Deutsche in Louisiana Einheiten

 

 

Als nächstes verabschiedete sich Louisiana, einst nach dem französischem König Ludwig XIV benannt, Ende Januar 1861 aus der Föderation. Etwa sechs Kompanien des 20. Louisiana Infanterieregimentes bestanden aus deutschen Einwanderern. Das Regiment wurde im Februar 1862 eingemustert und stand anfangs unter dem Befehl des ehemaligen Hannoveranischen Offiziers August Reichard. Reichard kam 1845 nach Amerika. Bereits im Jahre 1858 fungierte er als amerikanischer Konsul in Preußen. Nach dem Bürgerkrieg reiste er nach Europa und nach Ägypten, kehrte jedoch 1868 nach New Orleans zurück. Der zweite Kommandeur des 20. Regimentes war der Sohn eines preußischen Generals, Leon von Zinken. Von Zinken machte immer wieder durch sein kühnes Verhalten während der Schlachten auf sich aufmerksam, so dass er sich den Beinahmen "Toll von Zinken" erwarb. Speziell in der amerikanischen Literatur wird der Zusatz "Toll" tatsächlich als Bestandteil seines Namen fehlinterpretiert. In zwei weiteren Regimentern aus Louisiana verteilten sich ebenfalls deutsche Einwanderer.

Reichard

August Albert Maurice Reichard wurde am 9. April 1820 in Hannoversch Münden geboren. Am 7. Januar 1845 kam er mit einem Schiff von Bremen in New Orleans an. Rasch arbeitete sich Reichard gesellschaftlich nach oben und bereits im Jahre 1858 wurde er zum preußischen Konsul ernannt. 1861 gründete er das erfolgreiche Unternehmen Reichard & Co., welches im Baumwollhandel und Zuckergeschäft tätig war. Bald gehörte er zu den einflussreichen Bürgern von New Orleans, der auch fünf Sklaven sein Eigen nennen konnte. Mit  Ausbruch des Bürgerkrieges organisierte Reichard mehrere Kompanien Infanterie aus eingewanderten Deutschen. Die finanziellen Mittel brachte Reichard selbst auf, da er nach seiner Überzeugung Louisiana "sein Vermögen, seine Familie, ja alles verdankte".  Am 9. Mai 1861 hatte er bereits den Rang eines Majors im Orleans Rifle Battailon inne. Später, am 30. November des selben Jahres, übernahm Reichard als Oberst das Kommando über das 20. Regiment aus Louisiana. Oberst Reichard galt als kaltblütiger und tapferer Offizier. Während der Schlacht bei Shiloh setzte er sich unerschrocken dem Kugelhagel des Feindes aus. Ein in der Nähe stehender Soldat soll ihn daraufhin gefragt haben, ob der Herr Oberst denn keine Angst empfinde. "Nur mein Pferd", entgegnete daraufhin Oberst Reichard lakonisch. Im Verlauf der Schlacht wurde sein Pferd unter ihm getötet und ein danach von ihm eigenhändig aus dem Leib des toten Pferdes entnommenes Schrapnell befindet sich noch heute im Besitz seiner Nachfahren. Oberst Reichard führte seine Leute in die Schlachten von Murfreesboro, Chickamauga, Atlanta und Nashville. Am 7. Juli 1863 quittierte der kriegsmüde Soldat den Dienst. Im Auftrag der Konföderierten Regierung reiste er im August desselben Jahres nach England und von dort nach Alexandria in Ägypten. Im Jahre 1868 kehrte Reichard nach New Orleans zurück, wo er später Gründungsmitglied  der "Association of the Army of Tennessee, Louisiana Division" wurde. August Reichard führte ein bewegtes Leben, war zwei oder dreimal verheiratet, lebte längere Zeit unter anderem in Dresden und starb schließlich am 7. September 1900 in La Gardiniere, Frankreich. Seine sterblichen Überreste wurden nach Amerika gebracht, wo er auf dem Metairie Cemetery, New Orleans, seine letzte Ruhhe fand. August Reichard hinterließ einen weitverzweigten Familienclan, deren Angehörige über Amerika und Europa verstreut eine neue Heimat gefunden haben.

Leon von Zinken wurde 1827 als Sohn eines preußischen Generals geboren. 1857 kam von Zinken nach New Orleans. Im Amerikanischen Bürgerkrieg befehligte er zeitweise das 19. und später das 20. Louisiana Regiment. Am 30. November 1861 erhielt er seine Beförderung zum Major im Lovell Regiment, dem 20. Louisiana. Am 4. Juli 1863 wurde er zum Oberst ernannt. Im November 1864 schied von Zinken aus dem Militärdienst aus, nachdem er mehrfach verwundet worden war, und sein Arm aufgrund einer schweren Schussverletzung fast amputiert werden musste. Nach dem Krieg arbeitete er als Auktionär und Stadtinspektor von New Orleans. Er betätigte sich auch relativ erfolgreich im Baumwollhandel. Am 6. Dezember 1865 heiratete von Zinken in New Orleans Elizabeth Müller. Mit seiner Frau hatte er zwei Kinder: 1866 wurde Mary, 1868 Margaret geboren. Leon von Zinken verstarb bereits am 26. August 1871 in New Orleans und wurde auf dem Lafayette Friedhof beigesetzt.

 

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