Deutsche in Missourieinheiten (UNION)

 

 

In Missouri war die Beteiligung der Deutschen an der Aufstellung einer Unionsstreitmacht groß. Über 36 Prozent der Soldaten in diesem Bundesstaat waren in Deutschland geboren worden. Eine große Anzahl der insgesamt 85.400 Soldaten hatten deutsche Vorfahren. Missouri war ein beliebtes Einwanderungsziel für die Deutschen. Hier lebten im Jahre 1860 nach offiziellen Zählungen fast 90.000 deutsche Siedler.

Missouri war ein Grenzstaat und in der Hauptstadt St.Louis befand sich ein umfangreiches Waffendepot, welches unmittelbar nach Kriegsausbruch das Ziel beider verfeindeter Parteien wurde. Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass es den unionstreuen Deutschen zu verdanken ist, dass das Waffenlager in St.Louis nicht Opfer der Plünderungen durch sezessionistische Kräfte wurde. Bereits im April 1861 formierten sich deutsche Soldaten zu so genannten Heimwehr Einheiten (Homeguard).[i] Innerhalb kurzer Zeit standen dem Bundesstaat Missouri einige gut ausgebildete deutsche Regimenter zur Verteidigung der Union zur Verfügung. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges organisierten die Brüder Robert und Julius Hundhausen eine Heimwehr (Miliz) in ihrem Gasconde County. Die Einheiten verpflichteten sich für die Dauer von drei Monaten. Die beiden Hundhausen Brüder stammten aus Neukirchen in der Nähe von Köln, wo Robert 1822 und Julius zwei Jahre später zur Welt gekommen sind. Beide waren bereits in den 1840er Jahren nach Amerika ausgewandert und hatten gemeinsam am Krieg gegen Mexiko teilgenommen. Der Name Hundhausen steht bis heute für den bedingungslosen Einsatz der Emigranten in ihrer neuen Heimat. Robert starb 1872, sein Bruder im Jahre 1903. Die Brüder waren mit Frauen aus ihrer Heimat verheiratet und haben einen weit verzweigten und bekannten "Familienclan" hinterlassen. 

Der Chef des 2. Reserveregiments (Heimwehr) war der im Jahre 1823 in Schlesien geborene Hermann Kallmann, auch er ein ehemaliger 48er. Seine Soldaten waren alle in den Ländern des Deutsches Bundes geboren und standen in der Stunde der Not geschlossen hinter der Union. Nach Ablauf der dreimonatigen Dienstzeit entschieden sich viele junge Männer trotz massiver Widerstände in der Bevölkerung, den Kampf fortzusetzen. Die Einheiten, meistens Turnerverbände, sahen sich permanent der Wut der angloamerikanischen Bevölkerung in Missouri und in allen anderen Bundesstaaten ausgesetzt. Wegen ihrer Entschlossenheit waren sie gleichsam gehasst und gefürchtet. Den Vorwurf, sie würden sich in Angelegenheiten einmischen, die sie nichts angingen (der Krieg wurde als Sache der Amerikaner verstanden und betrachtet), ignorierten die Deutschen sicher auch mit einer Portion Arroganz. Speziell die Turner, jene deutsche Migranten, die sich in körperlichen und geistigen Ertüchtigungen gleichermaßen befleißigten, besaßen den Ruf, besonders kompromislos aufzutreten. Ihr militärisches Gehabe, die strenge Disziplin jedes einzelnen Mitgliedes, verschreckte die angloamerikanischen Nachbarn. Die "Deutschtümelei" machte sie zu Feinden all jener, die eine bedingungslose Akkulturation und schließlich eine Assimilation forderten. Die Geschichte gibt ihrem reniten Verhalten jedoch uneingeschränkt recht. Denn es ist zweifellos mit ihr Verdienst, die sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den U.S.A. nach unzähligen Diskussionen sensibilisiert und geschärft zu haben. Hermann Kallmann, der ehemalige Kommandeur des 2. Reserveregimentes aus Missouri, arbeitete nach dem Krieg sehr erfolgreich als Brückenbauingenieur und starb 1904 in Detroit. 

Mit Beginn des Bürgerkrieges organisierte der 1824 in Deutschland geborene Joseph A. Eppstein eine deutsche Kompanien Freiwilliger in einer Stärke von 135 Mann, die kurze Zeit später in dem sogenannten Boonville corps zusammengefasst werden konnten. Eppstein erhielt die Beförderung zum Oberstleutnant. Er war bereits 1840 mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert und hatte als Freiwilliger im 3. Missouri Rifle Regiment am Expansionskrieg gegen Mexiko teilgenommen. In Boonville, Missouri, betrieb er mit seinen Brüdern ein erfolgreiches Handelsunternehmen, bis der Bürgerkrieg ausbrach und die jungen Männern begeistert und voller Überzeugung zu den Waffen eilten. Nach Ablauf der Dienstzeit seiner Milizionäre stellte Eppstein mit viel Engagement mehrere Abteilungen Infanterie und Kavallerie zusammen, die im 6. Battailion Missouri Miliz zusammengefasst werden konnten. Vom März 1862 bis zum Januar 1863 fungierte Eppstein als Oberstleutnant in der 13. Miliz Kavallerie des Staates Missouri. Bis Ende des Krieges kommandierte er schließlich als Oberst die 5. Missouri Miliz. Eppsteins Verdienst bestand unter anderem darin, im Laufe des Krieges über ein halbes Dutzend Kompanien Freiwilliger für die Union rekrutiert zu haben. Nach dem Krieg arbeitete er wieder im Handelswesen und war aber auch politisch sehr aktiv. Von 1867 bis 1868 wirkte er als Abgeordneter das Boonville Distrikt und für sieben Jahre hatte er das verantwortungsvolle Amt des Schatzmeisters inne. Joseoph A. Eppstein starb am 4. März 1886 in Boonville, Missouri. 

