Deutsche New Yorker Einheiten

 

 

Den größten numerischen Beitrag für die militärische Verteidigung der Union leisteten die deutschen Einwanderer im Bundesstaat New York. Über 36.000 Soldaten waren hier deutscher Abstammung, wobei fast ein Drittel von ihnen in so genannten „Reindeutschen“ Regimentern diente. Die Aussage über die Existenz von exklusiven deutschen Regimentern in der Unionsarmee, wie sie gewöhnlich in der Geschichtsschreibung des frühen 20. Jahrhunderts immer wieder zu finden war, musste im Verlaufe einer intensiven Geschichtsaufarbeitung etwas relativiert werden. Behauptungen, es hätten während des Bürgerkrieges Regimenter gegeben, die sich nur aus Deutschen zusammensetzten, sind nicht mehr aufrecht zu erhalten. Insbesondere liefert der Bundesstaat New York viele Beispiele dafür, die präpotente Darstellung der Teilnahme der Deutschen in eigenen Regimentern zu entmythologisieren.

Nachweisbar dienten in elf Infanterieregimentern fast ausschließlich deutsche Einwanderer, wobei einige anfangs tatsächlich nur deutsche Namen in ihrer Stammrolle führten.[i] Weiterhin fanden sich unter den 193 Infanterieregimentern, die bis April 1865 in New York gebildet wurden wenigstens fünf Einheiten, die sich überwiegend aus Deutschen zusammensetzten. Bereits vor dem Bürgerkrieg hatten sich einige Milizregimenter gebildet, die im Wesentlichen die Verteidigungsbereitschaft des einzelnen Bundesstaates signalisieren sollten und ihre Ursprünge auf die Gründerzeit der Vereinigten Staaten zurückführen konnten.

Im Mai 1861 übernahm der deutsche Einwanderer Christian Schwarzwälder das Kommando über das 5. New Yorker Milizregiment. Die Einheit gehörte zu den 90 Tage – Einheiten und wurde in Anbetracht einer längeren Kriegsführung personell ständig umstrukturiert, um schließlich im Juli 1863 aus dem aktiven Dienst verabschiedet werden zu können. Christian Schwarzwälder wurde 1813 in Baden geboren. In New York arbeitete er als Holzhändler und war im Bankwesen tätig. Er starb hier 1888 und wurde auf dem Greenwood Cemetery beigesetzt. Der Befehlshaber der 11. New Yorker Nationalgarde hieß Joachim Maidhof, und war 1827 in Aschaffenburg geboren worden. In New York arbeitete er im Bekleidungsgeschäft. Vom Mai 1862 bis Juli 1863 (einschließlich der dienstzeitbedingten Unterbrechungen) kommandierte Maidhof diese Milizeinheit. Nach dem Krieg arbeitete er für die Ninth National Bank. Joachim Maidhof starb am 29. August 1906 in New York City.

Ludwig Burger wurde am 6. Februar 1821 in Kaiserslautern geboren. 1847 kam Burger nach New York, wo er eine Anstellung als Architekt fand. 1854 organisierte er die Ingenieurkompanie in der 5. Nationalgarde (Staatsmiliz), deren Hauptmann er wurde. 1855 avancierte Burger zum Major und 1861 zum Oberstleutnant. Diesen Rang behielt er mit Ausbruch des Bürgerkrieges. Im Juni 1863 erhielt er seine Beförderung zum Oberst und er wurde mit diesem Rang am 22. Juli 1863 ehrenhaft aus dem Militärdienst verabschiedet. Im Dezember 1865 wurde Burger zum Brigadegeneral der New York State Guard ernannt. Burger eröffnete nach dem Krieg zahlreiche Geschäfte, betätigte sich im Großhandel und konnte ein ansehnliches Vermögen erwirtschaften. Für zwei Wahlperioden hatte er das Amt des Präsidenten der "Liederkranz-Gesellschaft" inne. Aufgrund ständig anhaltender Herzbeschwerden reiste Burger im Dezember 1870 nach Florida, um sich dort zu erholen. Ludwig Burger starb am Nachmittag des 25. Mai 1871 an einem Herzinfakt in seiner Wohnung No. 103 in der Pineapple Street in Brooklyn, New York.

Bereits wenige Tage nach der Beschießung der Unionsfestung Fort Sumter, formierte sich das 7. New Yorker Freiwilligen Infanterieregiment, das später den Namen Steubenguard erhalten sollte. Der erste Kommandeur, Oberst John E. Bendix, war gebürtiger Amerikaner und verließ nach drei Monaten Dienstzeit das Regiment. Ihm folgte der Württemberger und Teilnehmer der Revolution von 1848, Eduard Ernst Reinhold Kapff, der 1810 in Güglingen, 15 Kilometer südwestlich von Heilbronn, geboren worden war. Kapff nahm am 8. Februar 1862 aufgrund von Herzbeschwerden seinen Abschied und reiste später zurück nach Deutschland. Er starb am 14. August 1869 in Stuttgart. Sein jüngerer Bruder, Sixtus Ludwig Kapff, diente als Leutnant im selben Regiment und starb im Alter von fast 60 Jahren als verdienstvoller Bürger am 20. Februar 1877 in New York. 

Im Februar 1862 übernahm schließlich der ehemalige preußische Offizier Georg von Schack das Kommando über das 7. NY Regiment. Von Schack hatte als Hauptmann im 1. Regiment der Königlichen preußischen Garde gedient und war der Sohn des Generals August von Schack. Auf Empfehlung des preußischen Konsuls Friedrich von Gerolt erhielt George von Schack eine adäquate Offiziersanstellung in der Unionsarmee. Unter ihm nahm das 7. New Yorker Regiment an einigen Gefechten und Schlachten teil, darunter auch Chancellorsville. Im Mai 1863 wurden die Soldaten in New York City ausgemustert. Ein Jahr später organisierte Oberst von Schack ein 7. New York Veteranen Regiment. Die Männer dienten dabei im II. Unionscorps und kamen ein letztes Mal während der Kapitulation der konföderierten Streitmacht bei Appomatox Court House, Virgina, im April 1865 zum Einsatz. Georg von Schack erhielt für seinen verdienstvollen Einsatz den Titularrang eines Brigadegenerals und führte die Veteranen der 7. NY Infanterie zur feierlichen Parade in New York am 4. August 1865.

Friedrich A. H. Gaebel stammte aus den Territorien des deutschen Bundes, wo er im Jahre 1824 geboren worden war. Gaebel diente in der preußischen Armee, bevor er nach Amerika auswanderte. Am 23. April 1861 meldete er sich im 7. New Yorker Freiwilligenregiment und wurde als Hauptmann der A-Kompanie eingemustert. Im Februar 1862 erhielt Gaebel seine Beförderung zum Major. Am 1. November 1862 wurde er schließlich zum Oberstleutnant befördert. Gaebel wurde in der Schlacht bei Fredericksburg am 13. Dezember 1862 verwundet. Am 8. Mai 1863 wurde er mit dem 7. Regiment in New York ausgemustert. Im November 1863 erhielt er den Rang eines Majors im Veteranen Reserve Corps des reorganisierten 7. New Yorker Regimentes. Am 10. Dezember 1864 wurde ihm das Brevet eines Oberstleutnants verliehen. Gaebel nahm am 4. Januar 1867 seinen Abschied. Er gehörte zweifellos zu den verdienstvollen aber leider auch nahezu unbekannten deutschen Teilnehmern im Amerikanischen Bürgerkrieg. Friedrich Gaebel starb bereits am 12. Dezember 1868.

