Deutsche in Iowa Einheiten

 

 

Annähernd 39.000 deutsche Siedler, hauptsächlich aus Norddeutschland, hatten sich bis 1860 im Staate Iowa niedergelassen. Dem Aufruf Präsident Lincolns zur Verteidigung der Union folgten schließlich etwa 76.000 Soldaten aus Iowa. Die Zusammenstellung des Dr. Gould zeigt sich diesbezüglich absolut falsch, denn er bezifferte die Anzahl an Kriegsdienstleistenden auf nur 56.600 Mann. Seinen Angaben zufolge kamen 2.850 von ihnen aus Deutschland. Eigenständige Regimenter, die exklusiv deutsch waren, existierten nicht.

Im 1. Iowa Infanterieregiment dienten zahlreiche Deutsche, allerdings waren die Offiziere ausnahmslos geborene Amerikaner. Im Mai 1861 formierte sich das 2. Iowa Infanterieregiment, in dem auch einige Deutsche gemeldet waren. Unter ihnen befand sich Hauptmann Karl Leopold Matthies, der 1849 nach Amerika ausgewandert war. Matthies stammte aus Bromberg im heutigen Polen, und hatte nach seinem Universitätsabschluss in Halle in der preußischen Armee gedient. Im Mai 1862 übernahm er als Oberst das 5. Iowa Infanterieregiment, in dem allerdings nur vereinzelt Deutsche ihren Dienst leisteten. Matthies stieg bis zum Brigadegeneral auf und befehligte später eine Brigade im XV. Unionscorps.

Aus Baden stammte Karl August Wentz, der nach seiner Teilnahme am Krieg gegen Mexiko im Jahre 1848 dreizehnjahre später, Anfang 1861, einige Kompanien in Davenport, Iowa, organisierte. Wentz fiel im Rang eines Oberstleutnants der 7. Iowa Infanterie am 7. November 1861 in der Schlacht bei Belmont, Missouri. Wenige Tage später, am 11. November, fand Oberstleutnant Wentz seine letzte Ruhe in Davenport, Iowa. In den Regimentern Nr. 10 unter Oberst Nikolas Perczel und Nr. 15 unter Oberst Georg Pomutz dienten einige Deutsche, obwohl beide Regimentskommandeure gebürtige Ungarn waren.

Der deutsche Veteran des Krieges gegen Dänemark, Johann Lübbers, kam 1850 nach Amerika. Im September 1862 meldete er sich als Oberstleutnants in der 26. Iowa Infanterie. Johann Lübbers starb im Jahr 1885.

Ebenfalls deutschstämmig war Gustav Adolph Eberhard, der als Offizier im 32. Iowa Infanterieregiment diente. 1836 in den Ländern des deutschen Bundes geboren, kam er bereits als Kind mit seiner Familie nach Amerika. Vor Ausbruch des Bürgerkrieges arbeitete Gustav A. Eberhard unter anderem als Ingenieur in Des Moin, Iowa. Bereits am 10. Juni 1861 erhielt er den Rang eines 2nd Leutnants im 3. Iowa-Freiwilligenregiment. Nur wenige Tage zuvor hatte er geheiratet. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes musste Eberhard bereits im Mai 1862 den Dienst quittieren. Nach einigen Monaten der Rekonvaleszenz wurde ihm im Oktober 1862 die Stelle des Majors im 32. Iowa Regimentes angeboten. Am 28. Mai 1864 erhielt Gustav A. Eberhard den Rang des Obersten im Regiment. Am 24. August 1865 erfolgte dann seine feierliche Ausmusterung in Clinton, Iowa. Nach dem Krieg siedelte seine Familie nach Waterloo, Iowa, über, wo er als Gerichtsangestellter im Black Hawk County arbeite. Gustav Adolph Eberhard starb 1916 und er wurde auf dem Woodland cemetery, Des Moint, Iowa, beigesetzt. Auch sein Vater und vier Brüder von Gustav Adolph hatten während des Bürgerkrieges auf Seiten der Union gekämpft. Gustav Adolph Eberhard hinterließ vier Söhne; der jüngste, Adolph Eberhard, starb im Jahre 1952.

Unter den neun Kavallerieregimentern aus Iowa bestand lediglich die F Kompanie des 5. Regimentes aus gebürtigen Deutschen. Der Major der Einheit war der ehemalige hessische Offizier und Sohn des Kriegsministers, Karl Schäfer von Bernstein, der während der Kämpfe in Tennessee bei Lockridge's Mill tödlich verwundet wurde und am nächsten Tag, am 6. Mai 1862, verstarb.

Claus Johann Nicholas Rusch stammte aus Holstein, wo er am 15. Februar 1822 in St. Michaelisdonn, gut 9 Kilometer nordöstlich von Marne, als viertes von zehn Kindern dem Ehepaar Johann und Margarethe Rusch geboren worden war. Sein Vater ernährte die rasch wachsende Familie mit Tischlerarbeiten und indem er Gewürze an die nahegelegenen Bauernhöfe verkaufte. Trotz der Armut, in der die Großfamilie zweifelsfrei leben musste, besuchte der junge Claus Johann die Volksschule in Marne und später sogar das Gymnasium in Meldorf. 1847 immatrikuliert sich Claus an der Universität Kiel. Er wollte Arzt werden. In Kiel kam der junge Rusch erstmals mit revolutionären Gedankengut in Kontakt. Er entschloss sich kurzerhand nach Amerika auszuwandern, um hier in den Genuss der ersehnten Freiheit und Unabhängigkeit zu kommen. Wie viele seiner norddeutschen Landsleute verschlug es ihn nach Iowa. Anfangs wohnte er bei der Familie Hans Kaack in Davenport. Hier verdingt er sich als Hauslehrer der drei Kinder des Ehepaares. Nachdem Hans Kaack überraschend 1848 gestorben war, heiratete Claus Rusch dessen Witwe ein Jahr später. Die Familie ernährte er mit den Produkten, die ihm die Landwirtschaft bescherte. Später betätigte er sich im lukrativen Mühlengeschäft, das ihm und der um weitere drei Kinder angewachsenen Familie ein ausreichendes Einkommen sicherte. Bis 1860 engagierte sich Rusch beim Aufbau der Republikanischen Partei in seiner Wahlheimat. Später wurde er in den Senat gewählt, obwohl er eine lange Zeit benötigte, um die englische Sprache ausreichend fließend sprechen zu können. Am 11. Januar 1860 wurde Rusch zum Vizegouverneur von Iowa gewählt und zog in das Capitol von Des Moines ein. Er gehörte zu den hervorragenden Politikern in Iowa und unterstüzte in seiner Funktion die Wahl Abraham Lincoln zum Präsidenten. Seine Aufgabe als Einwanderungskommisar nahm er mit Leidenschaft wahr. 1862 wurde Rusch zum Hauptmann ernannt. In dieser Funktion organisierte er den Waffentransport und das Nachschubwesen der Unionstruppen. Im Sommer 1864 reiste der unermütliche Streiter nach New York, um Holzfäller für seine Truppen zu werben. Wenig später nach seiner Rückkehr nach Vicksburg starb Claus Johann Nicholas Rusch überraschend nach einer kurzen und heftigen Fieberattacke am 22. September 1864.

 

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