Deutsche Illinois Einheiten

 

 

Der Berechnung des Militärarztes Dr. Benjamin Gould zufolge, setzte sich die Armee des Bundesstaates Illinois zu über 8 Prozent aus eingewanderten Deutschen zusammen. Im Juli 1861 bildete sich das 9. Illinois Infanterieregiment, welches etwa zur Hälfte aus Deutschen bestand. Das Kommando über das 90 – Tage Regiment (später in das 9. Regiment für drei Jahre verpflichtet) übernahm der ehemalige badische Offizier und spätere Insurgent August Mersy.

Mersy

August Mersy wurde am 25. September 1821 in Karlsruhe geboren. Im Jahre 1838 kam er an die Militärakademie in Karlsruhe. Zwei Jahre später erhielt er bereits sein Leutnantspatent. 1844 wurde Mersy Stabsoffizier in der badischen Armee. Nachdem 1848 die badische Revolution ausgebrochen war, kämfte er anfangs noch gegen die Insurgenten, um später die Fronten zu wechseln. Aufgrund seiner militärischen Ausbildung diente er sich in der Revolutionsarmee rasch bis zum Oberst hoch, und befehligte hier die 3. Division der badischen Freischärler. Mit der Niederringung des Aufstandes flüchtete Mersy über die Schweiz nach Nordamerika, wo er schließlich im November 1849 ankam. Kurze Zeit später ließ er sich in Belleville, St. Clair County, Illinois nieder. Hier fand er eine Anstellung als Kassierer in der Bank of Bellville und bekleidete mehrere öffentliche Ämter auf Gemeindeebene. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges wurde er am 19. April 1861 als Hauptmann der A-Kompanie im 9. Infanteriefreiwilligenregiment von Illinois eingeschrieben. Bereits eine Woche später hatte er den Rang des Oberstleutnants inne. Nach Ablauf der dreimonatigen Dienstzeit der Freiwilligen verpflichtete sich Oberstleutnant Mersy sofort für weitere drei Jahre im neuorganisierten 9. Regiment. Am 2. Dezember 1861 erhielt er schließlich den Rang des Obersten. In der Schlacht von Shiloh wurde Mersy schwer verwundet, nachdem ihn ein Miniégeschoss im Bein getroffen hatte. Nach seiner Genesung fungierte Mersy mehrfach als Brigadeführer der 2. Division im XVI. Armeecorps. Er nahm an zahlreichen Feldzügen teil und kämpfte mit seiner Brigade ab Ende 1863 auf den Schlachtfeldern von Tennessee. August Mersy wurde insgesamt viermal während des Krieges verwundet. Zunehmend geriet er in Alkoholprobleme; eine durchaus gängige Praxis in den Truppen, um dem Grauen des Krieges standhalten zu können. August wurde am 20. August 1864 ehrenvoll aus der Armee verabschiedet. Später erhielt er den Titularrang eines Brigadegenerals. Er kehrte nach Belleville zurück und fungierte hier als Friedensrichter. Mersy starb bereits am 21. Oktober 1866 in Belleville an der Folge einer Wassersucht (Hydropisis) und wurde auf dem dortigen Walnut Hill Cemetery beigesetzt.
Literaurhinweis: Morrison, Marion, A History of the Ninth Regiment Illinois Volunteer Infantry, with the Regimental Roster, Monmouth 1864.

Einen besonderen Verdienst bei der Bildung von Freiwilligeneinheiten im Staate Illinois hatte der 48er Friedrich Hecker. Der promovierte Jurist aus dem badischen Eichtersheim flüchtete im September 1848 nach Amerika und ließ sich als Farmer in Belleville, Ill., nieder. Der entschiedene Republikaner betätigte sich aktiv am politischen Geschehen in seiner neuen Heimat. Er zögerte keinen Augenblick, die Bildung eines Freiwilligenregimentes zu unterstützen, nachdem im Frühjahr 1861 der Bürgerkrieg die Nation in zwei feindliche Lager gespaltet hatte. Im Juni übernahm Friedrich Hecker, nunmehr im Alter von 50 Jahren, das Kommando über das 24. Illinois Infanterieregiment, welches aufgrund der Organisation einflussreicher deutscher Einwanderer aufgestellt werden konnte. Allerdings war die Einheit, das so genannte Hecker – Jäger Regiment, nicht vollständig Deutsch. Bereits im Dezember 1861 wurde dem Rücktrittersuchen Heckers entsprochen und er verließ das 24. Illinois Regiment. Neun Monate später kommandierte er das 82. Illinois, das bezeichnenderweise als 2. Hecker Regiment bekannt wurde. Fast alle Kompanien setzten sich aus gebürtigen Deutschen zusammen; eine Kompanie bestand nur aus jüdischen Einwohnern von Chicago. Oberst Friedrich Hecker befehligte das 82. Illinois Regiment bis zum Februar 1864. Während der Schlacht von Chancellorsville führte er persönlich seine Soldaten gegen die anstürmenden konföderierten Infanteristen unter General „Stonewall“ Jackson[i] und wurde dabei schwer verletzt.

