Deutsche Massachusetts Einheiten

 

 

Im Staate Massachusetts lebten nach der Volkszählung von 1860 9.961 gemeldete Deutsche. Fast 20 Prozent von ihnen meldeten sich bis April 1865 in den Regimentern des Staates. Wie in allen nordöstlichen Staaten der Union bildeten sich auch in Massachusetts keine separaten deutschen Regimenter. Im September 1861 rekrutierte sich das 20. Massachusetts Infanterieregiment in Readville. Dabei bestand die C Kompanie unter Hauptmann Ferdinand Dreher fast vollständig aus Deutschen. Dreher wurde bei Fredericksburg schwer verwundet und starb ein halbes Jahr später in einem Hospital. Das Regiment war als das Harvard Regiment bekannt, da ein überproportionaler Anteil an Intellektuellen die Kompanien füllte. Aus Schlesien stammte Jones Frankle, der nach seinem Universitätsabschluss in Breslau nach Amerika ausgewandert war und hier bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges als Lehrer für Fremdsprachen arbeitete. Im Sommer 1861 meldete er sich zur 17. Massachusetts Infanterie und stieg bis zum Major auf. Später übernahm er das 2. Schwere Massachusetts Artillerieregiment und wurde für seinen verdienstvollen Einsatz zum Brevet Brigadegeneral ernannt.

Ferdinand Dreher (1822 - 1863), ein Berufssoldat aus Baden und Teilnehmer an der Revolution von 1848/49, kam nach seiner Flucht aus einem Gefängniss in den 1850er Jahren nach Amerika. In Boston gehörte er dem "Bostoner Turnverein" an. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges organisierte Dreher eine aus deutschen Emigranten bestehende Kompanie, die später Teil des 20. Massachusetts Freiwilligen Regimentes werden sollte. Die meisten Soldaten der B- und C-Kompanie stammten aus Deutschland. Gut 16 % der Soldaten im 20. Massachusetts Regimentes waren in den deutschen Ländern geboren worden. Dreher kommandierte anfangs als Hauptmann die C-Kompanie und stieg später aufgrund des Prinzips der Seniorität zum Oberstleutnant im Regiment auf. Bei Ball's Bluff, Virgina, (21. und 22. Oktober 1861) wurde Hauptmann Dreher schwer verwundet und musste mehrere Monate rekonvalezieren. Später kehrte er zum Regiment zurück. Ferdinand Dreher war ein äußerst fähiger Offizier, der sich jedoch aufgrund seiner mangelhaften Englischkenntnisse und seines gewöhnungsbedürftigen Führungsstiles  insbesondere bei den angloamerikanischen Soldaten und Offizierten zunehmend unbeliebt machte. Im Dezember 1862 wurden Dreher bei Fredericksburg, Virginia, beide Beine durchschossen. Die Schussverletzungen sollten sich später im Hospital gefährlich entzünden, so dass die Ärzte ein Bein einschließlich des Oberschenkels amputieren mussten. Ferdinand Dreher erholte sich von seinen schweren Verletzungen nicht mehr. Er starb in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 1863 in einem föderierten Hospital. Sein Grabstein befindet sich noch heute auf dem Forest Hills Cemetery and Crematory, Suffolk County, Massachusetts.
Literaturhinweis: Miller, Richard F., Harvard's Civil War: a history of the Twentieth Massachusetts Volunteer Infantry, University Press of New England 2005.

 

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