Zeitgleich mit der Bildung der Steubenguard konnte auch das 8. NY Freiwilligen Regiment organisiert werden. Wesentlichen Anteil daran hatte der aus Worms stammende ehemalige Revolutionär Ludwig Blenker, dem im April 1861 das Kommando über die First German Rifles übertragen wurde. Ludwig Blenker konnte viele ehemalige europäische Berufssoldaten für das Regiment gewinnen, wodurch diesem bald eine elitäre Sonderstellung innerhalb der Unionsarmee erwachsen sollte.

Nach der ersten Schlacht am Bull Run vom 21. Juli 1861 avancierte Ludwig Blenker zum Brigadegeneral. Sein politischer Einfluss hatte bereits dazu geführt, dass er im Sommer 1861 eine eigene Brigade in einer Stärke von etwa 5.000 Soldaten befehligte. Kurze Zeit später stand er an der Spitze einer Division, die zu 90 Prozent aus eingewanderten Europäern bestand. Bei der Führung des multiethnischen Verbandes versagte jedoch General Blenker, so dass er im Juni 1862 das Kommando abgeben musste und seine Division vom I. Unionscorps unter dem gebürtigen Deutschen Franz Sigel übernommen wurde. Nachdem Blenker in der Kommandoebene aufgestiegen war, erhielt sein Vertrauter, der ehemalige ungarische Revolutionär Julius H. Stahel, die Befehlsgewalt über das 8. Regiment. Nachdem auch dieser zum Brigadegeneral avanciert war, stieg der um das Jahr 1822 in Wien, Österreich, geborene Anton Franz Wutschel am 12. November 1861 zum Oberst der First German Rifles auf. Wutsche hatte nie eine militärische Ausbildung erhalten, soll aber auf den Barrikaden von Wien für die Revolution gekämpft haben. In der Schlacht von Cross Keys am 8. Juni 1862 unterlief dem Österreicher dann ein verhängnisvoller Fehler: er befahl seinen Männern den Angriff, ohne dies mit dem Oberbefehlshaber General Julius Stahel abgesprochen zu haben. Das zu frühe Vorgehen des 8. Regimentes brachte die Armee der Nordstaaten in starke Bedrängnis und führte schließlich zu deren Niederlage. Ganze Kompanien des 8. Regimentes wurden aufgerieben. 53 Männer fielen, 27 weitere sollten an ihren Verwundungen Tage später sterben. Ihr Kommandeur, Oberst Wutschel, soll vom Alkohohl berauscht vom Pferd gestürzt und aus lauter Furcht liegen geblieben sein. Erst im Lazarett bemerkten die Sanitäter, dass der Kommandeur der 8. Infanterie völlig unverletzt war. Wutschel erhielt seine Entlassungspapier am 23. August 1862. Er arbeitete bis zu seinem Unfalltod im Jahre 1871 als Versicherungsagent in New York. Nur dem politischen Einfluss des preußischen Konsuls Gerolds und einer Scharmoffensive seiner jungen Frau Agnes hatte es der deutsche Prinz Felix Salm-Salm zu verdanken, im November 1862 an die Spitze des 8. Regimentes gestellt zu werden. Nahezu alle Kompanieoffiziere, darunter auch Gustav Struve, hatten sich dafür eingesetzt, den seit April 1861 im Regiment dienenden Oberstleutnant Carl B. Hedterich zum Regimentschef zu befördern. Selbst schriftliche Eingaben der Generale Stahel und Franz Sigel halfen nichts. Oberstleutnant Hedterich wurde trotz seiner Verdienste übergangen, Gustave Struve nahm enttäuscht seinen Abschied und der Prinz Salm-Salm kommandierte mit der Ernennungsurkunde des Gouverneurs Morgan offiziell ausgestattet die Einheit für ein halbes Jahr. Das 8. New York Regiment wurde nach einigen Reorganisationen bereits im April 1863 aufgelöst. In den Tagebuchaufzeichnungen der Prinzessin Salm-Salm finden sich sehr interessante Darstellungen zu den vorgenannten Vorgängen, die den ganzen Fall jedoch in einem völlig anderem Licht erscheinen lassen. Ihr zufolge handelte es sich bei Oberstleutnant Hedterich um einen durchaus tapferen Soldaten, jedoch gänzlich ohne Bildung und ohne die Befähigung, seine Untergebenen zu führen. Er soll sehr viel und oft getrunken und sich so nicht nur dem Spott der Soldaten unterzogen, sondern sich dadurch auf ihre Stufe begeben haben. Dies führte unweigerlich dazu, dass Hedterich jeden Respekt, den er von seinen Soldaten hätte einforden sollen, verspielte. All die vorgenannten negativen Eigenschaften des designierten Regimentskommandeurs Hedterich sollen dem Gouverneur Morgan bekannt gewesen sein und schließlich zu dessen Entscheidung geführt haben, den Prinzen Felix Salm-Salm zum Befehlshaber des 8. Regimentes zu ernennen. Oberst Leopold von Gilsa, Befehlshaber der 41. New Yorker Infanterie, erklärte stattdessen in einer Petition vom 6. November 1862 folgendes: "Solange ich den Oberst Lieutenant Hedterich kenne, hat er immer gezeigt, daß er im Stande ist, das Regiment zu commandieren [sic], und nach meinem Urtheile [sic] verdient er der Oberst dieses braven und tapferen Regimentes zu sein." Oberst von Gilsa war ein erklärter Feind des Prinzen Felix Salm-Salm, und er tat alles, um dessen Avancement auf die Oberstenstelle im 8. New Yorker Regiment zu verhindern.

Deutsche Einwanderer, die ihre Traditionen in den Turnervereinen von New York und New Jersey pflegten, meldeten sich im Mai 1861 zum 20. NY Freiwilligen Infanterieregiment. Der erste Kommandeur war der badische Offizier Max Weber. Er hatte sich den Revolutionären in Deutschland angeschlossen und musste wie viele andere nach 1849 seine Heimat verlassen. Im April 1862 avancierte Max Weber zum Brigadegeneral der Nordstaaten und der 41jährige österreichische Revolutionär und Glücksritter Franz Weiss übernahm bis zum 4. Juli 1862 das Kommando. Die Entlassungspapiere nennen gesundliche Gründe für das rasche Ausscheiden von Oberst Weiss. Wenige Tage später erhielt der schwedische Berufssoldat Baron Ernst Mathias von Vegesack das Kommando. Die United Turner Rifles dienten bis zur Ausmusterung im Juni 1863 im VI. Unionscorps. Das Regiment sollte nach Ablauf der Dienstzeit neu formiert und wieder an die Front geschickt werden. Befehlshaber der neu formierten Kompanien war der 1821 in Baden geborene Engelbert Schnepf. Tatsächlich konnten die Kompanien eines neu organisierten 20. Regimentes nicht vollständig hergestellt werden. Die Truppenteile verschmolzen daraufhin im Oktober 1863 im 16. New Yorker Kavallerieregiment. 

Offiziere des 20. New Yorker Regimentes.

