dem Original messen konnte. Dies führte unter anderem dazu, dass die nachgebauten Messingladehülsen in beiden Waffen passen. Wie beim Original, befindet sich auch bei der Replik eine Patchbox am Gewehrkolben aus Nussbaumholz. Das Verriegelungssystem wurde nahezu perfekt vom Original kopiert. Bei so vielen Übereinstimmungen stören die Unterschiede kaum. Während auf dem Original Patentdatum und Hersteller die Schlossplatte zieren, findet man beim Nachbau die Gemeinschaftsproduktion zwischen Wischo und Erma eingeprägt. Lediglich der Schriftzug „Gallager Mod. 1860“ deutet auf den Waffentyp hin. Auf der linken Laufseite wird auf die Verwendung von Schwarzpulver sowie die genaue Kaliberangabe .54 hingewiesen. Statt der amerikanischen Inspektorenmarken am Original sind beim Nachbau an verschiedenen Stellen die deutschen Beschusszeichen sowie die Waffennummer eingeschlagen. Kommt das Original mit sechs Zügen aus, findet man bei manchen Erma Gallagers auch mal 16 feine Züge im Rechtsdrall. Der brünierte Lauf misst wie beim Original 56 cm und endet mit dem Patronenlager in einem konisch ausgebildeten Überstand von etwa 3 mm. Beim Verriegeln schiebt sich dieses konische Endstück gut 1 cm in das Verschlussgehäuse am Gewehrkolben, auf dessen   Oberseite der Pistonsockel sitzt. Auf diese Weise wird ein nahezu gasdichter Zustand während des Schusses erreicht.

Der Gallager Nachbau mit geöffnetem Verschluss. Gut zu erkennen ist der konische Überstand am Lauf.

 

Ladehülsen und Geschosse

Das Schießen mit dem Gallager Nachbau ist nur mit speziellen Messinghülsen möglich. In Deutschland werden über das Internet Ladehülsen angeboten, die gegenüber dem Original eine eingefräste Nut am hinteren Teil besitzen. Hierzu sollten speziell die Seiten von egun durchsucht werden, da dort am häufigsten angeboten wird. Im CDS Carbine Discount Shop in Neukirchen erhält man für 25 Euro 5 Ladehülsen. Über das Internet kann die D. Ehrenreich GmbH unter www.cds-ehrenreich.de kontaktiert werden. In Amerika kann über Dixie Gun Works Inc. bestellt werden. Eine gedrehte Messinghülse kostet $ 3,95, zzgl. Versandkosten. Dazu sollten originalgetreue Bleigeschosse im Kaliber .543 bestellt werden. Für 100 Stück bezahlt man bei Dixie Gun Works $ 19,95. Einfacher aber nicht unbedingt günstiger geht es mit herkömmlichen Bleirundkugeln im Kaliber .535 oder .54. Bei Haendler & Natermann kosten 50 Kugeln immerhin 11,95 €. In eine 4 cm lange Ladehülse passen 45 grains Schwarzpulver und damit rund 5 grains weniger als im Original.

Die Messingladehülsen mit Rundkugeln und Ogivalgeschossen für den Nachbau.

 

Auf dem Schießstand

Getestet wurde mit einem Karabiner aus der ERMA Werkstatt der 1970er Jahre. Die Distanz betrug 50 m. Dabei kam die Waffe sitzend aufgelegt zum Testeinsatz. Wie beim Original kamen die fertig geladenen Messingkartuschen in den Lauf. Eine interessante, allerdings nicht authentische „Bestückung“ des Karabiners kann man in der Bedienungsanleitung von ERMA nachlesen. Demnach rollte zuerst eine .54er Rundkugel in den Lauf. ERMA hatte demnach den Einsatz eines originalgetreuen Geschosses nicht vorgesehen. Ihr folgte die mit einer Filzscheibe verdämmte Ladehülse. Beim Verriegeln pressten sich Bleikugel und Kartusche ineinander. Unberücksichtigt dessen, das es sich hier um einen Stilbruch handelt, darf die vermeintliche Vereinfachung des Ladevorganges angezweifelt werden.

