Deutsche in Indiana Einheiten

 

 

Indiana mobilisierte für die Union ca. 160.000 Soldaten, darunter etwa 7.000 in Deutschland geborene Rekruten. In sechs Infanterieregimentern konzentrierte sich eine große Anzahl an Deutschen. Ein Regiment setzte sich anfangs sogar ausschließlich aus Emigranten zusammen. Die E Kompanie des 14. Indiana Infanterieregimentes bestand zu einem großen Teil aus Deutschen, obwohl die Kompanieoffiziere Angloamerikaner waren. Auch im 24. Indiana Infanterieregiment, welches im Juli 1861 in Vincennes gebildet worden war, dienten einige deutschstämmige Soldaten. Oberstleutnant des Regimentes war der im Jahre 1826 in den Gebieten des Deutschen Bundes geborene Johann Gerber, der 1837 nach Amerika ausgewandert war und vor dem Krieg viele Jahre als Stadtmarschall in Madison, Indiana gearbeitet hatte. Mit Beginn des Bürgerkrieges diente Gerber noch als Major im 6. Indianaregiment. Später erhielt er den stellvertretenden Kommandoposten über das 24. Regiment. Oberstleutnant Johann Gerber fiel am 8. April 1862 in der Schlacht von Shiloh, nachdem er seine Leute zum Angriff sammeln wollte. Eine Kanonenkugel riss ihm die Brust auf und tötete ihn auf der Stelle.

Gouverneur Oliver P. Morton stellte im August 1861 in Indianapolis ein Infanterieregiment auf, das ausnahmslos aus Deutschen bestand. Der Gouverneur konnte August Willich für den Posten des Obersten im 32. Indiana Regiment gewinnen. Willich wurde 1810 im preußischen Braunsberg geboren. Nachdem er die Militärakademien in Berlin und Potsdam absolviert hatte, erhielt er sein Patent als Oberleutnant in der preußischen Armee. Bereits während dieser Zeit machte er sich mit den revolutionären Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels  bekannt, mit denen er später persönliche Freundschaft schloss. August Willich  beteiligte sich an der Revolution von 1848/49 und kommandierte eine Freiwilligenschar. 1853 flüchtete er nach Amerika, wo er eine Anstellung als Zimmermann in einer Schiffswerft fand. Fünf Jahre später gab er eine deutschsprachige Tageszeitung in Cincinnati heraus. Mit Beginn des Bürgerkrieges meldete sich August Willich zuerst im 9. Ohio Infanterieregiment, bis er im August 1861 seine Ernennung zum Kommandeur des 32. Indiana Regimentes erhielt. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Tapferkeit erhielt Willich bereits im Juli 1862 seine Beförderung zum Brigadegeneral der Nordstaaten. Das Kommando über das 32. Regiment übernahm daraufhin der ehemalige preußische Offizier Heinrich von Trebra. Das Regiment beteiligte sich unter hohen Verlusten an zahlreichen Feldzügen der Unionsarmee und erwarb sich als „Erstes Deutsches Regiment“ hohes Ansehen bei den Militärs. Im September 1864 konnten die Veteranen unter ihrem letzten Oberst Franz Erdelmeyer ausgemustert werden. Einige Kompanien, deren Reihen mit frischen Rekruten im Laufe des Krieges versehen worden waren, standen bis zur letzten Ausmusterung am 6. Dezember 1865 unter dem Kommando von Brigadegeneral August Willich. 

Kurz nach der Aufstellung des 32. Indiana Regimentes wurden weitere Einheiten unter starker Beteiligung deutscher Einwanderer gebildet. Im November 1861 erhielt ein gewisser John Lutz Mansfield vom Gouverneur Morten das Generalspatent aller Milizeinheiten von Indiana. John Lutz Mansfield hieß eigentlich Johann B. Lutz und war im Jahre 1803 in Braunschweig oder Hannover (so Gustav Körner) zur Welt gekommen. In Göttingen hatte er eine universitäre Ausbildung genossen. Aufgrund Studentunruhen, in welche er verwickelt worden war, reiste er bald darauf nach Amerika. In den 1830er Jahren erhielt Lutz eine Professur für Mathematik an der Transylvania University in Lexington, Kentucky. Im Mai 1841 heiratete Lutz die fast 20 Jahre jüngere Josephine A. Turner Mansfield, eine Tochter aus angesehenen Familienverhältnissen in Kentucky. Bis 1862 gingen insgesamt vier Kinder aus der Ehe hervor. Nach dem Krieg kehrte "Mansfield" nach Ohio zurück, wo die Familie mittlerweile lebte. Er nahm regen Anteil am politischen Geschehen des Landes. Später kaufte er große Ländereien in Illinois. Bereits vor dem Krieg gehörte Mansfield zu den Delegierten von Indiana, die Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt hatten. Johann B. Lutz, der den Namen seiner Frau angenommen hatte, und nach dem seine von ihm gegründete Stadt im Piatt County, Illinois, benannt worden war, starb am 20. September 1876 in Mansfield, Illinois. Seine Frau überlebte ihn um 17 Jahre.

Karl Friedrich Heinrich von Trebra in der Uniform eines preußischen Offiziers. Geboren wurde er am 28. Oktober 1830 im brandenburgischen Lübben. In Potsdam und Berlin erhielt er seine Offiziersausbildung. Später diente er als Unterleutnant in der preußischen Armee. Er kam im Jahre 1854 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und der Mutter nach Kanada. Während des Bürgerkrieges befehligte er zeitweilig das 32. Indiana Regiment und verstarb bereits am 7. August 1863 in Areola, Illinois, an Typhus.
Literaturhinweis: Reinhart, Joseph R. (Herausgeber), August Willich's Gallant Dutchmen. Civil War Letters from the 32nd Indiana Infantry, Kent State University Press, Kent, Ohio 2006.

