Deutsche Maryland Einheiten (UNION)

 

 

Unter den 19 Infanterieregimentern, die zwischen Mai 1861 und Juli 1864 in Maryland formiert werden konnten, konzentrierten sich lediglich im 5. Md Regiment deutsche Einwanderer. Etwa sieben Prozent der 43.884 Deutschen, die im Bundesstaat ansässig geworden waren, meldeten sich zur Unionsarmee und verteilten sich dabei auf alle Einheiten. Leopold Blumenberg meldete sich am 26. September 1861 als Hauptmann im 5. Md. Infanterieregiment und wurde einen Monat später zum Major befördert. In der Schlacht am Antietam wurde Blumenberg ein Jahr später schwer verwundet. Nach seiner Genesung wurde er von Präsident Lincoln zum Chef der Militärpolizei im 3. Maryland-Distrikt ernannt; eine undankbare Funktion, die Blumenberg von 1863 bis 1865 ausübte. Im Januar 1865 wurde er ehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen. Präsident Andrew Johnson ernannte ihn später zum Brevet Brigadegeneral. Blumenberg war am 28. September 1827 in Brandenburg geboren worden und hatte als preußischer Offizier im Krieg gegen Dänemark gekämpft. 1854 kam er nach Amerika und ließ sich als Kleinhändler in Baltimore nieder. Nach dem Bürgerkrieg fungierte Blumenberg als Leiter des Warenhauses in Baltimore. Er war der Präsident des Nationalen Schützenvereins von Amerika, ein Amt, welches Blumenberg mit hohem Engagement ausübte. Er gehörte zu den angesehensten Bürgern von Baltimore. Leopold Blumenberg starb am 12. August 1876 in Baltimore, Maryland, und er wurde auf dem jüdischen Har Sinai Friedhof beigesetzt.

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Leopold Blumenberg (1827 bis 1876) als Major. Das Bild stammt von einem unbekannten Künstler.

Aus Linz in Österreich stammte der am 17. Mai 1823 geborene Ernst F.M. Fähtz, der sich im September 1862 als Oberstleutnant im 8. Maryland Infanterieregiment einschreiben ließ. Fähtz war ein gut ausgebildeter Berufsoffizier, der wegen seiner Teilnahme an der Revolution in Österreich und Baden zur Auswanderung nach Amerika gezwungen worden war. Hier fand er eine Anstellung als Sprachlehrer einer höheren Schule in New London und konnte sich später in Elkton, Maryland, niederlassen, wo er als Direktor eines College fungierte. Nach dem Krieg arbeitete Fähtz zunächst u.a. als Dolmetscher am Gericht von Baltimore, um schließlich bis zu seinem Tode am 23. April 1882 in Washington D.C., eine Anstellung als Sekretär der Deutsch-Amerikanischen Feuer-Versicherungs-Gesellschaft wahrzunehmen. Zwischen August 1861 und Juni 1862 wurden Freiwillige für das 1. Maryland Kavallerieregiment unter dem deutschstämmigen Oberst Karl Wetschky geworben. Die Einheit diente bis August 1865 in der Potomacarmee und zeichnete sich während der Kämpfe aus. Einige Kompanien der 3. Md. Infanterie konnten in Vorbereitung auf die Schlacht von Gettysburg im Juli 1863 ausschließlich aus Deutschen gebildet werden.

sudsburg

Joseph Martin Sudsburg wurde am 17. März 1827 in Neuhausen-Nymphenburg in München geboren. Nachdem er eine militärische Ausbildung an der Maria Theresia Militärakademie in Wien erhalten hatte (Graduierungsjahr 1844) schloss er sich sofort der österreichischen Armee an. Danach kämpfte er mit den polnischen Revolutionären und kam schließlich nach Frankreich. Hier schrieb er sich in der Armee ein und diente für drei Jahre in Afrika. Nachdem die Revolution in Baden ausgebrochen war, schloss er sich den Revolutionären an. Nach der blutigen Niederschlagung flüchtete Sudsburg in die Schweiz, wo er bis 1850 lebte. Ein Jahr später kam er in New York an. Hier arbeitete er sehr erfolgreich im Holzgewerbe und machte sich rasch einen Namen als ausgezeichneter Holzschnitzer dekorativer Möbel. 1854 zog Joseph Sudsburg nach Baltimore. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges meldete er sich im 2. Maryland Regiment, wo er am 18. September 1861 als Hauptmann der Kompanie K eingemustert wurde. Im Mai 1862 erhielt er bereits seine Beförderung zum Oberstleutnant des 3. Infanterieregimentes. Am 24. Oktober wurde er zum Oberst ernannt. Oberst Joseph Sudsburg fungierte mehrmals als Brigadekommandeur im XII. Armeecorps. Am 24. Juni 1864 nahm er schließlich seinen Abschied. Er kehrte nach Baltimore zurück, wo er später eine Kunstschule für Holzarbeiten in der Nähe der Fayette Straße gründete. Am 19. März 1893 heiratete er. Joseph M. Sudsburg starb am 8. April 1901 in Baltimore, Maryland, und wurde auf dem Loudon Park National Cemetery beigesetzt. Seine Witwe Helene J. bezog bis zu ihrem Tode im Jahre 1916 eine Witwenrente i.H.v. $ 25,00 pro Monat, die ihr aufgrund des chronischen Rheumas und der Taubheit des rechten Ohres ihres Mannes zustand. Gemäß der ärztlichen Atteste hatte sich Joseph M. Sudsburg die Leiden während des Krieges zugezogen.  

                             

Die Schlacht von Gettysburg. Diese Karte wurde von Captain Vincent E. von Koerber, einem ehemaligen österreichischer Offizier, der 1826 in Ungarn geboren worden war, angefertigt. Von Koerber hatte sich am 26. April 1862 als Hauptmann im 1. Kavallerieregiment aus Maryland eingeschrieben. Am 13. Juni 1864 avancierte er bereits zum Major. Am 13. März 1865 erhielt er den Brevet Rang eines Oberstleutnants und schied am 8. August 1865 aus dem aktiven Dienst. Vincent E. von Koerber lebte noch 1880 in Washington D.C.

Anmerkung:
Der spätere Oberst des 1. MD Cavalry Regimentes war der um 1830 in Hannover geborene Eugene von Kielmansegge. Dieser war im Juli 1861 nach Amerika gereist und nahm sogleich im Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten an den Kampfhandlungen teil. Dabei diente er im 4. Missouri Kavallerieregiment, im 1. Maryland Regiment und im 1. Florida Kavallerieregiment. In seiner alten Heimat hatte von Kielmansegge als Hussarenoffizier Erfahrungen in dieser Waffengattung gesammelt. Aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit wurde Eugene von Kielmansegge am 17. April 1865 ehrenhaft in Florida ausgemustert. Er starb am 3. September 1868 in Apalachicola, Florida. Wilhelm Kaufmann hat in seinem 1911 erschienenen Buch: "Die Deutschen im Amerikanischen Bürgerkriege" die falsche Behauptung aufgestellt, beide Offiziere wären während der Grantschen Wildernes - Kampagne im Jahre 1864 gefallen. 

 

 

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