Der Offiziersstab des 82. Illinois Regimentes. In der Mitte sitzt Oberstleutnant Edward Selig Salomon (siehe auch Deutsche Promis), ein Einwanderer aus Schleswig, der Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums. Er hatte die jüdische Kompanie im Regiment organisiert und sollte nach der Verwundung Heckers bei Chancellorsville das 82. Regiment kommandieren. Links neben ihm, in Reitstiefeln, Major Ferdinand H. Rolshausen, der 1828 im Territorium des Deutschen Bundes geboren wurde und 1888 in Loganport, Indiana verstarb. Rechts neben Oberst Salomon sitzt der Regimentsarzt Charles (Karl) Friedrich Edmund Boerner (mit Halbschuhen). Boerner wurde im August 1822 in Sachsen geboren. 1855 kam er nach Amerika und ließ sich in St. Louis, Missouri, nieder. Am 18. Januar 1862 meldete er sich als Regimentsarzt im 3. United States Reserve Corps. Er kam erst am 8. Juli 1863 zum 82. Illinois Regiment. Dr. Karl Boerner schied am 9. Juni 1865 in Washington D.C. aus dem Militärdienst. Er starb am 11. November 1908 in Venedy, Washington County, Illinois.

 

          

Friedrich Franz Karl Hecker wurde am 28. September 1811 im badischen Eichtersheim (heute Baden Württemberg, Regierungsbezirk Karlsruhe), gut 50 km nordöstlich von Karlsruhe, geboren. Sein Vater, Joseph Hecker, war Hofrat des Freiherrn von Venningen. Friedrich besuchte zwischen 1820 und 1830 das Großherzogliche Lyceum in Mannheim. Er studierte später in Heidelberg und promovierte hier 1834 zum Doktor der Rechtswissenschaften. Während seiner Studienzeit in Heidelberg geriet der schnell aufbrausende Hecker in einen Streit mit einem Kommilitonen einer fremden Burschenschaft. Es kam zum Duell und Hecker zog mit einer Handverletzung, die genäht werden musste, den Kürzeren. Der Herausforderer war kein Geringerer als Gustav Körner, der spätere Streiter der Deutschen in Amerika und enger Freund von Präsident Abraham Lincoln. Ab 1838 praktizierte Hecker als Advokat und Prokurator in Mannheim, am Obergericht und Hofgericht des Unterrheinkreises. Im Oktober des folgenden Jahres heiratete er die 18jährige Maria Josefine Eisenhardt, die Tochter eines Mannheimer Kaufmanns. Während der Revolution 1848 / 49 in Deutschland gehörte Hecker als radikaler Republikaner zu den Führern der Insurgenten. Nach der blutigen Niederschlagung der Revolution flüchtete Hecker am 20. September 1848 von Le Havre aus nach Nordamerika. Sein Ruf als unversöhnlicher Streiter für die Freiheit war ihm bereits vorausgeeilt und so empfingen gut 20.000 Menschen den völlig überraschten Hecker, als dieser am 5. Oktober in New York von Bord ging. Wenig später reiste er für kurze Zeit nach Europa zurück, um schließlich 1849 mit Frau und Kindern wieder auf seine Farm in Summerfield, ganz in der Nähe von Belleville, Illinois, zurückzukehren. Vor dem Krieg unterstützte er die Republikanische Partei. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges diente er anfangs als einfacher Soldat (schrieb sich mit seinem Sohn Arthur Joseph Gabriel 1842-1926; im 3. Regiment aus Missouri ein), später als Oberst in der Unionsarmee. Er organisierte das 24. Illinoisregiment, das sogenannte "Erste Hecker", trat jedoch wegen Spannungen mit den Offizieren bald von seinem Kommando zurück. Im November 1862 rekrutierte Hecker schließlich Einheiten in Illinois, die daraufhin zum 82. Regiment, das "Zweite Hecker", zusammengeführt werden konnten. Hecker erhielt wiederum das Kommando. In der Schlacht bei Chancellorsville wurde er schwer verwundet. Eine Gewehrkugel hatte seinen linken Oberschenkel durchschlagen. Nur mit Mühe konnte sich der alte Streiter in der Nacht auf einem angeschossenen Pferd zu den eigenen Truppen retten. Bereits einen Monat später saß der sture, aber aufrechte Hecker wieder im Sattel. Im März 1864 nahm er schließlich seinen Abschied. Ohne Beförderung. Er widmete sich wieder seiner Farm und gehörte innerhalb kurzer Zeit zu den besten Winzern in der Gegend. Im Mai 1873 reiste Hecker nach Deutschland, wo ihn allein in Mannheim über 10.000 Menschen begeistert begrüßten. Er hatte sich mit der alten Heimat versöhnt und akzeptierte mittlerweile die Gründung des Deutschen Reiches unter der Führung eines erstarkten Preußens. Friedrich Hecker, ein aufrechter und gleichzeitig unbequemer Streiter demokratischer Prinzipien, starb am 24. März 1881 im Alter von 69 Jahren in Summerfield, Belleville, Illinois. Wenige Tage später erfolgte seine Beisetzung. Über 1.000 Trauergäste waren gekommen und würdigten Fritz Hecker als "Freiheitskämpfer zweier Welten". 