General Sigel und General Lyon in heroischer Reiterpose 1861.

krekel

Arnold Krekel wurde am 12. März 1815 in Langenfeld, südlich von Düsseldorf am Rhein gelegen, geboren. Er erhielt seine schulische Ausbildung an einer Privatschule und begann im Alter von 14 Jahren eine Lehrausbildung in Köln. 1832 wanderte er gemeinsam mit seinen Eltern nach Amerika aus. Die Familie ließ sich für mehrere Jahre auf einer Farm im St. Charles County, Missouri, nieder. Krekel verdiente später sein Geld in einer Färberei und als über Land ziehender Hausierer. Krekel nutzte jede Gelegenheit, sich Wissen anzueignen. Er studierte Mathematik und Jura und konnte schließlich 1844 eine eigene Praxis eröffnen. Nebenbei war er als Vermesser tätig. Rasch machte er sich einen Namen in der Region und seine Kundschaft wuchs. Im Januar 1845 heiratete er die zwei Jahre jüngere Ida, geborene Krug, die aus Bayern stammte. 1850 gründete Krekel die Zeitung "St. Charles Demokrat". Später wurde er Mitglied der neu gegründeten Republikanischen Partei. Als Wahlmann in Missouri hatte er großen Anteil am Wahlsieg Abraham Lincolns. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges mobilisierte Krekel deutsche Einwanderer, die schließlich in Heimwehren, sogenannte homeguards, zusammengefasst werden konnten. Krekel erhielt den Rang eines Oberstleutnants und er führte seine Kavallerie, die bald als "Krekel's dutch" bekannt war, in die Gefechte gegen Guerillaeinheiten des Südens im Raum von St. Louis, die hier als gefürchtete bushwhackers ihr Unwesen trieben. 1865 ernannte Präsident Lincoln den entschiedenen Streiter für die Union zum Richter für das westliche Distrikt Missouris. Dieses Amt übte er bis zu seinem Rücktritt im Juni 1888 aus. Von 1872 bis 1875 hatte Krekel einen Lehrstuhl an der University of Missouri School of Law in Columbia, Missouri, inne. Arnold Krekel starb am 14. Juli 1888, nur wenige Tage nach seiner Pensionierung in St. Charles, Missouri. Er war zweimal verheiratet und hatte insgesamt sechs Kinder aus erster Ehe mit Ida Krug. Sie starb bereits im Jahr 1870. Zehn Jahre später heiratete Arnold Krekel Martha Hulett, die Tochter einer angesehenen Familie aus New York. Die 25 Jahre jüngere Martha überlebte ihren Mann deutlich und starb schließlich im Jahre 1921.

Wilhelm Quintilis Dallmeyer wurde am 23. Oktober 1829 im hannöverschen Dissen geboren. 1845 kam er nach Amerika, wo er sich in New York City niederließ. Später reiste er nach New Orleans, um schließlich in St. Louis sesshaft zu werden. Hier betrieb er einen Kurzwarenladen. 1856 siedelte Dallmeyer in das Gasconade County und betätigte sich hier als Farmer, Ladenbesitzer und Friedensrichter. Nach Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich am 8. September in einer home guard Einheit unter Hauptmann Cooper. Später kommandierte er als Oberstleutnant die 3. Missouri Militz; eine 6 Monate-Einheit. Bekannt wurde die Einheit als Dallmeyers Bataillon. Im Februar 1862 lief seine Dienstzeit ab. Dallmeyer arbeitete für die Legislative und in der Staatskämmerei. 1868 zog er mit seiner Familie nach Jefferson City. Hier gründete er die 1. Nationalbank und nahm eine Tätigkeit als Kassierer auf. 1882 wechselte er zur Devisenbank. Wilhelm Dallmeyer arbeitete 18 Jahre für das Erziehungsministerium und gehörte den Freimaurern an. Wilhelm Quintilis Dallmeyer starb hoch geachtet am 15. März 1908 in Jefferson City und wurde auf dem Riverview Cemetery beigesetzt.

Johan Bernhard Bruns wurde am 22. November 1798 in Schepsdorf, rund 25 km südlich von Meppen, Emsland, im heutigen Niedersachsen, geboren. Er studierte in Berlin und promovierte hier zum Dr.med. Im September 1836 kam er mit einer Gruppe Auswanderern aus Paderborn und Oelde nach Missouri, wo er gemeinsam mit dem ehemaligen Lichtenauer Beamten Nikolaus Hesse (1794-1868) die kleine Ortschaft Westphalia gründete. Dr. Bruns hatte die Überseereise mit seiner Frau Henriette (geborene Geisberg) und einem gemeinsamen Sohn unternommen. Die Familie Bruns wuchs bis 1853 um weitere zehn Familienmitglieder an, von denen allerdings vier Neugeborene das Kindesalter nicht erreichten. 1856 zog er mit seiner Familie nach Jefferson City um. Am 22. September 1862 meldete sich Dr. Bruns als Regimentsarzt in dem 42. Missouri Militz Regiment. Noch vor Ende des Bürgerkrieges starb Dr. Bruns am 1. April 1864. Am 9. Juli 1863 war einer seiner Söhne, Heinrich Gottfried Herman Bruns (geboren 1842 in Jefferson City), als Kavallerist im 10. Missouri Kavallerieregiment bei Iuka, Mississippi, tödlich verwundet worden. Westphalia befindet sich rund 24 km von Jefferson City entfernt. Heute (2010) leben 320 Menschen in dem kleinen Ort.

Das 1. Missouri Freiwilligen Regiment (Volunteers) bestand aus drei Kompanien Turner[ii] aus St.Louis und einer Kompanie irischer Einwanderer. Im Gegensatz zu ihren deutschen Mitbürgern entschieden sich viele Iren nach Ausbruch des Krieges für die Konföderation und lösten sich daher von ihrem Bundesstaat Missouri. Die Einheiten verpflichteten sich anfangs lediglich für drei Monate. Nach Ablauf kam es dann zu Umstrukturierungen und die Soldaten in den neuen Regimenter leisteten ihren Eid für drei Jahre. Das Kommando über das 1. Missouri Infanterieregiment erhielt der beliebte und germanophile Francis P. Blair, dessen Bruder als Postminister im Kabinett Abraham Lincoln seine Arbeit aufgenommen hatte. Ebenfalls am 23. April 1861 wurde das 2. Missouri Freiwilligenregiment in St.Louis unter dem aus Hamburg stammenden Heinrich Börnstein eingemustert. Börnstein, ein ehemaliger österreichischer Offizier, emigrierte nach den Aufständen in Europa 1849 in die USA. Er ließ sich in St.Louis nieder, wurde Herausgeber der deutschen Zeitung „Der Anzeiger des Westens“ und nahm wesentlichen Einfluss auf Wirtschaft und Politik in der Region. Die Unionseinheit, welche er seit April 1861 führte, war allerdings ein semi-deutsches Regiment.

