Ein Suchender zwischen zwei Welten

Georg Luther

Eine Salzunger Geschichte

von Karl Döbling

Gründliche Recherchen des Historikers Karl Döbling haben im Ergebnis zu einer interessanten Darstellung des Lebensweges von Georg Luther geführt, die der Historiker zu einem biografisch-historischen Roman verarbeitet hat. Die Geschichte von Georg Luther, einem Nachfahren des berühmten Martin Luther, beginnt in Salzungen, der Geburtsstadt des Protagonisten. Der Autor beschreibt die zunehmend untragbaren Zustände in der alten Heimat, die schließlich in der Revolution 1848/49 kulminieren. Für Georg Luther gibt es Jahre später nur eine Hoffnung, die er mit vielen Landsleuten teilt: Die Auswanderung nach Nordamerika.

Im zweiten Teil des Buches konzentriert sich der Autor auf die Teilnahme Georg Luthers am Amerikanischen Bürgerkrieg, der im Jahr 1861 die junge Nation spaltet. Luther hatte Anfang 1861 Ackerland im Gebiet um Cold Spring in Minnesota gekauft. Nur wenige Monate später herrscht Krieg und auch Luther muss sich die Frage stellen, wieweit sein persönliches Engagement für seine neue Heimat geht. Georg Luther schreibt sich am 22. April 1861 - nur wenige Tage nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten - im 3. Freiwilligenregiment aus Missouri ein. Die Einheit steht unter dem Kommando von Franz Sigel, einem ehemaligen Revolutionär des badisch-pfälzischen Aufstandes von 1848/49. Die Männer stammen fast ausnahmslos aus Deutschland und alle verpflichten sich freiwillig für einen dreimonatigen Kriegsdienst. Aus den drei Monaten werden schließlich fünf und Luther verlässt das Regiment daher erst Anfang September 1861. Er hatte dabei auch im Gefecht gestanden und fünf Schlachten und Gefechte unverletzt mitgemacht. Zurück auf seiner Farm blieben alle Briefe, die er in die Heimat geschrieben hatte, unbeantwortet. Er sieht jetzt nur noch eine Zukunft in der Armee und beschließt kurze Zeit später, in seinem Bundesstaat Minnesota seinen Dienst zu verrichten. Luther meldet sich am 27. Januar 1862 in der D-Kompanie des 5. Freiwilligenregimentes aus Minnesota. Minnesota stellte schon seit Beginn der ersten Einwanderungswelle ein beliebtes Ziel für deutsche Migranten dar. Dem Zensus von 1860 zufolge leben 18.400 Deutsche in dem nordöstlichen Bundesstaat. Sie bilden damit über 10 Prozent der Gesamtbevölkerung im Bundesstaat. Seit 1858 gehört Minnesota dem amerikanischen Staatenbund an. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges rekrutiert Minnesota etwa 20.000 Soldaten für die Union. Weit über 10 Prozent von ihnen waren in Deutschland geboren, darunter auch Georg Luther. Der junge Luther beschreibt in zahlreichen Briefen detailliert und aufschlussreich die Zustände in der Armee und erweist sich hierbei auch als politisch versierter Beobachter. Das 5. Minnestoa Regiment stand zeitweise unter dem Kommando von Rudolph von Borgersrode, der selbst aus Sachsen stammte. In dem Regiment dienen zahlreiche deutsche Einwanderer, und diese Tatsache erleichtert Georg Luther die Entscheidung, sich der Truppe anzuschließen. Allein die D-Kompanie des Regimentes zählt Anfang 1862 92 Deutsche von 100 Soldaten. Während der Belagerung von Vicksburg, Mississippi, im Juli 1863 erkrankt Luther ernsthaft und stirbt wenige Tage später in einem föderierten Lazarett.

Dem Autor ist es gelungen, ein historisches Ereignis aus der Sicht eines Zeitzeugen lebendig wiederzugeben. Luthers Briefe berichten von den Strapazen der Feldzüge und dem Grauen des Krieges. Seine Briefe ermöglichen aber auch Einblicke in den Alltag und in die Sorgen der einfachen Bevölkerung. Georg Luther war einer von ihnen. Ein in jederlei Hinsicht lesenswertes Buch, welches 2011 im Verlag Neue Literatur in Jena erschienen ist. Mehr dazu erfahren Sie hier.


 


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