1882 wurde ein Denkmal in Form eines Obelisk im Benton Park, St. Louis, errichtet. Ein Jahr später entstand ein großzügiges Denkmal von Friedrich Hecker im Washington Park in Cincinnati, geschaffen von dem Künstler Leopold Fettweis, der Sohn eines eingewanderten deutschen Bildhauers. Die linke Abbildung zeigt Hecker im Alter von etwa 35 Jahren. In der Mitte eine Fotografie aus dem Jahr 1861. Hecker ist hier als einfacher Soldat im 3. Missouri-Infanterie Regiment abgebildet. Rechts sein Altersbild aus dem Jahre 1871. Dem Ehepaar Friedrich und Maria Hecker wurden in Deutschland sechs Kinder geboren; weitere zwei Kinder kamen nach 1849 in den U.S.A. zur Welt. Drei Kinder sollten bereits innerhalb weniger Jahre versterben.
Literaturhinweis: Freitag, Sabine, Friedrich Hecker: Biographie eines Republikaners, Stuttgart 1998.

Etwa die Hälfte der Soldaten der 36. Illinois Infanterie stammten aus Deutschland und wurden bis Februar 1863 von Oberst Nikolas Greusel kommandiert. Im Oktober 1861 rekrutierte sich das 43. Illinois Infanterieregiment aus Deutschen der zweiten Generation, die sich in Belleville niedergelassen hatten. Zum Oberst wurde der Württemberger Julius Raith ernannt, der bereits am Krieg gegen Mexiko teilgenommen hatte. In der Schlacht von Shiloh im April 1862  traf ihn ein feindliches Miniégeschoß und er starb wenige Tage später auf einem föderierten Dampfschiff. Die Befehlsgewalt hatte nun Adolf Engelman, der aus Imsbach in Bayern stammte und wie Raith ein Veteran des Amerikanisch – Mexikanischen Krieges von 1846 – 1848 gewesen war. Auch das 44. Illinois bestand zur Hälfte aus eingewanderten Deutschen und konnte im September 1861 in Chicago eingemustert werden. Zum Kommandeur wurde Oberst Karl von Knobelsdorff ernannt, der Sproß eines Uradelgeschlechtes mit Wurzeln bis in das 13. Jahrhundert. Am 31. Oktober 1827 in Preußen geboren, folgte Karl der Familientradition und wurde Offizier. Nachdem der Schleswig-Holsteinische Konflikt mit Dänemark 1848 ausgebrochen war, zog er als Oberleutnant in einem Schützenbattailion in's Feld. In der Schlacht bei Missunde am 12. September 1850 wurde Leutnant von Knobelsdorff ernsthaft am rechten Arm verwundet. Im Sommer 1851 verließ der junge Offizier mit einer Gruppe Offizierskameraden Europa und reiste nach Amerika. Anfangs lebte von Knobelsdorff in Milwaukee, Wisconsin. Später siedelte er nach Chicago über, wo er eine Anstellung bei der Illinois Central Railroad Company fand. Zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges organisierte von Knobelsdorff vier Reserveinfanteriekompanien sowie zwei unabhängige Regimenter: das 24. und das 44. Illinois. Am 14. September 1861 übernahm er als Oberst das 44. Regiment. In der Schlacht bei Pea Ridge bewährten sich das Regiment und ihr Kommandeur. Oberst von Knobelsdorff genoss eine sehr guten militärischen Ruf und fungierte mehrfach als Brigadekommandeur in der Division unter General Franz Sigel. Oberst Karl von Knobelsdorff erhielt bereits am 20. August 1862 seine Entlassung. Später wurde von Knobelsdorff Herausgeber des Chicago Telegraph und setzte sich im Wahlkampf 1864 für John Charles Fremont, der unmittelbare Konkurrent Lincolns, ein. Im Dezember 1861 später zog das 45. Illinois Regiment in den Krieg, welches ebenfalls zur Hälfte aus Deutschen bestand. Eine ähnliche Zusammensetzung wies das 57. Illinois Infanterieregiment auf, das von Dezember 1861 bis Juli 1865 in der Unionsarmee diente. Ebenfalls Halbdeutsch war das 58. Illinois Regiment, das erst im April 1866 aus dem Armeedienst entlassen werden konnte.