Ernst Schmidt wurde am 2. März 1830 in Ebern, Oberfranken, gut 20 km nördlich von Bamberg, als Ernst Friedrich Felix Schmidt geboren. Der Vater war Apotheker und der spätere Bürgermeister des Ortes. Ernst war das dritte von insgesamt sieben Kindern. Nach der Geburt des letzten Kindes verstarb die Mutter Kunigunde im Juni 1838. Ernst war acht Jahre alt und klammerte sich nun an die beiden älteren Schwestern. Im August 1840 besuchte Ernst die Lateinische Jesuiten-Schule in Bamberg, später kam er an's Gymnasium nach Nürnberg. Ernst immatrikulierte sich im Wintersemester 1848/49 an der Würzburger Universität und schrieb sich an der philosophischen Fakultät ein. Später wechselte er zur Medizin. In seine Studienzeit fielen die Ereignisse der revolutionären Umbrüche in den deutschen Territorialgebieten. Ernst Schmidt symphatisierte in leidenschaftlichen Vorträgen für die Sache der Demokraten. 1849 musste er in die Schweiz flüchten, kehrte jedoch ein Jahr später nach Deutschland zurück, um sein Studium fortzusetzen. 1852 promovierte Schmidt zum Doktor der Medizin. Er fand eine Anstellung als königlich bayerischer Landgerichtsarzt. Seine politische Vergangenheit holte ihn jedoch immer wieder ein, und das Misstrauen in der konservativen Verwaltung schlug ihm jeden Tag unverholen entgegen. Während der Revolutionstage hatte er sich den Spitznamen "Der Rothe Doktor" erworben, ein Titel, der selbst später in Amerika in aller Munde sein sollte. Es folgten einige Jahre berufliche Praxis im europäischen Ausland. Schmidt entschloss sich 1857 zur Auswanderung nach Nordamerika. Im April desselben Jahres hatte er in Ebern Therese Weikard geheiratet, die Tochter eines verstorbenen Gerichtsvorstehers. Kurz nach seinem Eintreffen in der neuen Welt gehörte Schmidt zu den Mitbegründern der "German Medical Society". Seine politischen Aktivitäten konzentrierten sich voll und ganz auf die Unterstützung der Republikaner unter Abraham Lincoln. Kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges erhielt Schmidt eine Lehranstellung am Humboldt-Institut in St. Louis. Vom April bis Juli 1861 diente Dr. Schmidt im Rang eines Oberstleutnants als Generalstabsarzt im 2. Missouriregiment. Gesundheitliche Gründe ließen eine Verlängerung seiner Dienstzeit nicht zu. Im Spätsommer 1861 kehrte Schmidt nach Chicago zurück. Hier betätigte er sich aktiv am politischen Leben und bekleidete mehrere hohe Ämter. Er wirkt u.a. als Gerichtsmediziner, war Präsident der Deutschen Gesellschaft in Chicago und Mitbegründer mehrerer Hospitäler in der Stadt. Im Mai 1874 reiste Schmidt ein letztes Mal in seine deutsche Heimat. Fünf Jahre später kandidierte er für die Sozialisten um das Amt des Bürgermeisters von Chicago. Er füllte zahlreiche Ehrenämter mit einem Enthusiasmus aus, der ihm ein hohes Maß an Respekt in der Bevölkerung einbrachte. Schmidt gehörte in späteren Jahren zu den Unterstützern der sozialistischen Arbeiterbewegung. Er war literarisch sehr begabt, übersetzte mehrere Gedichte und Bücher und verfasste eine Unmenge an Reden und Vorträgen, die er während seiner Reisen durch das Land vor der deutschstämmigen Bevölkerung hielt. Ernst Schmidt starb hoch geachtet und von vielen Freunden und Weggefährten tief betrauert am 26. August 1900. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Graceland-Cemetery in Chicago. Der Familie Schmidt wurden zwischen 1859 und 1869 fünf Söhne geboren. Sohn Richard starb bereits 1864 im Alter von drei Jahren. Die vier überlebenden Söhne setzten die Tradition und Visionen des Vaters erfolgreich als Ärzte, Wissenschaftler, Publizisten und Architekten in Amerika fort.
Literaturhinweis: Schmidt, Axel W.-O., Der rothe Doktor von Chicago-ein deutsch-amerikanisches Auswanderungsschicksal, Frankfurt am Main 2003.




hammer

Johann Adam Hammer wurde am 27. Dezember 1818 in dem Dorf Mingolsheim, gut 25 km südlich von Heidelberg, geboren. Der Vater Wilhelm diente im Militär und arbeitete später als Vermesser im zivilen Bereich. Adam Hammer hatte noch sieben Geschwister, von denen jedoch vier im Säuglingsalter verstarben. Adam kam nach einer ersten Schulausbildung im November 1830 an das großherzogliche Gymnasium Bruchsal. Adam Hammer besaß eine hohe Auffassungsgabe und entwickelte sich rasch zum Klassenprimus. Wenig später wurde der Vater wegen eines Verschwörungsverdachtes gegenüber des Staates verhaftet. Im Dezember 1837 immatrikulierte Adam sich an der Universität Heidelberg. Hier belegte er naturwissenschaftliche Fächer. Er wollte Arzt werden. Im selben Jahr war seine Mutter Margarethe, geborene Ganther, gestorben. 1839 wanderte der Vater nach Amerika aus und erfüllte damit die Auflagen der Behörden, die seine Enlassung mit der Aufforderung das Land zu verlassen, verbunden hatten. Nach der Promotion zum Doktor der Medizin diente Adam Hammer ab Dezember 1842 als Militärarzt im 2. Dragonerregiment, welches in Mannheim stationiert war. Während der Revolution 1848/49 entwickelte sich Hammer zum radikalen Demokraten; sicher auch das Ergebniss des Einflusses seiner Freunde Struve und Hecker. Hammer befehligte als Hauptmann einen revolutionären Verband und operierte mit seinen Männern im Mannheimer Raum. Nach der Niederschlagung der Revolution flüchtete Hammer gemeinsam mit Hecker und anderen nach Amerika und landete am 4. Oktober 1848 in New York. Hammer ging nach St. Louis, da hier sowohl die beruflichen Chancen als auch die familiären Strukturen am besten vorhanden schienen. Immerhin waren neben seinem Vater auch seine Großeltern ausgewandert und vier seiner Geschwister sollten ebenalls nach Amerika emigrieren. Nur wenig später konnte Dr. Hammer tatsächlich seine Praxis in St. Louis eröffnen. 1853 reiste Hammer aus medizinischen Studiengründen zurück nach Europa. Nach seiner Rückkehr und den gewonnen Erkenntnissen gründete er 1855 das St. Louis College of Medical and Natural Sciences. An dem Institut sollten zukünftige Ärzte ausgebildet werden. Ein Jahr später eröffnete Hammer das "St. Louis Eye Infirmary and Surgical Clinic for the Poor", einem Hospital, das außschließlich den Armen und Bedürftigen offen stand. Nach dem Scheitern seiner medizinischen Hochschule eröffnete Hammer 1859 das Humboldt-Institut. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges meldete sich Hammer als Arzt zur Unionsarmee und erhielt im Mai 1861 den Rang eines Oberstleutnants im 4. Missouriregiment unter Oberst Nicholas Schüttner. Nach Ablauf der dreimonatigen Dienstzeit quittierte Dr. Hammer am 30. Juli 1861 wieder den Dienst. Im Juni des Folgejahres meldete er sich wieder im Sanitätsdienst und wurde als Brigadearzt zugelassen. Dr. Adam Hammer war eine bedeutende medizinische Kapazität und eine anerkannte politische und gesellschaftliche Persönlichkeit. Aktiv unterstützte er die Republikanische Partei. Engagiert setzte er sich für den Erhalt der deutschen Sprache in seiner Wahlheimat ein. Dr. Hammer beteiligte sich an einer deutschen Brauerei, die in St. Louis speziell für Deutsche errichtet worden war. Er gründete oder unterstützte Kindergarteneinrichtungen, Suppenküchen und hatte stets die Bedürfnisse der Armen im Sinn. Im April 1877 reiste Dr. Hammer gemeinsam mit seiner sieben Jahre jüngeren Frau Helene, geborene Leip, zurück nach Deutschland. Mittlerweile war die Zersplitterung seiner Heimat überwunden und nach dem Sieg über Frankreich im Jahre 1871 im Deutschen Reich unter preußischer Führung schließlich aufgegangen. Dr. Adam Hammer starb am 4. August 1878 in Griesbach im Schwarzwald. Dr. Hammer war als rechthaberischer Mensch mit exzentrischen Zügen bei vielen seiner Kollegen äußert unbeliebt. Möglicherweise veranlasste ihn seine Ansicht von der Überlegenheit des deutschen Elementes in Amerika dazu, schließlich in seine Heimat zurückzukehren. Trotz aller Kritik bleibt festzustellen, dass Hammer ein begnadeter Arzt gewesen ist, der unter anderem als erster einen Herzinfarkt diagnostizierte.
Literaturhinweis: Streckfuß, Werner, Adam Hammer 1818-1878. Ein badischer Achtundvierziger, Kraichgau 1998.