Das als First German Rifles oder Astor Rifles bezeichnete 29. NY Freiwilligen Infanterieregiment bestand fast ausschließlich aus gebürtigen Deutschen. Der Kommandeur war der ehemalige preußische Leutnant Adolph von Steinwehr, der bereits am Krieg gegen Mexiko von 1846 – 1848 teilgenommen hatte.[ii]Von Steinwehr genoss hohes militärisches Ansehen und erhielt im Juli 1862 seine Beförderung zum Brigadegeneral der Freiwilligen. Ihm folgte im Kommando über das 29. Regiment Clemens Soest. Um das Jahr 1826 in Hannover geboren, wanderte er später nach Amerika aus. In Philadelphia fand er eine Anstellung als Ingenieur. Soest meldete sich mit Ausbruch des Bürgerkrieges sofort zur 29. New Yorker Infanterie. Hier stieg er schließlich im Juni 1862 zum Obersten auf. Bei Bull Run II verwundet, kommandierte Oberst Soest später mehrfach Brigadeverbände im XI. Unionscorps. Kranheitsbedingt nahm Oberst Clemens Soest schließlich im April 1863 seinen Abschied. Er starb 1884 in Harrisburg, Pennsylvania. Nach einer zweijährigen Dienstzeit wurde das 29. NY Regiment im Juni 1863 unter dem letzten Kommandeur Ludwig F. Hartmann ausgemustert. Von Juli bis September 1863 kommandierte der Deutsche Johann Gittermann die neu organisierten Astor Rifles, die jedoch nicht mehr eingemustert werden sollten. Gittermann diente bereits seit Beginn des Krieges in der Armee und war mehrfach verwundet worden. Er starb bereits im Frühjahr 1866 an den Folgen der schweren Kriegsverletzungen. Der Major des 29. Regimentes hieß Alexander von Schlümbach und war am 27. Februar 1833 in Ludwigsburg, wenige Kilometer nördlich von Stuttgart, geboren worden. Von Schlümbach hatte als Leutnant in Württembergischen Diensten gestanden. Später arbeitete er als Bierbrauer in Oberesslingen. Am 5. Juni 1852 verließ Alexander für immer seine Heimat und brach nach Nordamerika auf. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges meldete er sich im 29. New Yorker Freiwilligenregiment und diente hier bis März 1863. Nach dem Krieg ließ er sich als Farmer in Texas nieder und arbeitete ab 1891 als Kaufmann in einer Bierbrauerei in Clevenland; eine Tätigkeit, die er kurz vor seiner Auswanderung aus den deutschen Landen bereits ausgeübt hatte. Alexander von Schlümbach starb am 19. April 1895 in Cleveland und wurde auf dem Highland Hills, Cuyahoga County, Ohio, beerdigt. 

schluembach

Friedrich von Schlümbach kam am 27. Juni 1842 in Öhringen, etwa 30 Kilometer östlich von Heilbronn, als viertes Kind von Georg Christoph von Schlümbach und dessen Frau Adelheid von Graff, geborene Eggel, zur Welt. Der Vater war württembergischer Offizier und hatte die Witwe Adelheid im Jahre 1831 geheiratet. Sie brachte bereits vier Kinder aus erster Ehe mit in die neue Beziehung. Friedrich erhielt wie sein Bruder Alexander eine militärische Ausbildung und kam auf die Offiziersanstalt nach Ludwigsburg. Bereits am 28. November 1859 wurde er ohne Examen entlassen. Kurz entschlossen folgte Friedrich seinem Bruder Alexander und dem Halbbruder Wilhelm nach Amerika. Im Dezember 1859 verließ er die Heimat. Seine Mutter lag bereits im Sterben und nachdem er amerikanischen Boden betreten hatte, erreichte ihn die schmerzliche Nachricht vom Tod der geliebten Mutter. Anfangs kam Friedrich bei seinem Bruder in Philadelphia unter. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich sofort am 15. April 1861 zum Militär und erhielt bereits einen Monat später eine Kommandostelle als Leutnant der B-Kompanie im 29. New Yorker Regiment. Am 30. August 1862 geriet von Schlümbach bei Second Bull Run in Gefangenschaft und kam nach Libby Prison in Richmond. Nach einem Gefangenenaustausch nahm er bereits im Oktober 1862 seinen Abschied. Am 17. Juli 1863 trat er als einfacher Soldat in das 118. Regiment aus Pennsylvania ein. Schlümbach hatte sich im 29. New Yorker Regiment dem Vorwurf der Feigheit während seiner Gefangennahme auszusetzen, so dass eine Rückkehr in diese Einheit ausgeschlossen war. Im 118. Pennsylvania Regiment kam er verstärkt mit dem christlichen Glauben in Kontakt. Diese Erfahrungen im Krieg sollten schließlich dazu führen, dass Friedrich von Schlümbach nach Kriegsende engagiert als evangelischer Prediger sein Leben gestaltete. Er genoss hohes gesellschaftliches Ansehen und setze sich aktiv für die Jugendförderung ein. Er war zweimal verheiratet und hatte mehrere Kinder aus beiden Ehen. Die deutschen Gemeinden in Amerika hatten seinem Wirken viel zu verdanken. Friedrich von Schlümbach starb am 28. Mai 1901 in einem Clevelander Krankenhaus an Herzversagen. Sein Tod wurde von zahllosen Freunden und Verehrern in Amerika und Deutschland tief betrauert. 
Literaturhinweis: Hahn-Bruckart, Thomas, Friedrich von Schlümbach. Erweckungsprediger zwischen Deutschland und Amerika, Göttingen 2011.

Der preußische Offizier und Teilnehmer des Schleswig – Holstein Krieges, Leopold von Gilsa, befehligte das 41. New Yorker Freiwilligen Infanterieregiment, welches im Juni 1861 für die Dauer von drei Jahre eingemustert worden war. Die Einheit bestand fast vollständig aus ehemaligen europäischen Berufssoldaten. In der Übernahme der Bezeichnung „deKalb Regiment“[iii] sollte bewusst auf Parallelen zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und der Teilnahme deutscher Offiziere hingewiesen werden. Nach einem bemerkenswerten Einsatz während des Bürgerkrieges lief im Dezember 1865 auch für die letzten Soldaten des „deKalb“ Regimentes die Dienstzeit ab.