koerner

Gustav Peter Körner wurde am 20. November 1809 in Frankfurt am Main geboren. Der Vater, Bernhard Körner, war ein vermögender Kunsthändler und Verleger. Gustav kam an das Gymnasium in seiner Geburtsstadt, um später an den Universitäten in Jena, München und Heidelberg Rechtswissenschaften zu studieren. Bereits während seiner Studentenzeit und speziell während seiner Mitgliedschaft in der Franconia Burschenschaft, widmete er sich den politischen Zuständen in seiner Heimat und entwickelte dabei radikale Umsturzpläne. Im Jahre 1832 promovierte Körner in Heidelberg zum Doktor der Rechte und bezog ein Jahr darauf als Advokat ein Büro in Frankfurt. Bei dem Versuch, die in der Stadt befindliche Wache mit Gewalt zu stürmen (Frankfurter Wachensturm)*, wurde der junge und draufgängerische Körner am Arm  verletzt. Er floh in's Ausland unter Mithilfe von Freunden und Verwandten und  kam später über Le Havre nach Amerika. Körner passte sich sofort der neuen Heimat an, lernte intensiv Englisch und wurde bald darauf ein erfolgreicher Anwalt. Bereits im Juni 1836 heiratete er Sophie Engelmann, die Tochter einer befreundeten intellektuellen Familie, die mit ihm nach Amerika gekommen war. Die Körners hatten acht Kinder. Körner engagierte sich zielstrebig und politisch in seiner neuen Heimat. Entschieden trat er der erlaubten Sklaverei in seiner neuen Heimat entgegen, eine Kalamität, die ihm den verführerischen Geschmack der Freiheit in den U.S.A. gründlich verdarb. Von 1853 bis 1857 fungierte Körner als Vizegouverneur von Illinois. 1856 gehörte er zu den Mitbegründern der Republikanischen Partei und wurde deren Vorsitzender in Illinois. Bald darauf schloß er Freundschaft mit Abraham Lincoln, der spätere Präsident. Er wurde sein Wahlkampfberater und sicherte ihm in bedeutendem Maße die Stimmen der Deutschen bei der Präsidentschaftswahl 1860. Nachdem der Amerikanische Bürgerkrieg ausgebrochen war, organisierte Körner das 43. Freiwilligenregiment aus Illinois und wurde zu dessem Oberst ernannt. Gesundheitsbedingt musste er jedoch bereits am 28. September 1861 das Kommando wieder abgeben. Bis zum 10. Februar 1862 fungierte Körner als Quartiermeister unter General Fremont, ein Posten, den Körner eigentlich nicht mehr wahrnehmen konnte. Nach weiteren, unsinnigen Versetzungsgesuchen, schied Gustav Körner endlich im April 1862 aus dem Militärdienst. Im Auftrag des Senates reiste Körner als Gesandter nach Madrid. Er gehörte zu den zwölf Sargträgern, die Präsident Abraham Lincoln nach dessen Ermordung zu Grabe tragen durften. Gustav Körner bekleidete zahlreiche Ämter und übte eine Vielzahl von Funktionen aus. 1870 kam er erneut in das Repräsentantenhaus. Nach zunehmenden Spannungen zwischen ihm und der Republikanischen Partei, wechselte er schließlich zu den Demokraten. Körner war Herausgeber und Redakteur mehrerer Zeitungen sowie Verfasser wichtiger, kritischer Bücher. Zeitlebens setzte er sich für die Belange seiner in die U.S.A. emigrierten Landsleute ein. Gustav Körner starb hochgeehrt und von zahlreichen Wegbegleitern betrauert am 9. April 1896 in Belleville, Illinois. 
*Der Frankfurter Wachensturm vom 3. April 1833 sollte zur Initialzündung für eine demokratische Volkserhebung in allen Teilen des Deutschen Bundes führen. Frankfurt war seit 1815 Sitz des Bundestages, ein regelmäßiger Gesandtenkongress der noch bestehenden Freien Städte und Fürstentümer nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Etwa 50 Aufständische, darunter Gustav Körner, wollten sich in Besitz der Waffen bringen und anschließend den Bundestag, der im nahe gelegenen Palais Thurn und Taxis tagte, stürmen. Der Plan war aber bereits verraten worden und die erhoffte Unterstützung durch die Bevölkerung blieb vorerst aus. 9 Tote und 24 Verletzte waren zu beklagen. Trotz des Scheiterns der spektakulären Aktion, fanden die Teilnehmer höchste Anerkennung in vielen Bevölkerungsschichten für ihr mutiges Unternehmen und der Frankfurter Wachensturm trug schließlich mit zum Ausbruch der Revolution von 1848 bei.