Heinrich (Henry) Almstedt, geboren am 24. Mai 1817 in den Ländern des Deutschen Bundes, kam bereits als Jugendlicher nach Amerika. In Washington kontaktierte er zunächst seine Verwandten, die reichen Familien der Armisedt, und ließ sich später in St. Louis nieder. Während des Amerikanisch-Mexikanischen Krieges diente Almstedt als Leutnant im 2. und später im 12. regulären Infanterieregiment. Am 25. Juli 1848 wurde Almstedt ehrenhaft aus der Armee verabschiedet. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges wurde er am 7. Mai 1861 zum Oberst des 1. Missouri-Reserveregiment ernannt. Nach Ablauf der Dienstzeit von 3 Monaten, wurde Almstedt ehrenhaft entlassen. Später, am 19. September 1861, übernahm Oberst Almstedt das 2. Leichte-Missouri-Artillerieregiment. Am 27. August 1863 nahm er Abschied vom Regiment. Noch vor Ende des Krieges (ab dem 20. April 1864) hatte er die Position eines Zahlmeisters im Heer inne. Am 1. Mai 1867 erhielt Almstedt das Brevet eines Oberstleutnants für seinen verdienstvollen Einsatz im Bürgerkrieg. Am 1. Januar 1868 wurde er mit militärischen Ehren endgültig aus dem Militärdienst verabschiedet. Heinrich Almstedt starb am 24. November 1884 in St. Louis und wurde auf dem Bellefontaine Friedhof beigesetzt.

börnstein

Georg Christian Heinrich Börnstein wurde am 4. November 1805 in Hamburg als Sohn eines katholischen Vaters und einer protestantischen Mutter geboren. Seine Mutter, Ilse Sophie, geborene Hesse, konnte sich bezüglich der Religion durchsetzen und ließ ihren Sohn entsprechend erziehen. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Heinrich in Lemberg, Galizien, in der heutigen Ukraine, wo er von 1815 bis 1820 das Gymnasium besuchte. Anschließend diente er in der österreichischen Armee, aus der er 1826 aufgrund eines Duells ausscheiden musste. Heinrich Börnstein begann ein Medizinstudium, das er abbrach und er verdingte sich daraufhin als Schauspieler in Wien. Bereits im November 1829 heiratete er die 14jährige Ungarin Marie Steltzer, eine Schauspielerin, die er auf seinen Reisen kennengelernt hatte. 1842 kam er nach Paris, wo er sich der Journalistik zuwandte und zwei Jahre später die demokratische Zeitschrift "Vorwärts" herausgab. 1848 gehörte Heinrich Börnstein zu den führenden Insurgenten deutscher Demokraten in Paris. Im Ergebnis der Verfolgung der Aufständischen in ganz Europa, emigrierte Heinrich Börnstein nach Übersee. Im April 1849 kam er gemeinsam mit seiner Frau und den drei Söhnen nach Amerika. Hier gab er kurze Zeit später die Zeitung "Der Anzeiger des Westens" in St. Louis heraus. Als multipler Unternehmer machte Börnstein rasch ein Vermögen. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente er als Oberst der 2. Missouri Infanterie, das er im Wesentlichen organisiert hatte. Mit ihm hatten sich voller Begeisterung drei seiner Söhne und der Schwiegersohn im selben Regiment eingeschrieben. Sein bedeutender Einfluß auf die Presse machte ihn aufgrund absurder Forderungen, die er an die Katholiken und Juden richtete, zum Feind vieler Deutschen, die sich sonst freiwillig zum Militär gemeldet hätten. Das war auch der Grund dafür, dass Heinrich Börnstein nach Ablauf der drei Monate Dienstzeit von der Regierung gebeten wurde, auf die Verlängerung seiner Dienstzeit zu verzichten und statt dessen wieder politisch tätig zu werden. Und so ernannte Präsident Lincoln ihn zum US - Konsul in Hamburg und Bremen, während sein Bruder Karl die Stelle des Vizekonsuls erhielt. Einer seiner Söhne, der 1832 in Wien geborene August Sigmund, diente als Oberleutnant im 4. Farbigeninfanterieregiment (USCI). Nachdem Heinrich Börnstein sein Vermögen in den U.S.A. völlig aufgebraucht hatte, ließ er sich im Jahre 1868 in Wien nieder. Hier schrieb er seine Memoiren und betätigte sich noch als Dramaturg und Zeitungskorrespondent. Heinrich Börnstein starb am 10. September 1892, nur sechs Wochen nach dem Tod seiner Frau..
Literaturhinweis: Börnstein, Heinrich, Fünfundsiebzig Jahre in der Alten und Neuen Welt, Memoiren eines Unbedeutenden, Leipzig 1884.