gilsa

Leopold Carl Wilhelm Hans Bogislaw von Gilsa wurde am 15. August 1824 in Erfurt (heute Thüringen; war von 1802 bis 1945 - mit Ausnahme von 1806 bis 1816 - preußisch) geboren. Er erhielt eine strenge militärische Ausbildung und kam anschließend in das Regiment seines Stiefvaters, Carl Ludwig Freiherr von Schweinberg. Am 14. Oktober 1841 wurde Leopold vom Portepee-Fähnrich zum Seconde Lieutenant im 4. Infanterieregiment befördert. Im Februar 1850 nahm er seinen Abschied von seinem Armeedienst im süddeutschen Raum. Von Gilsa hatte bis dahin im 31. Thüringischen Infanterieregiment gedient und war insbesondere wegen seiner deftigen Streiche negativ aufgefallen. Als preußischer Offizier wurde er trotz dessen mit guten Zeugnissen versehen und diente vom Juli 1850 bis zum 31. März 1851 in der Schleswig - Holstein Armee. Kurze Zeit später emigrierte von Gilsa nach Amerika, wo er sich in New York als Klavierspieler in diversen Kneipen über Wasser hielt und aufgrund seiner guten Stimme tatsächlich einige Arrangements hatte. Als Aufwärter eines Handelshauses musste von Gilsa die Lagerräume durchfegen und für Ordnung sorgen. Von Gilsa diente als Oberst des 41. New Yorker Regiment, dessen Kommandeur er am 6. Juni 1861 wurde. In der Schlacht bei Cross Keys im Juni 1862 wurde von Gilsa am Bein verwundet. Von September 1862 bis Januar 1863 kommandierte er die 1. Brigade der 1. Division im XI. Unionscorps. Später wurde sein Kommando nach South Carolina verlegt. Am 27. Juni 1864 wurde von Gilsa im Rang eines Obersten ehrenvoll ausgemustert. Am 12. Januar 1865 erfolgte seine erneute Ernennung zum Oberst des 191. Regimentes aus New York, in welchem jedoch nur 2 Kompanien eingemustert werden konnten. Die Einheiten wurden nicht mehr eingesetzt. Trotz vorbildlichem Kriegsdienst gab es für von Gilsa keine Beförderung. Vermutlich spielten sein temperamentvolles Auftreten und seine Renitenz Vorgesetzen gegenüber eine entscheidende Rolle im Ränkespiel der US-amerikanischen Generalität. Von Gilsa galt als "außerordentlich arrogant und grob", wie die Prinzessin Agnes Salm-Salm in ihren Erinnerungen zu berichten wußte. Immer wieder kam es zu persönlichen Auseinandersetzungen dem Prinzen Salm-Salm, der mittlerweile trotz des Widerstandes von Gilsa zum Kommandeur des 8. New Yorker Regimentes ernannt worden war. Dem temperamentvollen und leicht aufbrausenden von Gilsa war der zurückhaltende Prinz Felix nicht gewachsen. Jahre nach dem Tod von Gilsa erschienen die Tagebuchaufzeichnugen der Prinzessinn Agnes Salm-Salm. Hier erfuhr der erstaunte Leser, dass sie es wohl gewesen war, die persönlich bei Präsident Lincoln dafür gesorgt hatte, dass Leopold von Gilsa trotz vorbildlichen Kriegsdienstes niemals befördert werden sollte. Die Prinzessin Agnes war trotz ihres jugendlichen Alters eine nicht zu unterschätzende Gegnerin all jener, die den Aufstieg ihres Mannes zu verhindern suchten. Nicht ganz ohne Boshaftigkeit und Arroganz schloss sie in ihren Aufzeichnungen das Kapitel über von Gilsa mit den Worten: "Trotzdem daß Gilsa ein fähiger Offizier war, blieb er stets Oberst, und es wurde dafür gesorgt, daß er erfuhr, wem und welchen Umständen er diese Zurücksetzung verdankte." Leopold von Gilsa starb in den frühen Morgenstunden des 1. März 1870 in New York City in seiner Wohnung No. 226 East, 21. Straße in Vergessenheit. Wenige Tage später wurde Leopold von Gilsa auf dem Green-Wood-Cemetery, Kings County, Brooklyn, New York, beigesetzt.

Literaturhinweis: Martin, David G., Carl Bornemann's Regiment: The Forthy-First New York Infantry (deKalb) in the Civil War, Hightstown, N.J., 1987.


Daniel C. Wasserbach wurde 1839 in den Ländern des Deutschen Bundes geboren. Er schrieb sich im April 1862 im 41. New Yorker Regiment ein und wurde im Oktober des gleichen Jahres zum Hauptmann der C Kompanie befördert. Durch die strapaziösen Feldzüge geschwächt, starb Hauptmann Wasserbach bereits am 24. Oktober 1863 auf Folly Island, South Carolina.

Einwanderer aus Norddeutschland meldeten sich im 45. New Yorker Freiwilligen Regiment, welches im September 1861 unter Oberst George von Amsberg für drei Jahre zum Dienst verpflichtet werden konnte. Anfangs diente das „Plattdeutsche“ Regiment oder Fifth German Rifles in der Division unter General Blenker. Von Amsberg hatte seinen Kriegsdienst im Mai 1861 in der 5. New Yorker Staatsmiliz begonnen. Nach einem sehr verdienstvollem Einsatz während des Bürgerkrieges verließ auch er ohne Beförderung im Januar 1864 das US-Heer. Nach zahlreichen Schlachten, darunter Chancellorsville und Gettysburg, konnten die Veteranen unter Oberstleutnant Adolph Dobke im Juni 1865 aus dem Kriegsdienst entlassen werden.

 

Adolph Dobke (1821 - 1904) stammte aus den Territorien des Deutschen Bundes. Vor dem Krieg arbeitete er als Polizist und Angestellter. Im Bürgerkrieg befehligte er ab Januar 1864 als Oberst das 45. New Yorker Regiment. Eingeschrieben hatte sich Dobke bereits am 2. September 1861 als Hauptmann der D-Kompanie im Regiment. Bei Bull Run II durch eine Granate verwundet, stieg er rasch in der militärischen Hierarchie des 45. Regimentes auf. Adolph Dobke wurde am 1. Oktober 1865 ehrenhaft aus dem Militärdienst ausgemustert. Dobke starb am 29. März 1904 in Jersey City, NJ.

 

Auch das 46. New Yorker Freiwilligen Regiment bestand fast ausschließlich aus eingewanderten Deutschen. Es wurde zeitgleich mit dem 45. Regiment in New York City eingemustert. Als Oberst übernahm der ehemalige preußische Offizier und 48er Rudolph von Rosa das Kommando über die Fremont Rifles. Allerdings marschierte das Regiment nach Süden und kämpfte auf verschiedenen Kriegsschauplätzen in Georgia. Nach einer schweren Verletzung des Kommandeurs bei Second Bull Run übernahm im Dezember 1862 der ehemalige Revolutionär Joseph Gerhardt das 46. New York Infanterieregiment und befehligte es bis zu seiner ehrenhaften Ausmusterung im November 1863. Joseph Gerhardt erhielt mit Kriegsende das brevet eines Brigadegenerals. Auch Ernst Wilhelm Gerhardt (am 15. Oktober 1842 in Bonn geboren), ein Sohn von Joseph Gerhardt aus erster Ehe, diente im 46. Regiment. Ernst schied als Hauptmann aus dem Dienst, diente später im 35. U.S. Infanterieregiment und starb am 3. Dezember 1883 in Fort Worth, Texas. Georg W. Travers führte die Einheit nach dem Abschied von Joseph Gerhardt.

                                                                                                                                                                       

Georg W. Travers (1827 - 1905) aus Kurhessen, inmitten seiner Offiziere (und rechts im Detail) im Frühjahr 1864. Am 29. Juli 1861 meldete sich Travers im 46. New Yorker Regiment und übernahm sofort als Hauptmann die A-Kompanie. Travers stieg im November 1863 zum Oberst des 46. New Yorker Regimentes auf. Im Juni 1864 kommandierte er nur für kurze Zeit die 2. Brigade der 3. Division im IX. Corps der Potomacarmee. Bei Petersburg wurde Travers am 18. Juni 1864 schwer verwundet. Am 15. Oktober 1864 erfolgte seine ehrenhafte Ausmusterung aus dem Armeedienst. Bis zu seinem Tod behielt er eine Gewehrkugel aus der Schlacht um Petersburg zwischen seinen Rippen. Travers lebte abwechselnd in Hoboken, Hudson Co., New Jersey, New York City und Wiesbaden. Er betätigte sich nach dem Krieg als Händler an der Bloomfield Street in Hoboken und kehrte 1880 endgültig mit seiner Frau Elisabeth nach Deutschland zurück. Er starb am 27. Januar 1905 in Wiesbaden. Bis zu seinem Tod wurde ihm eine monatliche Invalidenrente in Höhe von 12 Dollar an seine Adresse Adelheidstraße 4 in Wiesbaden geschickt. 