Literaturhinweis: Körner, Gustav, Das Deutsche Element in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 1818-1848, Cincinnati 1880. 
Körner, Gustav, Remembranches of the Burschenschaft, WJK-Verlag Hilden 2003.

Adolph Dengler wurde 1825 in Baden geboren. Gehörte zu den sogenannten 48er und hatte während der Kämpfe Freiburg im Breisgau gegen badisches Militär verteidigt. Verfolgt von konterrevolutionärem Militär und Justiz, flüchtete Dengler nach Amerika, wo er sich zunächst in New York niederließ und Arbeit fand. Hier organisierte er mehrere Arbeiterproteste, die sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne richteten. Kurz vor Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges lebte Dengler mit seiner Frau, zwei Kindern und der Schwiegermutter in Belleville, Illinois. Nach dem Ausbruch des Sezessionskrieges organisierte er zunächst eine Kompanie Freiwilliger, die später in das 3. Infanterieregiment aus Missouri integriert wurden. Nach der Ausmusterung von Adolf Engelmann am 16. Dezember 1864 führte Dengler als Oberst das 43. Illinois Regiment schließlich bis zur Ausmusterung der Einheit am 20. November 1865 in Little Rock. Dengler gehörte zu den Mitorganisatoren des 43. Regimentes. Adolph Dengler starb im Dezember 1884 in New York City. Anmerkung: In einigen Quellen werden seine Lebensdaten präzisiert bzw. abweichend angegeben: geboren am 13. Oktober 1825 und gestorben am 6. Februar 1885.