 

Nachdem Oberst Börnstein wegen politischer Aufgaben die Einheit verlassen hatte, und alle Regimenter für eine Dienstzeit von drei Jahren verpflichtet worden waren, folgte ihm Friedrich Schäfer, ein ehemaliger Hauptmann in württembergischen Diensten, im Kommando. Geboren wurde Friedrich Schäfer am 11. November 1808 in Ludwigsburg, im damaligen Herzogtum Württemberg. Vor Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges versah Friedrich Schäfer als Major seinen Dienst in der Miliz des Staates von Missouri. Nachdem die Separationsbestrebungen der Konföderierten in Missouri offensichtlich zu Tage traten, reichte Major Schäfer am 17. April 1861 seinen Abschied beim kommandierenden General Daniel M. Frost ein. Frost selbst wechselte bald darauf die Seiten und diente als Brigadegeneral in der Armee der Südstaaten. Schäfer jedoch blieb der Sache der Union treu und stand wie fast ausnahmslos alle zugewanderten Deutschen hinter dem Sternenbanner. Oberst Schäfer fiel an der Spitze seiner Soldaten während eines Angriffes bei Stone River am 31. Dezember 1862. Alle kommandierenden Offiziere, unter denen Schäfer agierte, stellten ihm ein glänzendes Zeugnis militärischer Befähigung aus. Den Befehl über das 2. Missouri Regiment übernahm daraufhin Bernhard Laibold. Geboren wurde er im Jahre 1827 in Baden. Bereits Anfang der 1840er Jahre kam er nach Amerika. Mit Ausbruch des Krieges gegen Mexiko schloss er sich der Armee an. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges betrieb Laibold mehrere Gastwirtschaften, darunter auch das Gasthaus "Zum Goldenen Löwen". Unmittelbar nach der Kriegseröffnung organisierte er eine Kompanie deutscher Freiwilliger, die später dem 2. Missouri Regiment einverleibt werden sollten. Nach dem Tod Friedrich Schäfers führte Oberst Laibold die Männer seines Regimentes mit Bravour bis zum Kriegsende. Nach dem Bürgerkrieg wurde Laibold zum Polizeichef von St. Louis ernannt. Wenig später erhielt er das Amt des County-Marschalls. Bernhard Laibold verstarb am 20. November 1883 in der Sydney Straße in St. Louis, von seiner Witwe, zwei Töchtern und einem Sohn sowie noch lebenden Weggefährten tief betrauert. Wenige Monate vor dem Ableben des alten Kriegsveteranen war bereits sein ältester Sohn gestorben. 

Nur wenige Tage nach der Vereidigung des 2. Regimentes rekrutierte der ehemalige badische Offizier Franz Sigel ein drittes Infanterieregiment in Missouri, welches bald darauf als Sigel Rifles oder Lyons Fahnenwacht bekannt wurde. Sigel avancierte rasch zum General der Nordstaaten und fand sich im Sommer 1862 an der Spitze eines Unionscorps wieder. Der Major des 3. Missouri Infanterieregiment, Joseph Conrad, hatte bereits in der hessischen Armee gedient. Später kommandierte er das 15. Missouri Regiment, welches ebenfalls zum großen Teil aus eingewanderten Deutschen bestand. Joseph Conrad erhielt im März 1865 für seine Verdienste während der Atlanta Feldzüge den Brevet Rang eines Brigadegenerals.[iii]

Auch das 4. Missouriregiment, die so genannten Schwarzen Jäger, formierte sich überwiegend aus unionstreuen Deutschen und wurde von dem gelernten Zimmermann Nicholas Schüttner kommandiert.

Nicholas Schüttner wurde 1820 in der Nähe von Koblenz geboren und arbeitete nach seiner Ankunft in Amerika im Jahre 1848 als Zimmermann und Handwerker. Für seine Tätigkeit stellte er selbst die notwendigen Ziegelsteine her. In seiner preußischen Heimat hatte Schüttner das Handwerk erlernt und drei Jahre Pflichgtdienst im Militär geleistet. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges im Jahre 1861 erhielt er das Kommando über den sogenannten "Schwarze-Jäger-Schützenverein". Ende April 1861 meldete Oberst Schüttner 12 Kompanien seines 4. Missouri Regimentes in einer Gesamtstärke von 1037 Mann kampfbereit. 88 Prozent der Offiziere und Soldaten waren geborene Deutsche. Weitere acht Prozent stammten aus Böhmen, im heutigen Tschechien. Nach Ablauf der 90 Tage Dienstzeit wurde die Einheit am 30. Juli 1861 ehrenhaft aus dem Dienst verabschiedet. Bis zu seinem Tod arbeitete Schüttner als Bauunternehmer und war aktives Mitglied des St. Louis Jagdvereins. Nicholas Schüttner starb bereits im Frühjahr 1870 in St. Louis.

Die Kriegsbegeisterung der Deutschen hatte bereits im April 1861 dazu geführt, dass ihre Pflichtquote erfüllt war. Dennoch gestattete der Kommandant des Arsenals in St.Louis, Oberst Nathaniel Lyon, den Deutschen die Bildung von weiteren Regimentern. Im Mai 1861 rekrutierte sich ein 5. Infanterieregiment im Wesentlichen aus Deutschen. Zum Befehlshaber ernannte man Oberst Karl Eberhardt Salomon, ein, nach Aussage ungesicherter Quellen, ehemaliger 48er aus der Nähe von Magdeburg, der nach Scheitern der Revolution mit seinen drei Brüdern nach Amerika geflüchtet war. Unter den 12 Infanterieregimentern und den zahlreichen Heimwehreinheiten, die sich alle zu einem großen Teil aus deutschen Einwanderern formierten, gelangten die Infanterieregimenter Nr. 12 und Nr. 17 zu hohem Ansehen während der Feldzüge auf dem westlichen Kriegschauplatz.


stifel

Karl Gottfried Stiefel wurde am 28. Januar 1819 in Württemberg geboren. Bereits im Jahre 1837 kam er nach Amerika und ließ sich zunächst in New York nieder. 1849 zog Stiefel nach St. Louis, Missouri. Hier eröffnete er in der North Fourteenth and Howard Streets eine Brauerei, die sich unter dem Namen "Chas. G. Stifel's Brewing Co." innerhalb weniger Jahre äußerst erfolgreich entwickelte. 1855 gehörte er bereits dem Stadtrat an. Mit Beginn des Bürgerkrieges wurde Stiefel zum Oberstleutnant des 5. Regimentes ernannt. Seinen von ihm geworbenen Deutschen kaufte er kurzerhand 50 Perkussionsvorderlader und ließ die Männer auf dem Gelände seiner Brauerei militärisch drillen. Seine Truppen nahmen an der Belagerung und Einnahme von Camp Jackson teil. Stiefel quittierte noch vor Kriegsende den Armeedienst und widmete sich wieder der Braukunst. Er gehörte zu den engagiertesten Bewohnern von St. Louis und spendete großzügig für zahlreiche Organisationen und Einrichtungen. Von 1873 bis 1893 fungierte Stiefel als Präsident der Northwestern Savings Bank. Wenige Jahre vor seinem Tod stiftete Karl Stiefel eine Schillerstatue; die exakte Kopie der Statue, die in Schillers Geburtsstadt Marbach am Neckar steht. Höchst persönlich weihte Stiefel im November 1898 die Statue im St. Louis Place Park ein. Er starb als angesehener Bürger von St. Louis am 19. März 1900 und wurde auf dem Bellefontaine Friedhof beigesetzt. Stiefels Säbel und der Perkussionsrevolver Modell Colt Army im Kaliber .44 aus der Zeit des Bürgerkrieges befinden sich heute in einem Militärmuseum in Missouri.