Rechts neben Travers (und links im Detail) sitzt Hauptmann Alphons Servière (1839-1900), ein ehemaliger preußischer Offizier dessen Wurzeln in Frankreich (Hugenotte) liegen und der in Berlin am 4. November 1839 geboren worden war. Er diente bis zum 14. September 1864 im 46. New York Regiment und schied aufgrund anhaltender Magenbeschwerden aus dem Dienst. Dienstberichte verfasste er stets in Deutsch, wie es im Regiment üblich war. Nach dem Krieg ging Alphons nach Philadelphia und heiratete hier Anna Fonberg. Mit ihr hatte er zwei Töchter. Seine Frau starb 1876 bei der Geburt des zweiten Kindes in Kansas. Zwei Jahre später heiratete Alphons Servière die 17 Jahre jüngere, aus Pilsen in Böhmen gebürtige Clara Blecha. Sie schenkte ihrem Mann weitere vier Kinder. Aus gesundheitlichen Gründen und dem Rat der Ärzte folgend, zog die Familie in wärmere Gebiete: nach Texas. Alphons Servière starb am 26. Mai 1900 in Needville, Fort Bend County, Texas und wurde auf dem Old Methodist Cemetery beigesetzt. Seine Witwe Clara erhielt Anfangs eine Witwenrente i.H.v. $8, ein Betrag, der nach und nach auf $40 erhöht werden sollte. Clara starb im August 1946 im Haus ihrer Tochter Elisabeth in Beeville, Texas.

 

Theodore Hohle wurde 1828 in den Gebieten des Deutschen Bundes geboren. Am 29. Juli 1861 meldete er sich als 2. Leutnant in der A-Kompanie des 46. New Yorker Regimentes. Im September 1861 wurde er zum Hauptmann und am 5. Januar 1863 zum Major im 46. Regiment befördert. Theodore Hohle starb nach kurzer Krankheit an Typhus und Diarrhöe am 5. September 1863 in Cincinnati.



   

Germain Franz Metternich wurde am 5. April 1811 als Sohn des Universitätsprofessors Mathias Metternich in Mainz geboren. Nachdem er anfangs eine militärische Laufbahn eingeschlagen und in der Artillerie des Großherzogtums Hessen gedient hatte, engagierte er sich in den 1830er Jahren an den deutschen Demokratiebewegungen. Seine politischen Aktivitäten führten schließlich zur Beendigung seiner militärischen Karriere als Offizier im 3. hessischen Infanterieregiment. 1832 gehörte er zur Mainzer Abordnung und nahm am Hambacher Fest teil. Metternich schlug sich nach seiner Entlassung als Maler, Schriftsteller und Souffleur durch, da ihm aufgrund seiner politischen Ausrichtung überall eine Festanstellung verwehrt wurde. In diese Zeit fallen auch seine ersten Kontakte zu den Turnern. Während der Revolution 1848/49 gehörte Metternich zu den führenden Persönlichkeiten. Er vertrat den radikalen Flügel der Insurgenten und kämpfte unter Franz Sigel in Baden und zählte zu den verbissenen Kämpfern während der militärischen Auseinandersetzungen in Frankfurt. 1850 emigrierte er in die Vereingten Staaten, wo er sich in New York niederließ. Hier gründete er den "Socialistischen Turnverein von New York" und gehörte zu den einflussreichsten 48ern, die in den U.S.A. eine neue Heimat gefunden hatten. Mit Beginn des Bürgerkrieges meldete sich Metternich im 46. New Yorker Regiment und erhielt den Posten des Oberstleutnants. Während der Stationierung des Regimentes auf der Atlantikinsel Tybee, South Carolina, kam es am 12. Mai 1862 zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen irischen Soldaten des 28. Massachusetts Regimentes und Soldaten aus dem 46. New Yorker Regiment. Oberstleutnant Metternich versuchte einzugreifen und wurde dabei versehentlich von einem Wachposten mit dem Bajonett am Hals verletzt. Germain Metternich starb am 13. Mai 1862 an seiner Stichverletzung. Mit dem Tag seines Todes erhielt die Witwe Marie Elisabeth Metternich eine monatliche Rente in Höhe von 30 Dollar. Die Abbildung links zeigt ihn während der Revolution 1848, rechts ist er als Oberstleutnant im Jahr 1861 abgelichtet. Germain Metternich war Mitglied des Bundes der Kommunisten.
Literaturhinweis: Mettendorf, Ernst, Zwischen Triumph und Desaster. Ein deutsches Regiment im amerikanischen Bürgerkrieg. Die Geschichte des 46. New Yorker Regiments, 1861 bis 1865, im Selbstverlag, New York 2008.

Im November 1861 formierten sich zehn Kompanien des 52. New Yorker Freiwilligen Regimentes, welches später die Bezeichnung Sigel Rifles erhielt. Der Kommandeur der Einheit, Oberst Paul Frank, stammte aus Sachsen und konnte in New York zahlreiche Freiwillige aus Deutschland für das Regiment werben. Frank diente mit Beginn des Krieges als Adjutant in der 5. New Yorker Miliz. Bei Chancellorsville wurde er verwundet und schied schließlich im November 1864 aus dem aktivem Dienst. Für seinen verdienstvollen Einsatz wurde Paul Frank mit dem brevet Rang eines Brigadegenerals belohnt. Das 52. Regiment diente den gesamten Bürgerkrieg hindurch und erwarb sich aufgrund der hohen Verluste den Ruf eines Fighting Regiments. Im Juli 1865 wurden sie Soldaten in Alexandria, Va., ehrenvoll aus dem Dienst verabschiedet.

Heinrich Paul Ritzius wurde 1840 im hessischen Marburg geboren. Im Mai 1861 meldete er sich für drei Monate als private in der 5. New Yorker Staatsmiliz. Nach Ablauf der Dienstzeit verpflichtete sich Ritzius als Hauptfeldwebel der G Kompanie im 52. New Yorker Regiment. Im Juni 1862 erfolgte seine Beförderung zum Leutnant, am 23. Oktober 1863 wurde er zum Hauptmann ernannt. Mit Beendigung seiner Dienstzeit im August 1864, folgte zwei Monate später seine Ernennung zum Major im reorganisierten 52. Regiment. Zeitgleich schrieb sich sein drei Jahre jüngere Bruder Friedrich als private im 52. New Yorker ein. Am 1. Juli 1865 wurde Major Ritzius ehrenvoll aus dem Armeedienst entlassen. Nach dem Krieg diente Ritzius mit der entsprechenden Rückstufung seines Dienstgrades (Oberleutnant) in der regulären Armee (25. Infanterieregiment) und trat am 2. März 1899 im Rang eines Majors in den Ruhestand. Er starb 1923 in Beersheba Springs, Tennessee.

Karl Gottfried Freudenberg wurde am 1. Mai 1833 in Heidelberg geboren. Nach seiner Teilnahme an der Revolution 1848 / 49, in welcher er als junger Kadett der Karlsruher Akademie auf den Barrikaden von Mannheim gekämpfte hatte, emigrierte er in die U.S.A. Am 3. August 1861 schrieb sich Freudenberg als Hauptmann der A Kompanie im 52. Regiment aus New York ein. Im November 1862 erfolgte seine Beförderung zum Oberstleutnant. In der Schlacht von Gettysburg wurde Oberstleutnant Freudenberg schwer verwundet. Aufgrund seines verdienstvollen Einsatzes während des Krieges, erhielt Freudenberg am 13. März 1865 das brevet eines Obersten der Freiwilligen. Am 9. März 1866 wurde er ehrenvoll aus dem Dienst entlassen. Vier Monate später meldete er sich als Hauptmann der regulären Armee in der 28. Infanterie. Karl G. Freudenberg schied 1870 aus dem aktiven Dienst und erhielt am 3. März 1877 rückwirkend seine Ernennung zum Oberstleutnant in der regulären Armee. Er starb am 28. August 1885 in Washington D.C..