Julius Raith stammte aus Göppingen in Württemberg, wo er am 29. März 1819 zur Welt kam. Im Jahr 1836 wanderte er mit seiner Familie nach Amerika aus und ließ sich in St. Clair County, Illinois, nieder. Ein Jahr später ging er nach Columbia, Monroe County, und verdiente als erfolgreicher Mühlenbauer seinen Lebensunterhalt. Im Krieg gegen Mexiko diente sich Raith bis zum Hauptmann im 2. Illinois Regiment unter Oberst Bissill hoch. Nach dem Krieg heiratete er die Tochter des angesehenen Unternehmers John D. Hughes aus Belleville (Mai 1850). Das junge Paar ließ sich in St. Louis, Missouri, nieder, wo Raith wieder das einträgliche Geschäft im wassergetriebenen Mühlenbau aufnahm. Am 29. Dezember 1859 verstarb unerwartet seine Frau Elizabeth Rebecca und er war nun alleinerziehender Vater von zwei Söhnen. 1860 kehrte er mit seinen beiden Söhnen nach Illinois zurück und gründete sein Unternehmen Julius Raith & Co. Rasch machte er sich in der prosperierenden Branche einen Namen. In Belleville schloss Julius Raith 1860 eine Partnerschaft mit Charles (Karl) Tiedemann und entwickelte gemeinsam mit ihm eine Getreidemühle, die ein Jahr später fertiggestellt werden konnte. Im Bürgerkrieg befehligte er das 43. Illionois Regiment, nachdem er im Sommer 1861 mehrere Kompanien aufgestellt hatte. Nachdem er die 3. Brigade der 1. Division der Army of Tennessee übernommen hatte, wurde er am 6. April 1862 schwer bei Shiloh verwundet. Ein Expansionsgeschoss (Minié) hatte sein Bein kurz oberhalb der Kniescheibe zerschmettert. Bewegungsunfähig lag Raith fast 24 Stunden auf dem Schlachtfeld, bis er schließlich geborgen werden konnte. Auf dem Weg zum Hospital in Mound City, Illinois, starb Julius Raith am 11. April 1862 auf dem Dampfschiff "Hannibal" an seiner schweren Verwundung, die durch die Amputation des Beines noch verschlimmert worden war.
Literaturhinweis: Wilsen, James Grant, Biographical Sketches of Illinois Officers engaged in the War of the Rebellion of 1861, Chicago 1862.

 

            

Nikolas Greusel wurde am 4. Juli 1817 in Blieskastel (Rheinpfalz, damals Bayern, heute Saarland, Regierungsbezirk Saarlandkreis), gut 20 km östlich von Saarbrücken geboren. Am 3. Juni 1833 erreichte er gemeinsam mit seinen Eltern und den neun Geschwistern New York. Keiner der Familie sprach ein Wort Englisch und daher gestaltete sich die erste Zeit in der Neuen Welt besonders schwierig. Doch der junge Nikolas hatte Glück: Auf der Suche nach Arbeit traf er zufällig mit der Witwe von Nicholas Fish, einem Helden des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und einflussreichen New Yorker Politiker, zusammen. Die Witwe nahm sich seiner an und unterrichtete ihn in der englischen Sprache. Sieben Monate verbrachte Nikolas bei der Familie und half in der Hauswirtschaft. Kurze Zeit später fand Nikolas für $ 19 im Monat eine Beschäftigung in einem Unternehmen, welches sich auf die Herstellung von Ziegelsteinen spezialisiert hatte. Bereits im nächsten Jahr erhielt Nikolas Greusel eine Anstellung in Detroit. Mit der Fräsbearbeitung von Metallteilen konnte er zunächst seinen Lebensunterhalt bestreiten. Später verdiente er sein Geld im Unternehmen Messrs. J. Rice & Co., die erfolgreich in der Holzwirtschaft tätig waren. Seit 1839 hatte Nikolas Greusel den Rang eines Leutnants im 1. Bataillon sowie den Rang eines Hauptmanns der Scott Guards, zwei Milizeinheiten, inne. Im Krieg gegen Mexiko 1846-1848 befehligte Greusel als Hauptmann die G-Kompanie im 1. Freiwilligenregiment aus Michigan. Nach Beendigung des Krieges gegen Mexiko kehrte Greusel in das Holzunternehmen zurück. Hier machte er weiter Karriere: Greusel wurde zum Hauptinspektor der Holzwirtschaft von Michigan ernannt. 1857 kam er nach Chicago und arbeitete hier für die Chicago, Burlington and Quincy Railroad Company, einem aufstrebenden Eisenbahnunternehmen. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 1861 meldet sich Greusel am 15. April, nur wenige Tage nach der Beschießung von Fort Sumter, als einfacher Soldat in einer regionalen Einheit und erhielt bereits am 24. April den Rang des Majors im 7. Illinois Infanterieregiment. Später avancierte er in der Einheit zum Oberstleutnant. Der Gouverneur von Illinois, Richard Yates, ernannte Nikolas Greusel am 20. August 1861 zum Oberst im 36. Freiwilligenregiment der Infanterie, dem sogenannten Fox River Regiment. Greusel schied am 7. Februar 1863 aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Dienst. Nachdem er den Dienst quittiert hatte, erhielt Greusel eine Anstellung als Zugbegleiter bei der Chicago, Burlington & Quincy Railroad; eine Tätigkeit, die er bis zum 1. September 1866 ausübte. Danach wechselte er zur Burlington & Missouri River Railroad, um Jahre später aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Nikolas Greusel starb am 25. April 1896 in Mount Pleasant, Iowa. (Die linke Abbildung zeigt ihn als Oberst während des Bürgerkrieges, rechts ist er in einer post - war Abbildung zu sehen.)