Hermann Türck wurde am 20. September 1842 in Rostock geboren. Es ist leider nicht bekannt, wann und unter welchen Umständen er nach Amerika kam. Im April 1861 verpflichtete er sich als private für drei Monate im 4. Infanterieregiment aus Missouri. Nach Ablauf seiner Dienstzeit wechselte Türck zum 12. Regiment, wo er am 15. August als Leutnant eingemustert wurde. In der Schlacht bei Pea Ridge wurden ihm am 8. März 1862 beide Augen ausgeschossen. Am 13. August 1862 erhielt Türck seine Entlassungspapiere und reiste zurück nach Deutschland. In Lübeck heiratete er später eine englische Dame mit Vermögen, die den blinden Hermann Türck bis zu seinem Tode pflegte. Türck starb am 1. März 1907 in Lübeck.

Bereits im Mai 1861 konnte Oberst Nathaniel Lyon, der Kommandeur des staatlichen Arsenals in St. Louis, über 10.000 Soldaten in fünf Infanterieregimentern und fünf Reserveregimentern sowie einer Artilleriebatterie und einer Pionierkompanie für den Kampf gegen die Sezessionisten der Bundesregierung melden. Nicht weniger als 8.500 Soldaten waren in den Territorien des Deutschen Bundes zur Welt gekommen! Ihre Aufgabe bestand nun darin, Missouri unter allen Umständen in der Union zu halten. Die Einheiten wiesen Anfangs folgende Mannschaftsstärken auf und standen unter dem Kommando nachgenannter Offiziere:

1. Freiwilligenregiment unter Oberst F. P. Blair in einer Stärke von 1.220 Soldaten

2. Freiwilligenregiment unter Oberst Heinrich Börnstein in einer Stärke von 1.128 Soldaten

3. Freiwilligenregiment unter Oberst Franz Sigel in einer Stärke von 1.1.03 Soldaten

4. Freiwilligenregiment unter Oberst Nicholas Schüttner in einer Stärke von 1.027 Soldaten

5. Freiwilligenregiment unter Oberst Karl E. Salomon in einer Stärke von 926 Soldaten

1. Reserveregiment (Heimwehr) unter Oberst Heinrich Almstedt in einer Stärke von 1.195 Soldaten  

2. Reserveregiment (Heimwehr) unter Oberst Hermann Kallmann in einer Stärke von 736 Soldaten

3. Reserveregiment (Heimwehr) unter Oberst John McNeil in einer Stärke von 839 Soldaten

4. Reserveregiment (Heimwehr) unter Oberst B. Gratz Brown in einer Stärke von 1.169 Soldaten

5. Reserveregiment (Heimwehr) unter Oberst Karl Stiefel in einer Stärke von 1.014 Soldaten

Artillerie unter Major Franz Backhoff in einer Stärke von 258 Soldaten 

Pionierkompanie unter Hauptmann J. D. Vörster in einer Stärke von 120 Soldaten


Das 12. Infanterieregiment wurde von dem aus Koblenz stammenden ehemaligen 48er Peter Joseph Osterhaus kommandiert, der bereits im Juni 1862 zum Brigadegeneral befördert wurde und später als Interimbefehlshaber des XV. Unionscorps während der Carolina Feldzüge fungierte. Nach dem Ausscheiden von Oberst Osterhaus übernahm der ehemalige preußische Offizier Hugo von Wangelin das Kommando über das 12. Missouriregiment. In der Schlacht von Ringold Gap in Georgia vom 27. November 1863, wurde Wangelin so schwer verwundet, so dass ihm der rechte Arm amputiert werden musste. Das 17. Missouri Infanterieregiment wurde im August 1861 von Franz Hassendeubel organisiert. Hassendeubel stammte aus der Pfalz und war bereits seit 1844 in Amerika ansässig. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges mobilisierte er Deutsche in den Turnervereinen für ein Infanterieregiment. Während der Belagerung von Vicksburg wurde Oberst Hassendeubel schwer verletzt und starb im Juli 1863 in einem Feldhospital der Unionsarmee.

Franz Hassendeubel wurde am 18. Januar 1817 im pfälzischen Germersheim, bayerische Rheinpfalz, (heute Rheinland-Pfalz, Regierungsbezirk Germersheim), keine 10 km südwestlich von Speyer, geboren. Seine Ausbildung an den Gymnasien erhielt er in Zweibrücken und in Speyer. Von 1834 bis 1837 absolvierte er eine akademische Ausbildung am Politechnikum und an der Akademie der Künste in München. Bereits im Frühjahr 1842 reiste Hassendeubel erstmals nach Übersee, wo er auf den umliegenden Farmen des Ostens Farmerkindern schulischen Privatunterricht erteilte. Ende 1843 kehrte er vorerst in seine europäische Heimat zurück. 1844 kam er dann gemeinsam mit seiner Frau, einem jüngeren Bruder und zwei Schwestern nach St. Louis, Missouri. Zwei Jahre später meldete er sich als Leutnant in der Artilleriebatterie unter Hauptmann Waldman Fischer, um anschließend am Krieg gegen Mexiko teilzunehmen. Noch während des Krieges übernahm er als Hauptmann das Santa Fe Bataillon. Nach Ende des Expansionskrieges gegen Mexiko organisierte Laibold unverzüglich eine Milizkompanie, dessen Hauptmann er wurde. Zwischen 1857 und 1860 arbeitete er dann als Stadtingenieur von St. Louis. Besonderen Verdienst erwarb er sich dabei beim Ausbau des Kanalisationssystems der Stadt. Noch kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges war Hassendeubel nach Deutschland gereist. Nachdem er Nachricht vom Ausbruch der Hostilität erhalten hatte, eilte er sofort nach Amerika zurück. Mit Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges meldete sich Hassendeubel in der 3. Missouri Infanterie unter Franz Sigel, wo er die Kommandostelle des Oberstleutnannts erhielt. Kurze Zeit später übernahm er als Oberst das 17. Regiment und diente nun unter dem Oberkommando von General U. S. Grant. Während der Belagerung von Vicksburg explodierte am 25. Juni 1863 eine von Unionssoldaten angelegt Sprengladung. Oberst Hassendeubel inspizierte den dabei ausgeworfenen Krater drei Tage später, als plötzlich eine feindliche Handgranate ganz in seiner Nähe zündete. Hassendeubel wurde durch die umher fliegenden Splitter an der Lunge verletzt. Die Wunde war tödlich. Unter großen Schmerzen starb Franz Hassendeubel am 17. Juli 1863 im Kreis seiner Familie und seiner Kameraden. Seine letzte Ruhe fand der wackere Streiter für die Feiheit mit allen militärischen Ehren am 31. Juli auf dem Bellefontaine Friedhof.