Frank Erdelmeyer wurde am 2. November 1835 in Worms-Herrnsheim geboren. Bis 1852, dem Jahr seiner Auswanderung, arbeitete er in seinem erlerntem Beruf als Polsterer. Am 24. August 1861 wurde er als Hauptmann im 32. Indiana Regiment eingemustert und übernahm im September die A-Kompanie. Am 20. Oktober 1862 wechselte Erdelmeyer in den Regimentsstab. Am selben Tag erhielt er seine Beförderung zum Oberstleutnant. Am 8. August 1863 folgte die Ernennung zum Obersten. Frank Erdelmeyer schied am 7. September 1864 in Indianapolis aus dem Armeedienst und starb hier am 16. Oktober 1926. Er wurde auf dem Crown Hill Friedhof der Stadt beerdigt. Frank Erdelmeyer hatte kurz nach dem Bürgerkrieg die ebenfalls aus Deutschland stammende Katharina Hoffmann geheiratet, die ihm 4 Kinder gebar. Erdelmeyer arbeitete bis zu seinem Tod im pharmazeutischen Bereich.  

Im Mai 1862 rekrutierte sich das 60. Indiana Infanterieregiment, welches nur zu einem geringen Teil aus Deutschen bestand. Der Oberstleutnant des Regimentes, August Gölzer, stammte ebenfalls aus den Ländern des Deutschen Bundes und übernahm mehrfach temporär das Kommando über das 60. Indiana Regiment. Gölzer war 1855 nach Amerika ausgewandert und starb am 11. Mai 1889 in Pascagoula (früher Scranton) in Mississippi.

Aus Bayern stammte Johann Mehringer, der bereits im Krieg gegen Mexiko gekämpft hatte. Nachdem er als Major im 27. Indiana Infanterieregiment gedient hatte, übernahm er später das Kommando über das 91. Indiana Regiment, in dem allerdings nur sporadisch Deutsche ihren Dienst leisteten. Mehringer beendete den Bürgerkrieg mit dem Brevetrang eines Brigadegenerals und lies sich später als Farmer in Kentucky nieder. Lediglich für 100 Tage hatten sich die Männer des 136. Indiana Infanterieregimentes verpflichtet, als sie sich im Mai 1864 in Indianapolis in die Einmusterungspapiere eingeschrieben hatten. Auch in dieser Einheit kämpften einige Deutsche. Verhältnismäßig viele deutsche Einwanderer meldeten sich in den Artillerieeinheiten von Indiana. Im August 1861 organisierte Hauptmann Martin Klaus die 1. Indiana Leichte Batterie. Einen Monat später rekrutierte Michael Müller in Indianapolis die 6. Indiana Leichte Batterie vollständig aus deutschen Landsmännern. Kurze Zeit darauf übernahm Hauptmann Friedrich Behr die Einheit und befehligte die Kanoniere erfolgreich während des Krieges. Auch die 25. Leichte Batterie unter Hauptmann Friedrich C. Sturm  bestand weitestgehend aus Deutschen. 

Karl August Zollinger wurde am 9. Dezember 1838 in Wiesbaden geboren. Am 18. Mai 1848 erreichte er gemeinsam mit seinen Eltern den Hafen von New York. Die Familie lies sich in Marion Township, ganz in der Nähe von Fort Wayne, Indiana, nieder, wo sie den Lebensunterhalt durch die Erwirtschaftungen auf einer Farm und im Holzhandel sicherte. Karl erhielt keinerlei schulische Ausbildung, seine Arbeitskraft wurde dringend benötigt. Von 1855 bis 1859 arbeitete der junge Karl als Schmied in New Haven, Indiana. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges meldete er sich in der E-Kompanie des 9. Infanterieregimentes aus Indiana. Später wechselte er zur 129. Infanterie, dessen Oberst er im Mai 1864 schließlich wurde. Karl Zollinger hatte einen relativ schlechten Gesundheitszustand, der ihn mehrfach zwang, die Truppe zu verlassen. Er diente ehrenhaft in den Feldzügen in Tennessee unter General Schofield und machte General Shermans berüchtigten Marsch nach Atlanta mit. Am 29. August 1865 wurden Oberst Zollinger und seine Soldaten aus dem Dienst verabschiedet. 1868 lebte Zollinger in Fort Wayne und arbeitete hier im aufstrebenden  Eisenbahngewerbe. Parallel dazu gründete er mit einem Partner ein Hut-Geschäft. 1870 entschloss sich Karl, politisch in seiner Wahlheimat tätig zu werden. Er wurde Sheriff von Allen County und schließlich im Mai 1873 zum Bürgermeister von Fort Wayne gewählt. In dieses Amt wurde der Demokrat Karl Zollinger sieben mal(!) hintereinander gewählt. Er besaß für kurze Zeit die örtliche Zeitung "Journal" und sein Verdienst bestand in der Planung und dem Bau einer Trinkwasserversorgung von Fort Wayne. Nachdem Karl Zollinger im Mai 1893 erneut zum Bürgermeister der Stadt gewählt worden war, erkrankte er im Dezember desselben Jahres ernsthaft und starb am 28. Dezember 1893. Unter großer Anteilnahme wurde er auf dem Lindenwood Friedhof von Fort Wayne beigesetzt.

 

Obwohl sich nur etwa 11 Prozent der deutschen Siedler in Indiana zu den Regimentern des Bundesstaates gemeldet hatten, genossen diese Veteranen mit Abstand den besten Ruf unter allen ethnischen Verbänden in der Unionsarmee.

 

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