 

Ladung

Geschoss

Kartusche

Schusszahl / Streuung [cm]

45 grains Ch 2

.535 RK H&N

Messing

10 / 6,5

45 grains Ch 2

.543 Ogival Form

Messing

10 / 5

 

Mit Rundkugel

Nach dem Einfüllen des Schwarzpulvers muss die Rundkugel fest auf die Messinghülse gedrückt werden, um sich beim Ladevorgang nicht zu lösen. Hierzu sollte mit einer Revolverladepresse gearbeitet werden, um Schlag oder Stoß zu vermeiden. Das Verriegeln des Abzugsbügels erfolgt mit einer Rundkugel bestückten Messinghülse problemlos. Der Schütze spürt lediglich einen kleinen Widerstand beim Einschneiden der Rundkugel in die Züge. Die leichte Handhabung wird durch ein erstklassiges Schussbild noch übertroffen. Selbst nach vielen Schüssen kann die leere Messinghülse ohne jegliche Schwierigkeiten wieder entfernt werden. Allerdings sollte spätestens nach jeweils 5 Schuss die Messinghülse von außen kurz gereinigt werden.

 

Mit Ogivalgeschoss

Das dem Original nachempfundene Geschoss wirkt auf den ersten Blick einfach. Beim Aufsetzen auf den Hülsenmund treten dann aber schon Probleme auf. Durch die zu breite Fettrille verkantet das Geschoss augenblicklich beim Eindrücken in die Messinghülse. Hinzu kommt der größere Geschosskaliber, der nicht mit dem Innendurchmesser der Hülse harmoniert. Abhilfe schafft hier das leichte Umbörteln des unteren Geschossteils mittels einer Zange, um die „Vereinigung“ von Geschoss und Messinghülse dennoch zu ermöglichen. Störend wirkt sich immer wieder die zu geringe Fläche am Geschoss aus, so dass dieses nach wie vor ständig in der Hülse verkantet. Ist es dann endlich geschafft erwartet den Schützen die nächste Hürde. Je nach der Härte des verwendeten Geschossbleis gestaltet sich das Verriegeln des Karabiners recht mühselig. Unter Umständen artet das Laden mit einer Kartusche in einen wahren Kraftakt aus. Allerdings muss dieser mit aller Konsequenz bis zum hörbaren Einrasten des Abzugbügels vollzogen werden. Die Schussleistung des Gallagers entschädigt dann allerdings für alle Mühe während der Vorbereitung. Das spätere Reinigen des Laufes wird durch die Verwendung von Geschoßfett in den Fettrillen bedeutend erleichtert. Auch bei der Verwendung originalgetreuer Geschosse gibt es beim Entfernen der leeren Messinghülsen keine Probleme. Die Kartusche ragt weit genug aus dem Lauf heraus, um sie bequem umfassen und herausziehen zu können.

Fazit

Der Gallager Nachbau aus dem Hause ERMA ist in Punkto Verarbeitung und Schussleistung unübertroffen. Egal welches Projektil benutzt wird, auf 50 m lassen sich mit wenig Übung super Treffer hinlegen. Dabei erweist sich die Rundkugel trotz ihrer ballistischen „Unvollkommenheit“  dennoch als klarer Favorit. Der Ladevorgang ist gegenüber dem Ogivalgeschoss mit ihr ein Kinderspiel. Auf eine Distanz von 50 m ist die Rundkugel unschlagbar. Rückstoss und Verschmauchungen halten sich in Grenzen. So kann sich der Schütze voll und ganz auf das Ziel konzentrieren. Die ideale Wettkampfwaffe. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Visierung des Gallagers bei 100 yards beginnt. Meisterschaften hierzulande werden mit einer solchen Waffe in aller Regel auf eine Entfernung von 100 ausgetragen. Dies muss also berücksichtigt werden, da bei der Visierung theoretisch fast 9 m fehlen. Einige Sportschützen gleichen diese Differenz dadurch aus, dass sie das Korn etwas herunterfeilen. Die ballistische Flugbahn erhöht sich leicht und mit ihr hoffentlich die Trefferquote.

Alles hat seinen Preis

Ein originaler Gallager Karabiner ist in Deutschland relativ schwer zu bekommen. In den Staaten zahlt man je nach Zustand zwischen $ 950 bis $ 2.750. Die aptierte Metallpatronenversion ist nur unbedeutend billiger. Deutlich günstiger sind die Erma Nachbauten, obwohl auch diese nicht ganz so leicht zu erwerben sind. Hier bieten sich Messen oder Auktionen an, die immer wieder einmal ein Gallager Replik im Programm haben. Im Internet bekommt man fast regelmäßig die Gelegenheit, unter www.egun.de gepflegte Modelle zwischen 250 und 500 Euro zu ersteigern.

 

zurück zur Waffentechnik