Dr. med. Joseph Spiegelhalter, einer der bedeutendsten deutschen Ärzte während des US - Bürgerkrieges, diente im 12. Missouri Regiment. Geboren wurde Spiegelhalter am 6. August 1834 im württembergischen Oberndorf (heute Oberndorf am Neckar, Baden Württemberg, Regierungsbezirk Freiburg). In seinem Heimatort erhielt er eine schulische Ausbildung. Im August 1854 kam er nach Amerika und studierte bis 1862 am Humboldt Medical College in St. Louis, Missouri, nachdem er unter anderem als Apotheker in New Orleans, Chicago und Philadelphia gearbeitet hatte. Die Ausbildungsstätte in St. Louis für angehende Ärzte war 1859 von Dr. Adam Hammer in's Leben gerufen worden. Bereits im Mai 1861 meldete sich Spiegelhalter für drei Monate in der 5. Missouri Infanterie. Nach erfolgreichem Studiumabschluss kam er als Assistenzarzt zur 12. Missouri Infanterie und nahm hier unter anderem an der Schlacht von Chickasaw Bayou teil. Er war auch der Belagerung von Vicksburg dabei. Am 16. November 1863 erhielt Spiegelhalter seine Ernennung zum Regimentsarzt. Am 17. Oktober 1864 wurde er aus dem Militärdienst ausgemustert, nachdem seine reguläre Dienstzeit abgelaufen war. Dr. Spiegelhalter war Mitglied von mehr als einem Dutzend Vereinen und Organisationen in seiner neuen Heimat, darunter dem Verein Deutscher Ärzte, St. Louis Liederkranz, American Medical Association u.v.a.m. Joseph Spiegelhalter setzte seine Studien auch in Europa, darunter in Würzburg und Wien, erfolgreich fort. Nach dem Bürgerkrieg heiratete er 1867 in St. Louis die Deutsche Bertha Schmieding. Zehn Jahre später starb seine Frau und so schloss Joseph im November 1878 eine zweite Ehe mit Augusta Kayseron. Joseph Spiegelhalter starb hoch geehrt am 7. Juni 1907 in St. Louis, Missouri. Das Foto zeigt ihn als Oberstleutnant des 5. Missouri Freiwilligenregiment.

Edward Augustus Kutzner fungierte als Oberst des 39. Missouri Regimentes. 1809 in Pennsylvania als Sohn deutscher Einwanderer geboren, starb Kutzner am 17. Januar 1900 in Memphis Scotland County, Missouri.

Der Kommandant des 41. Missouri Infanterieregimentes war der ehemalige preußische Offizier und Teilnehmer der Revolution von 1848/49, Joseph Weydemeyer. Aufgrund seiner Freundschaft zu Karl Marx und seiner politischen Ansichten, die ihn schließlich in die Reihen der utopischen Kommunisten führten, wurde dieser bedeutende Offizier eines teilweise aus Deutschen bestehenden Missouriregimentes weitestgehend aus der Historiographie verdrängt. Joseph Weydemeyer starb kurz nach Kriegsende an einer Cholera Epidemie in St.Louis.

Joseph Arnold Wilhelm Weydemeyer kam am 2. Februar 1818 in Münster, Westfalen, als ältester Sohn von fünf Kindern des Regierungsbeamten Caspar Anton Theodor Weydemeyer und dessen Frau Wilhelmine, eine in England geborene Smiths, zur Welt. Von 1839 bis 1845 diente er als preußischer Artillerieoffizier. Anfangs als Secondeleutnant in der 7. Artilleriebrigade, 12. Fuß-Companie (seit 1824 1. Westfälisches Feldartillerie-Regiment Nr. 7 - Prinzessin Carl von Preußen) in Wesel, wurde er 1842 zur 5. Fuß-Companie nach Köln versetzt. Vermutlich kam der junge Weydemeyer in Köln mit den Agitatoren der aktiven Sozialisten und Kommunisten in Kontakt. Jedenfalls war er von den revolutionären Ideen begeistert und zeitlebens sollte er dafür streiten. 1845 wurde Weydemeyer unehrenhaft aus dem Armeedienst entlassen, nachdem er der Duellaufforderung eines Kameraden, der die Braut Weydemeyers beleidigt hatte, nicht nachkam. 1845 Redakteur der "Trier'schen Zeitung", 1846 / 47 Mitarbeiter des "Westfälischen Dampfbootes". 1847 wurde er Mitglied des Bundes der Kommunisten, 1848 / 49 Teilnahme an der Revolution. 1851 emigrierte Weydemeyer über die Schweiz in die U.S.A, wo er am 7. November im Hafen von New York ankam. Hier gab er ab 1852 die Wochenzeitung "Die Revolution" und verschieden Arbeiten von Marx und Engels heraus, mit denen er eng und freundschaftlich bis zum Tode verbunden war. Kurze Zeit später gründete er zusammen mit Friedrich A. Sorge (1828 - 1906) den Proletarierbund, 1853 folgte die Gründung des amerikanischen Arbeiterbundes, 1857 die Gründung des Kommunistischen Clubs. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente Weydemeyer als Oberst in der Westarmee. Seine militärische Karriere begann jedoch am 12. Oktober 1861 mit der Einmusterung als Oberstleutnant im 2. Artillerieregiment unter Oberst Almstedt. Hier leitete er selbständig und höchst effektiv Aktionen gegen irreguläre Einheiten der Südstaaten. Am 17. September 1864 übernahm Weydemeyer als Oberst das Kommando über das 41. Infanterieregiment aus Missouri. Drei Monate später wurde ihm der erste Unterbezirk von St. Louis unterstellt. Nach einem langen und kräftezehrenden Kriegsdienst konnte Weydemeyer schließlich am 11. Juli 1865 ehrenhaft ausgemustert werden. Nach dem Krieg arbeitete er fieberhaft an den Vorbereitungen zur Gründung der National Labor Union, bis er am 20. August 1866 an Cholera verstarb. Zwei Tage später titelte die "Illinois Staatszeitung" mit wenigen Worten: "Sie [Weydemeyers Taten] sichern ihm für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz unter den Vorkämpfern der Volksfreiheit." Die Aktivitäten dieses kompromisslosen Kommunisten mit humanistischen Visionen haben Joseph Weydemeyer völlig zu Unrecht weitestgehend aus der Historiographie der bürgerlichen Darstellungen verbannt. Joseph Weydemeyer hatte in den 1840er Jahre Louise Lüning, die Schwester eines befreundeten Arztes, geheiratet. Zwei Kinder gingen aus der Ehe hervor, die beide in Deutschland das Licht erblickt hatten. Sein Sohn Otto sollte 1877 die erste zusammengefasste Übersetzung des Werkes "Das Kapital" von Karl Marx in den Vereinigten Staaten herausbringen.
Literaturhinweis: Obermann, Karl, Joseph Weydemeyer: Ein Lebensbild 1818-1866, Berlin 1968.