Karl J. Kronmeyer (1835 - 1897) stammte aus den Territorien im Deutschen Bund. Er diente als Hauptmann der C - Kompanie im 52. New York Regiment. Kurz nach der Schlacht von Chancellorsville wurde Kronmeyer unter Arrest genommen, nachdem er vor den anstürmenden Rebellen unter Zurücklassung seines Schwertes geflohen war. Während der Feldzüge in der Wilderness im Mai 1864, wurde Kronmeyer durch einen Schuss im rechten Bein verwundet und gefangen genommen. Im März 1865 konnte er ausgetauscht werden. Karl Kronmeyer starb am 5. Juni 1897 in Jersey City, New Jersey, wo er auf dem Flower Hill Cemetery, North Bergen, beerdigt wurde.

 

Der ehemalige ungarische Revolutionär Eugene A. Kozlay stellte im Oktober 1861 das 54. New Yorker Freiwilligen Regiment auf, in dem sich hauptsächlich deutsche Einwanderer eingeschrieben hatten. Die Einheit, welche auch als Schwarze Jäger[iv] bekannt war, diente wie einige andere ethnische Verbände anfangs in der Division Blenker. Einer der bekanntesten Offiziere war der 1835 in Preußen geborene Adolph H. von Lüttwitz. Von Lüttwitz gehörte zu den typischen Abenteureren und Berufssoldaten, die ihre Dienste den Armeen der damals kriegführenden Herrschern anboten. Anfangs diente er in der preußischen Artillerie und kam später zum österreichischen Heer. 1859 schloß sich der junge von Lüttwitz der Heerschar unter Garibaldi an und erreichte mit dem auch Sizilien. Mit Ausbruch des  Amerikanischen Bürgerkrieges reiste er nach Übersee und erhielt eine Einmusterung als Hauptmann im 54. New Yorker Freiwilligenregiment. Nur wenig später kommandierte er die Pionierkompanie des Regimentes. Zwei Jahre später fungierte von Lüttwitz als Adjutant im Generalstab von General Schimmelpfennig. Adolph von Lüttwitz trat mit Kriegsende als Leutnant in das 3. US Kavallerieregiment ein und beteiligte sich an den nun folgenden Indianerkriegen. Hier verlor er ein Bein und er wurde daraufhin im Jahre 1879 als Hauptmann in den Ruhestand versetzt. Adolph von Lüttwitz starb Anfang 1887 in Washington D.C. Er hatte keine Verwandten in den U.S.A., so dass seine in Szrodka, Posen, lebende Schwester Frau von Sarazin, lapidar telegraphierte, sein Leichnam sei auf dem Soldatenfriedhof von Washington beizusetzen. Daraufhin wurden die Kosten vom Kriegsdepartment übernommen. Nach einem verdienstvollen Einsatz konnten schließlich die letzten Soldaten des 54. Regimentes im April 1866 aus dem Dienst entlassen werden.

Eduard Wertheimer wurde 1836 in Tutschap (Böhmen), dem heutigen Tucapy in Tschechien geboren. Vor seiner Ankunft in Amerika im Jahre 1861 diente er als Zahlmeister in der österreichischen Armee. Im Amerikanischen Bürgerkrieg stieg er 1863 zum Kompaniechef im 54. New Yorker Regiment auf. Während der zweiten Schlacht am Bull Run ergriff Wertheiner die Regimentsfahne und trug sie todesmutig seinen Soldaten voran. Nach dem Krieg arbeitete er in einem Planungsbüro für Dampfschifffahrt. Eduard Wertheimer starb am 16. April 1897 in New York

Im März 1862 rekrutierte sich ein letztes Regiment in New York, welches hauptsächlich aus Deutschen bestand. Baron Friedrich von Egloffstein erhielt das Kommando über das 103. New Yorker Freiwilligen Regiment, das später als Seward Infantry bekannt wurde. Das Regiment nahm dabei seinen Platz im IX. Unionscorps ein und kam auf dem östlichen Kriegsschauplatz in Virginia zum Einsatz. Baron von Egloffstein schied bereits im September 1862 aufgrund einer Verletzung und des Intrigenspiels einiger seiner subalternen Offiziere, hier federführend der 35jährige Oberstleutnant Julius C. Kretschmar, aus dem Regiment. Major Benjamin Ringold wurde daraufhin die Befehlsgewalt übertragen. Im Mai 1863 fiel der kommandierende Offizier Ringold, so dass der aus Dresden stammende Künstler und Teilnehmer der Revolution von 1848/49 Wilhelm Heine an die Spitze der Seward Infantry gestellt wurde. Nach schweren Verlusten erhielten die Veteranen der 103. Infanterie im Dezember 1865 in City Point, Va., ihre Entlassungspapiere.

ringold

Benjamin Ringold wurde am 6. Juni 1828 im württembergischen Dußlingen, gut 10 Kilometer südlich von Tübingen, geboren. Am 4. Januar 1862 wurde er zum Hauptmann der A-Kompanie im 103. New Yorker Regiment ernannt. Bereits am 15. September desselben Jahres führte er als Oberst das Regiment. In der Schlacht bei Suffolk, Virginia, erhielt er am 3. Mai 1863 eine tödliche Schußverletzung in der Brust, an der Oberst Ringold wenige Stunden später verstarb. Am 13. Mai erfolgte seine feierliche militärische Beisetzung auf dem Friedhof Greenwood, wobei sich unter seinen Sargträgern und den Trauergästen auch der Prinz Felix Salm-Salm, Oberst Joachim Maidhof, Oberst Georg von Schack und Oberst Ludwig Burger befanden, dessen 5. Staatsregiment auch an den militärischen Ehrenbezeugungen beteiligt war.

Oberst Bernhard Peter Wilhelm Heine inmitten deutscher Offiziere vom 103. Regiment aus New York. Heine war Schriftsteller und Maler und stammte aus Dresden. Nach dem Krieg verließ er die USA und starb 1885 in der Nähe von Dresden.