 

Oberst Wilhelm C. Kueffner aus Rostock gebürtig, hatte sich mit Kriegsbeginn zur 9. Illinois Infanterie gemeldet und übernahm später das Kommando über das 149. Illinois Infanterieregiment, das jedoch nur zu einem geringen Teil aus Deutschen bestand.

Unter den Artilleristen aus Illinois kamen lediglich die Männer der E Batterie der 2. Illinois Leichten Artillerie aus Deutschland. Der Bundesstaat lieferte bis Februar 1864 17 Kavallerieregimenter. Es existierten einige Kompanien, die ausschließlich aus Deutschen gebildet worden waren, so etwa im 11. Illinois Regiment unter dem Kommando von Oberst Otto Funke. Im Dezember 1861 formierte Oberstleutnant Christian Thieleman zusammen mit seinem Sohn Milo ein unabhängiges Bataillon der 16. Illinois Kavallerie. Christian Thielemann stammte aus einer angesehen Familie in Kassel, deren Mitglieder auch als Bedienstete des Kurfürsten von Hessen-Kassel fungierten. Er selbst quittierte nach den Unruhen von 1831 seinen Militärdienst. 1835 lernte er Louise Ehlers kennen, die Tochter eines österreichischen Professors. Sie besaß sehr gute Kontakte in die Künstlerwelt der europäischen Gelehrtenkreise und hatte eine starke Affinität zur italienischen Oper. Nachdem die beiden kurzerhand geheiratet hatten, reiste das junge Paar nach Nordamerika. Hier machten sich die Thielemanns sehr verdient beim Ausbau eines künstlerischen Angebotes im Theaterbereich in St. Louis. Die Geschäfte gingen nicht immer gut und mehrfach stand die Unternehmung vor dem wirtschaftlichen Aus. Mit Beginn des Bürgerkrieges organisierte Christian Thielemann die Thielemann dragoons. Im Jahr 1864 wurde er bei Atlanta schwer verwundet und kehrte daraufhin nach Chicago zurück, wo die Familie mittlerweile lebte. Hier starb Christian Thielemann am 23. August 1875.  

Der Major des 16. Illinois Regimentes war der um 1850 eingewanderte Friedrich Schambeck, der um 1827 in Baden geboren worden war. 1854 heirate Friedrich Schambeck die gut zehn Jahre jüngere Susanna Ewald, die selbst aus Bayern stammte. Sie schenkte ihm drei Kinder, das letzte, Friedrich Wilhelm, kam vier Jahre vor dem Tod des Vaters zur Welt. Major Friedrich Schambeck fiel am 3. August 1864 während der Feldzüge in der Nähe von Atlanta, Georgia, und wurde auf dem Marietta National Cemetery später beerdigt. Seine Witwe, Susanna, überlebt ihn um 21 Jahre: sie starb 1885 in Chicago. 

Statistisch betrachtet war etwa jedes 16te Regiment aus Illinois im Wesentlichen aus deutschen Einwanderern rekrutiert worden. Tatsächlich verteilten sich etwa 18.000 geborene Deutsche auf alle Regimenter, die der Staat Illinois bis zum Frühjahr 1865 mobilisieren konnte.

Louis Krughoff wurde 1835 in Rothenuffeln im Kreis Minden als 3. Kind von Friedrich Wilhelm Heseman und Marie Elisabeth Krughoff geboren. 1851 kehrte Louis seiner Heimat den Rücken und wanderte nach Amerika aus. Ein Jahr später folgten seine Eltern. Nahezu die gesamte Familie verließ zwischen 1848 und 1854 Deutschland. Im Verlaufe des US - Bürgerkrieges stieg Louis Krughoff bis zum Hauptmann im 49. Illinois Regiment auf. Nach mehrfacher schwerer Verwundung schied Krughoff im Januar 1865 im Rang eines Brevet Major aus dem aktiven Dienst. Er starb am 12. Januar 1908.

[i] Die Bezeichnung „Steinwall“ geht auf das unerschütterliche Verhalten der Brigade unter Jackson während der ersten Schlacht am Bull Run am 21. Juli 1861 zurück.

 

 

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