Neben den Infanterieregimentern, welche sich zum großen Teil aus Deutschen zusammensetzten, meldeten sich weitere Landsleute in Kavallerie- und Artillerieregimentern von Missouri. Wenigstens sechs Artilleriebataillone und zwei Kavallerieregimenter bestanden weitestgehend aus eingewanderten Deutschen. Die Männer wurden im Wesentlichen auf den westlichen Kriegschauplatz eingesetzt, wo sie sich bald den Ruf als erfahrene Veteranen erkämpften. Ihr großer Verdienst bestand allerdings darin, Missouri als strategisch wichtigen Grenzstaat für die Union gesichert zu haben. Besonderen Ruf erwarb sich dabei die 1. Missouri Artillerie unter Major Franz Backhoff. Geboren wurde er am 28. November 1821 in einem kleinen Dorf in Baden (vermutlich Weschbach, kann jedoch nicht verifiziert werden). Im Alter von 21 Jahren kam er zur Artillerie und diente sich hier bis zum Wachtmeister hoch. Während der Revolution 1848/49 verweigerte er die Befehle seiner Vorgesetzten, auf die aufsässige Bevölkerung zu schießen. Statt dessen drehte er in Rastatt die Geschütze einfach um und eröffnete das Feuer auf das Militär. Aufgrund seiner ausgezeichneten militärischen Befähigung erhielt Backhoff den Rang eines Hauptmanns in der revolutionären Armee. Nach der Niederschlagung der bürgerlichen Bewegung geriet Backhoff in Gefangenschaft und entging mit nur einer Stimme seinem Todesurteil. Zwei Jahre saß er in Bruchsal, bis ihn der Großherzog unter der Bedingung, er müsse das Land verlassen, begnadigte. Franz Backhoff kam 1851 nach New York und schließlich nach St. Louis. In der Stadt arbeitete er als Bauunternehmer, ein Handwerk, das er bereits in seiner alten Heimat erlernt hatte. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges bot er sofort der Union seine Dienste an und er erhielt das Kommando über das neu errichtete Artilleriebattailion.

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Henry (Heinrich) Flad wurde am 30. Juli 1824 im badischen Rennhof geboren. An der Universität in München studierte er Ingenieurswesen und schloss im Jahre 1846 erfolgreich mit einer Prüfung ab. Kurze Zeit arbeitete der junge Ingenieur für die Regierung. Mit Ausbrich der Revolution 1848 schloß er sich sofort der Bewegung an und wurde Hauptmann einer Ingenieurkompanie. Nach der Niederschlagung der Revolution floh Flad nach Übersee, und betrat im Frühjahr 1849 in New York amerikanischen Boden. Mit seiner gründlichen Ausbildung in der alten Heimat fand Flad rasch Arbeit. Er arbeitete für verschiedene Eisenbahngesellschaften inn New York, Ohio und Mississippi. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges meldete sich Henry Flad bereits am 15. Juni 1861 als einfacher Soldat im 3. Infanterieregiment aus Missouri. Männer mit seinen Fähigkeiten wurden händeringend in der Armee gesucht, und so stieg Henry Flad schließlich am 16. Oktober 1863 zum Oberst des Engineer Regiment of the West auf. Die Einheit war Bestandteil des 25. Infanterieregimentes aus Missouri und sollte später als 1st Missouri Eng. USV bekannt werden. Am 12. November 1864 wurde Oberst Flad ehrenhaft in Nashville, Tennessee, ausgemustert. Nach dem Krieg machte Flad eine außergewöhnliche Karriere als Konstrukteur in St. Louis. Unter seiner Verantwortung entstand zwischen 1867 und 1874 die St. Louis bridge. In St. Louis wurde er mehrmals zum Präsidenten des Hoch- und Tiefbauamtes gewählt. Viele Jahre fungierte er als Präsident der Mississippi River Commission. Seine Name stand Jahrelange für ein Höchstmaß an Transparenz und sicherte ihm quasi die uneingeschränkte Sympathie in der Bevölkerung. Unermütlich bekämpfte er Nepotismus, wo er sich zeigte und ging unerbittlich gegen Lobbyismus vor. Heinrich Flad starb am 20. Juni 1898 in Pittsburg, Pennsylvania. Er hinterließ seine Wittwe Caroline, geborene Reichard, die ihn um 25 Jahre überlebte sowie drei Kinder.

Maximilian Rudolph Wilhelm von Grebe wurde am 4. August 1838 in Hildesheim geboren. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente er als Hauptmann der F Kompanie im 4. Missouri Kavallerieregiment. Grebe erhielt später aufgrund seines tapferen Verhaltens in der Schlacht von Jonesboro, Georgia (31. August 1864) vom Kongress die Tapferkeitsmedaille. Er starb am 24. Dezember 1916 in Kansas City, Missouri.

Literaturhinweis: Burns, William S., Recollections of the 4th Missouri Cavalry, Dayton, Ohio 1988.

Karl Wilhelm Asmussen, ehemaliger holsteiner Offizier, diente zunächst als Hauptmann in dem 5. Missouri Kavallerieregiment. Geboren wurde er am 31. Oktober 1830 in Kiel. Der Sohn eines ansässigen Professors erhielt sein Offizierspatent als Seconde-Leutnant im 3. Ingenieurkorps. Nach seiner Ankunft in Amerika arbeitete er als Geschäftsmann in Iowa.  Im April 1861 kommandierte er als Hauptmann eine Abteilung der 5. Missouri Kavallerie. Später stieg er bis zum Stabschef von General Oliver O. Howard auf. Asmussen wurde 1866 als Oberst (rückwirkend zum 13. März 1865) ehrenhaft entlassen und starb am 20. Januar 1872 infolge seiner Verwundungen während des Krieges.

[i] Diese Heimwehren entstammten den Bestrebungen der Kolonien, ihre Bevölkerung vor Indianerüberfällen zu schützen. Seit 1787 ist diese Art der militärischen Wehrhaftigkeit Bestandteil der Verfassung.

[ii] Die Turner hatten ihren Ursprung in den körperlichen Ertüchtigungen des Friedrich Jahn. Diese deutschen Vereinigungen erweiterten ihre physischen Aktivitäten in Amerika durch Agitation und kulturelle Beiträge.

[iii] Durch ein Brevet konnte ein höherer Titelrang verliehen werden, der allerdings nicht mit einer Erhöhung der Bezüge verbunden war. Der Inhaber besaß die entsprechenden Befugnisse, die ihm nach Kriegsende wieder entzogen wurden.

 

 

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