Deutsche in Minnesotaeinheiten (UNION)

 

 

Der nordwestlichste Staat der Union, Minnesota, rekrutierte bis 1865 insgesamt 20.000 Soldaten. Dabei dienten in den elf Infanterieregimentern, vier Kavallerieregimentern und vier Artilleriebatterien etwa 2.700 deutsche Einwanderer. Sie verteilten sich dabei auf alle Regimenter und bildeten keine separaten Einheiten. Der Kommandeur des 5. Minnesota Infanterieregimentes war der Deutsche Rudolf von Borgersrode, der von April bis August 1862 das Regiment befehligte. Über ein Jahr stand Hauptmann Emil Münch an der Spitze der 1. Minnesota Leichten Artillerie. Einige der Männer wurden im  Grenzland zur Verteidigung der Siedler vor Indianerangriffen eingesetzt. Die meisten Regimenter marschierten jedoch nach Süden, um an den blutigen Schlachten in Virginia oder Tennessee partizipieren zu können. Der Oberstleutnant des 1. und später des 2. Minnesota Kavallerieregimentes hieß William Pfaender und war ein eingewanderter Deutscher. 

Geboren wurde er als Jakob Wilhelm Pfänder am 6. Juni 1826 als Sohn des Küblermeisters Jakob Andreas und dessen Frau Johanna Friederike in Heilbronn, im heutigen Baden-Württemberg. Über seine Schulbildung ist wenig bekannt, sie dürfte sich jedoch auf ein Minimum beschränkt haben. Mit Ausbruch der revolutionären Unruhen in Deutschland gehörte Wilhelm Pfänder zu den eifrigsten Mitstreitern der demokratischen Bewegungen. 1849 ist die Existenz von Wilhelm Pfänder in Cincinnati, Ohio, nachweisbar. 1856 kam er nach Minnesota. Hier gehörte er zu den Gründern der Stadt New Ulm (wurde 1854 von Deutschen gegründet, erhielt aber erst 1857 das "Stadtrecht") und war der erste Präsident der "Minnesota-German-Land-Association", einer Vereinigung, die aus dem Zusammenschluss der in New Ulm anssässigen deutschen "Chicago-Land-Society" und der von Pfänder initiierten "Turner-Colonization-Society-of-Cincinnati" hervorging. Weiterhin gehörte Pfänder zu den Begründern der Turnvereinigung in New Ulm. Ab 1860 betätigte er sich politisch und unterstützte die Präsidentschaftskandidatur Abraham Lincolns. 1861 erhielt Wilhelm Pfänder den Rang eines Oberleutnants in der 1. Minnesota Artillerie Batterie. Die Einheit kämpfte u.a. bei Shiloh. 1862 übernahm er den Posten des Oberstleutnants im 1. Minnesota Kavallerieregiment; später im 2. Kavallerieregiment. Die Einheit war zeitweise in Fort Ridgley, ein 1853 im südlichen Minnesota errichteter Außenposten der US-Armee, stationiert. Nach dem Krieg wurde Wilhelm Pfänder als Republikaner in den Senat von Minnesota gewählt. Von 1876 bis 1881 fungierte er als Schatzmeister von Minnesota. Mit seiner Frau Katharine Pfau hatte Wilhelm insgesamt 15 Kinder, von denen jedoch fünf im Kindesalter verstarben. Die Pfänders begründeten mit ihrer Familie eine weitverzweigte Familiendynastie und bereicherten die Gesellschaft in vielfältiger Weise, wie es tatsächlichen zahlreichen deutschen Einwanderern gelang. Jakob Wilhelm Pfänder verstarb am 11. August 1905 in New Ulm, Minnesota. Er gehörte zu den angesehendsten Bürgern von Minnesota. Einer seiner Brüder, Carl Heinrich (1819-1876), zählte zu den Weggefährten Karl Marx und zu den Begründern der internationalen Arbeiterbewegung.

Rudolf von Borgersrode wurde um das Jahr 1810 in Sachsen geboren. Wann er nach Amerika auswanderte ist hier nicht zu klären, lediglich lässt sich seine Existenz in Illinois bzw. Missouri im Jahr 1852 nachweisen. Zwischen 1852 und 1854 siedelte von Borgersrode mit seiner Familie nach Minnesota über. Am 2. Oktober 1861 verpflichtete er sich für 3 Jahre als 2. Leutnant im 4. Minnesota Regiment. Am 5. April 1862 schied er aus der Einheit und übernahm am 30. April des gleichen Jahres als Oberst das 5. Regiment. Bereits am 31. August 1862 schied von Borgersrode endgültig aus dem Militärdienst. Rudolf von Borgersrode starb am 19. März 1910 in McLeod County, Minnesota, wo er auch beerdigt wurde.