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wilhelm heine

Bernhard Peter Wilhelm Heine kam am 30. Januar 1827 in Dresden als Sohn des Schauspielers Ferdinand Heine und dessen Frau Wilhelmine, geborene Rublack, zur Welt. 1832 folgte ein weiteres Kind, die Tochter Marie. Wilhelm wuchs unter der liebevollen Fürsorge und Förderung seiner Mutter und mit den Begabungen des Vaters ausgestattet zu einem intelligenten und selbstbewußten jungen Mann heran. In Dresden besuchte er eine Privatschule, später ging er zum vertiefenden Kunststudium nach Paris. Er entwickelte ein außergewöhnliches Zeichentalent, das ihm später in Amerika von ganz besonderem Nutzen werden sollte. Nachdem die Revolution in Deutschland um sich gegriffen hatte, kehrte Heine nach Dresden zurück und schloss sich hier den Insurgenten an. Mit der Niederschlagung der Bewegung flüchtete Heine nach Frankreich und schiffte sich hier schließlich im Herbst 1849 mit seinem Freund Friedrich Gerstäcker, dem späteren Reiseschriftsteller, nach Amerika ein. Im November landeten die beiden in New York. Sein erster Anlaufpunkt waren die deutschen Gemeinden und Kommunen in- und außerhalb der Stadt. Kurze Zeit später eröffnete Heine gemeinsam mit einem Freund eine Kunstschule am Broadway Nr. 515. Dadurch wurde seine Einstieg in die kulturelle und intellektuelle Welt in der neuen Heimat spürbar erleichtert. Im Mai 1851 unternahm Heine seine ersten Reiseausflüge nach Mittelamerika, unterstützt vom einflußreichen Diplomaten Ephraim G. Squier. Höhepunkt seiner beruflichen Karriere stellte jedoch die militärische Expedition unter Commodore Matthew C. Perry im Jahre 1853 nach Japan dar, die schlußendlich die Isolation der Insel beenden und Handelsbeziehungen eröffnen sollte. Heine hat zahlreiche Bildzeugnisse dieser denkwürdigen Unternehmung hinterlassen. Mehrere umfangreiche Veröffentlichungen, darunter "Japan und seine Bewohner", Leipzig 1860, folgten. 1858 heiratete Heine die drei Jahre ältere Catherine Whetton Sedgwick, eine Tochter aus gutem Hause einer angesehenen amerikanischen Familie. Am 8. November 1859 wurde dem jungen Ehepaar eine Tochter, Katherine, in Berlin geboren. Nur wenige Tage später, am 22. November, starb Heines Frau an Entkräftung. Der Tod der geliebten Frau drohte dem hinterbliebenen Wilhelm fast den Verstand zu rauben. Doch dann keimte schließlich wieder Hoffnung in dem einst so unternehmungslustigen und nun so verzweifelten Heine auf: 1860 nahm Heine auf Einladung einer preußischen Expeditionsleitung an der Reise nach Ostasien teil. Wieder fertigte der Künstler Heine zahlreiche Bilder und Holzschnitte an. In Japan erfuhr Wilhelm Heine vom Ausbruch des Bürgerkrieges in Amerika. Heine entschloss sich, in seine Wahlheimat zu reisen und der Regierung seine Dienste anzubieten. Seinem politischen Einfluss war es zu verdanken, dass er im Dezember 1861 eine Anstellung als Hauptmann im topographischen Corps General Kearnys fand. Heine wurde im Gefecht verwundet und geriet in Gefangenschaft. Er kam in das berüchtigte Libby Gefängnis, konnte aber im August 1862 ausgetauscht werden. Heine reiste zur Wiederherstellung seiner angeschlagenen Gesundheit im Dezember 1862 zurück nach Deutschland. Ende März des darauffolgenden Jahres fühlte er sich wieder körperlich gesund und reiste erneut nach Übersee. Bereits im Sommer 1863 übernahm er als Oberst das 103. Infanterieregiment aus New York. Die Einheit unter Heine beteiligte sich am Halbinselfeldzug auf Folly Island und nahm an der Belagerung von Petersburg teil. Wilhelm Heine, von hünenhafter Gestalt, über einen Meter neunzig groß, genoß trotz fehlender militärischer Kenntnisse den Respekt und das Vertrauen seiner Untergebenen. Oberst Wilhelm Heine, der Kommandeur der Seward Infantry, gehörte zur militärischen Eskorte, die den Leichnam Abraham Lincolns nach dessen Ermordung zu Grabe trug. Am 13. März 1865 erhielt Heine das brevet eines Brigadegenerals. 1871 kehrte Heine endgültig nach Deutschland zurück, wo er sich anfangs in Dresden niederließ. Hier verfasste er sein letztes Buch: "Japan, Beiträge zur Kenntnis des Landes und Seiner Bewohner". Neun Jahre später zog er nach Niederlößnitz, 1883 schließlich in die Meißner Straße in Kötschenbroda. Hier starb Wilhelm Heine am 5. Oktober 1885. In den Dresdner Nachrichten erschien drei Tage später folgender Nachruf: "Ein weit in der Welt herumgekommener Sohn Dresdens, der auch in hiesigen Kunstkreisen wohlbekannte und von Allen, die ihm näher getreten, geschätzte amerikanische General Wilhelm Heine, Maler und Zeichner, ist vorgestern in der Lößnitz gestorben. Der große, starke Mann, über dessen Scheitel jahrelang die heiße Sonne Japans brannte, wohin er seinerzeit im Auftrag der amerikanischen Regierung ging, und der noch bis vor Kurzem voller Jovialität war, wohnte noch der Schillerfeier in Blasewitz bei, kam aber von da ab zum Liegen. Seine Bilder und Zeichnungen aus Japan, wie auch sein Buch "Reise nach Japan" haben zur genaueren Kenntniß dieses wunderbaren Landes in den weitesten Kreisen viel beigetragen."
Literaturhinweis: Hirner, Andrea, Wilhelm Heine. Ein weltreisender Maler zwischen Dresden, Japan und Amerika, Radebeul 2009.

Heinrich August Sand, Jahrgang 1837, schrieb sich im März 1862 im 103. New York Regiment ein und stieg rasch bis zum Hauptmann auf. Bei Antietam am 17. September 1862 schwer verwundet, starb Heinrich Sand am 30. Oktober desselben Jahres.

Neben den bereits erwähnten Infanterieregimentern, welche sich fast ausschließlich aus deutschen Einwanderern zusammensetzten, existierten im Staat New York weitere Regimenter, die sich teilweise aus Deutschen formiert hatten. Im 39. New York Regiment, die so genannten Garibaldi Guard,[v] unter dem ungarischen Abenteurer Frederick G. D’Utassy, waren fünf Kompanien Deutsch. Das Regiment hatte einen schlechten Ruf in der gesamten Unionsarmee. Dies änderte sich, als Oberst D’Utassy entlassen wurde und der deutschabstämmige Offizier Augustus Funk das Kommando über die Garibaldi Guard übernahm.

Karl Schwarz wurde 1830 im Territorium des Deutschen Bundes geboren. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente er im 39. New Yorker Regiment und stieg bis zum Oberstleutnant auf.

Aus Polen stammte Wladimir Krzyzanowski, der in seinem 58. New York Regiment Einwanderer aus ganz Europa vereinte. Wenigstens 50 Prozent der Männer der Polish Legion kamen aus Deutschland. ¾ der Soldaten  des 68. New Yorker Freiwilligen Regimentes waren gebürtige Deutsche. Obwohl die Bezeichnung Second German Rifles einen falschen Sachverhalt beschreibt, taucht das 68. Regiment in einigen Darstellungen als predominantly (überwiegend) german auf. Organisiert wurde die Einheit bereits im Juni 1861 von den Deutschen Robert J. Bedge, Gustav von Gerber und Johann H. Kleefisch. Oberst Robert Bedge schied allerdings im Dezember 1862 aus dem Dienst und starb 1877 in Goppingen. Gerber wurde 1825 in Stralsund geboren. Sein Vater war noch Oberstleutnant der Artillerie in schwedischen Diensten. Gustav erhielt seine militärische Ausbildung an der Kadettenschule in Berlin. In der preußischen Armee brachte es von Gerber bis zum Secondeleutnant (Leutnant), bis er schließlich am 20. August 1851 als "Ganzinvalide" mit einer monatlichen Rente aus der Armee verabschiedet wurde. Später kam er nach Amerika. Beim Versuch, eine von Gaunern umringte Dame aus der lebensbedrohlichen Situation zu retten, wurde Oberstleutnant Gustav von Gerber vor einer Gastwirtschaft von der Diebesbande am 14. November 1861 ermordet. Sein Grab befindet sich auf dem Congressional Cemetery, Washington D.C. Folgt man den sehr persönlich gehaltenen, und nicht mit Kritik sparenden Erinnerungen der Prinzessin Salm-Salm, so muss wohl Oberstleutnant von Gerber das Opfer eines wütenden Ehemanns geworden sein, der ihn fälschlichweise für einen Liebhaber und damit Rivalen gehalten hatte. In den offiziellen Berichten, die Jahre nach dem Bürgerkrieg von dem Deutschen Friedrich Phisterer unter dem Titel "New York in the War of the Rebellion" herausgegeben worden waren, heißt es über Gustav von Gerber, dass er am 19. November 1861 an einer Krankheit in Washington D.C., verstorben sei. Ab Juni 1864 führte der deutsche Prinz Felix Salm - Salm das 68. Regiment bis zur Ausmusterung im November 1865.