 

Albert Sieber wurde am 29. Februar 1844 als neuntes Kind der Familie Johann und Katharina Sieber in Mingolsheim, in der Nähe von Heidelberg, geboren. Als Junge kam er zusammen mit seiner Mutter nach Amerika. Am 3. März 1862 meldete sich Albert freiwillig zum Militär, wo er als private in der B Kompanie der 1. Infanterie aus Minnesota eingemustert wurde. Er nahm an den Halbinsel Feldzügen teil, kämpfte bei Antietam und Fredericksburg und wurde schließlich in der Schlacht von Gettysburg schwer verwundet (Ein Artilleriesplitter hatte ihn am Kopf verwundet und zu Boden gestreckt. Als er aufstehen wollte, traf ihn ein Miniè Geschoss am Knöchel, durchschlug sein rechtes Bein und trat an der Kniescheibe wieder aus). Nach seiner Rekonvaleszenz schloss er sich sofort dem 1. Veteranen - Reserve Regiment an und diente hier bis zu seiner Ausmusterung am 26. Oktober 1865. Nach dem Krieg ging er nach Kalifornien, später nach Nevada, um hier nach Silber zu schürfen. Besondere Verdienste erwarb Sieber als Armee Scout unter General George Crook während der Apachen Feldzüge in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts. "Al" Sieber kam am 19. Februar 1907 durch einen Unfall am Apachen Trail in Gila County, Arizona, ums Leben. Dutzende Bücher und Artikel sind bis zum heutigen Tag über ihn und sein Leben geschrieben worden. 1993 wurde der historischen Gestalt Albert Siebers durch die Verkörperung von Robert Duvall in der Hauptrolle des Filmes "Geronimo" ein bildgewaltiges und zugleich brutales Denkmal gesetzt. Die Aufnahme entstand im Jahre 1877 in Camp Verde, Arizona.

Literaturhinweis: Dan L. Thrapp, Al Sieber Chief of Scouts, University of Oklahoma Press, 1964.

Henning von Minden wurde am 30. Dezember 1826 im Herzogtum Schleswig geboren. Er erhielt eine gründliche Ausbildung in den Ingenieurwissenschaften und nahm später am Schleswig-Holstein-Krieg 1848 bis 1851 teil. Henning von Minden kam im November 1855 nach St. Paul, Minnesota. Männer mit seinen Fähigkeiten waren gesucht, und so erhielt Henning bereits im Jahr 1858 die Anstellung des Stadtvermessers von St. Paul. Mit Beginn des Bürgerkrieges beteiligte er sich an der Aufstellung des 1. Minnesota Kavallerieregimentes. Später diente er als Hauptmann der G-Kompanie im 5. Kavallerieregiment. Henning von Minden galt als äußert energischer, nahezu draufgängerischer Offizier und wurde daher verwundet und geriet entsprechend zweimal in Gefangenschaft. Im September 1864 erhielt er den Rang eines Majors im Unabhängigen Minnesota Kavallerie Bataillon; auch bekannt als Hatch's Bataillon. Später diente er im Stab General Alfred Sully's und wurde schließlich im Mai 1866 ehrenhaft ausgemustert. Nach dem Krieg kehrte Henning von Minden nach St. Paul zurück und arbeitete hier eine Zeitlang als Hauptbuchhalter in der Dawson & Co.'s Bank. Später erhielt er die Stelle des Chefkonstrukteurs in der Vermessungsbehörde der Stadt. Henning von Minden starb als angesehener und verdienstvoller Bürger der Stadt St. Paul am 25. Dezember 1871. Die Trauerveranstaltung fand zwei Tage später in der Deutsch-Lutheranischen Kirche an der Wabashaw Straße in St. Paul statt. Viele seiner ehemaligen Kriegskameraden und  eingewanderte Freunde der Deutschen Gesellschaft im Ort erwiesen Henning von Minden die letzte Ehre.

 


Emil Münch wurde am 12. Dezember 1832 in Halberstadt im Harz geboren. 1849 emigrierte Emil nach Amerika und ließ sich wenige Jahre später in Taylors Falls, Minnesota, nieder. 1857 kam er nach Chengwatana, Pine County, einer noch jungen Siedlung, die haupsächlich für Einwanderer erschlossen worden war. Bereits drei Jahre später wurde Münch in das Abgeordnetenhaus von Minnesota gewählt. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges hängte er seine politischen Aktivitäten an den Nagel und schloss sich am 16. Oktober 1861 der 1. Minnesota Artillerie Batterie an, dessen Hauptmann er einen Monat später werden sollte. Nachdem er in der Schlacht bei Shiloh, vom 6. und 7. April 1862, verwundet worden war, und sich die Strapazen der Feldzüge negativ auf seine körperliche Konstitution ausgewirkt hatten, musste Emil Münch den Dienst im Dezember 1862 quittieren. Nachdem seine Gesundheit wieder einigermaßen hergestellt war, diente er während der Indianerfeldzüge zwischen Mai und Juli 1863 in Minnesota. Schließlich fungierte Emil Münch bis zum Ende des Bürgerkrieges als Hauptmann im Veteran Reserve Corps. Seine Aufgaben bestanden nun in der Beaufsichtigung von Gefangenen und erschöpften sich in stupiden Wachdiensten in Camp Douglas, Illinois. Seine Bitte nach Wiedereinstellung als Offizier in der 1. Minnesota Schweren Artillery wurde noch kurz vor Kriegsende negativ beschieden. Nach Kriegsende ging Emil Münch nach St. Paul, wo er Bertha Seeger, ebenfalls aus Deutschland eingewandert, heiratete und eine Anstellung als stellvertretender Kämmerer (später als Kämmerer) der Stadt fand. Später betätigte er sich noch bis 1872 im lukrativen Holzgeschäft und betrieb eine Getreidemühle in der Nähe von Aften, Minnesota. Emil Münch starb am 30. August 1887. 

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