wedel

Carl (von) Wedell schrieb sich am 14. August 1861 im Alter von 24 Jahren als einfacher Soldat im 68. New Yorker Regiment ein. Bereits einen Tag später erhielt er seine Beförderung zum Leutnant der G-Kompanie. Im März 1862 hatte er dann den Rang eines Hauptmanns inne. Kurzzeitig befehligte er das 68. Regiment, nachdem die Kommandeure gefallen waren, bzw. ihre Entlassung eingereicht hatten. Carl Wedell wurde später Stabsoffizier und beendete den Krieg als Major. Am 16. Januar 1863 schied er aus dem Militärdienst aus. Carl Wedell starb am 24. April 1902 und wurde auf dem Hillside cemetery, Bergen County, New Jersey beerdigt.

Johann H. Kleefisch wurde 1826 im Territorium des Deutschen Bundes geboren. Im Amerikanischen Bürgerkrieg meldete er sich am 1. August 1861 zur 68. New Yorker Infanterie. Bereits am 19. November des selben Jahres avancierte er zum Oberstleutnant. In der zweiten Schlacht von Bull Run im August 1862 wurde Johann Kleefisch so schwer verwundet, dass er am 22. September 1862 in Washington verstarb. Baron Friedrich Otto von Fritsch beschrieb in seinen Erinnerungen "A Gallant Captain of the Civil War" die näheren Umstände der tödlichen Verwundung von Kleefisch (den er allerdings Klufisch nennt), ohne jedoch selbst dabei gewesen zu sein. Seine Darstellung basierte auf den Aussagen befreundeter Offiziere, die an der Seite von Kleefisch den Angriff bei Second Bull Run erlebt hatten. Demnach ergriff Oberstleutnant Kleefisch die von 46 Kugeln zerfetzte Regimentsfahne, nachdem zwei Fahnenträger des 68. Regimentes erschossen worden waren. In diesem Moment erhielt Kleefisch zwei Schusswunden, an denen er einen Monat später verstarb. Johann H. Kleefisch war bei seinen Untergebenen sehr beliebt.

Im September 1862 übernahm Professor Elias Peissner vom Union College, Shenectady, das Kommando über das 119. New Yorker Freiwilligen Regiment. Wie einige seiner Soldaten, stammte Elias Peissner aus Deutschland und hatte nach dem Scheitern der Revolution von 1848 seine Heimat verlassen. Oberst Peissner wurde bereits während der ersten Angriffswelle von Chancellorsville tödlich verwundet und starb am 2. Mai 1863. Sein Freund, der Rechtsanwalt John T. Lockman, übernahm daraufhin das Kommando über das 119. New York Regiment und befehligte es bis zur Ausmusterung im Juni 1865.

Elias Peissner kam am 5. September 1825 im bayerischen Vilseck (heute Bayern, Regierungsbezierk Oberpfalz), gut 30 km südwestlich von Weiden in der Oberpfalz, als Sohn des Turmwächters Jakob und seiner Frau Barbara, gebürtige Kotzbauer, zur Welt. Elias Peissner studierte später in München Rechtswissenschaften und geriet aufgrund der Gerüchte, mit Lola Montez (eigentlich Maria Dolores Gilbert 1818 - 1861) im Verhältnis gestanden zu haben, in Verruf. Diese vermeintlichen Implikationen sowie seine starken Sympathien der Revolution von 1848 gegenüber, zwangen Elias schließlich im Juni 1849 Europa zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Hier erhielt er trotz fehlendem akademischen Grad eine Professur für Deutsch und Latein, schließlich einen Lehrstuhl für Nationalökonomie und Wirtschaftstheorie am Union College in Schenectady, New York. Seine wissenschaftlichen Leistungen blieben zeitlebens umstritten und sind vom modernen Standpunkt betrachtet, als eher durchschnittlich zu bezeichnen. Noch während der Zeit als Professor organisierte Elias Peissner die "Union College Zuaven", eine paramilitärische Vereinigung von Studenten ohne entsprechende Vorkenntnisse. Im April 1856 heiratete Elias Margaret Lewis. Sie brachte drei gemeinsame Kinder zur Welt, die leider alle wenige Jahre nach ihrer Geburt verstarben. Sein patriotischer Eifer, den er in seiner neuen Heimat für die Union entwickelt hatte, wurde in der Stunde der Not belohnt: am 26. Juni 1862 erhielt er die Befugnis zur Rekrutierung des 119. Infanterieregimentes aus New York. Militärisch nur mangelhaft ausgebildet, fiel er als Oberst der 119. New York Infanterie am 2. Mai 1863 bereits in einer der ersten Angriffswellen von Chancellorsville, Virginia. Der bedeutende Deutsch-Amerikaner Carl Schurz bezeichnete Elias Peissner als "einen Mann von lauterem Charakter". 

Im September 1862 schlossen sich zehn Kompanien in New York City zum 149. Infanterieregiment zusammen. Etwa 20 Prozent der Offiziere und Soldaten waren gebürtige Deutsche. Mit einigen Unterbrechungen hatte Oberst Henry A. Barnum die Befehlsgewalt. Als Bestandteil des XII. Unionscorps nahm das 149. New York Regiment auch an der Schlacht von Chancellorsville im Mai 1863 teil. Im Juni 1865 konnten die Soldaten unter dem Befehl von Major Nicholas Grumbach, der selbst deutsche Wurzeln hatte, aus dem Dienst verabschiedet werden. Im 185. New York Regiment war die prozentuale Beteiligung der Deutschen noch geringer. Zwischen 1864 und 1865 kämpfte das Regiment unter dem aus Baden eingewanderten Gustav Sniper, der für seine Verdienste im Bürgerkrieg den Brevet Rang eines Brigadegenerals erhielt.

Herbert von Hammerstein wurde am 20. Dezember 1835 in Hildesheim geboren. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente er zunächst als Hauptmann im 8. N Y Infanterieregiment. Nachdem er am 31. März 1863 ehrenhaft aus der Armee verabschiedet worden war, kehrte er zwei Monate später zurück und erhielt am 30. Mai den Rang eines Oberstleutnants im 78. New Yorker Infanterieregiment. Am 5. September avancierte von Hammerstein zum Obersten des Regimentes. Am 29. Juni 1864 wurde er zum Oberst der 102. N Y Infanterie ernannt, welches er bis zur Ausmusterung am 7. Januar 1865 befehligte. Nach dem Krieg diente von Hammerstein vom 17. Juli bis zum 14. August 1865 als einfacher Feldwebel der E Kompanie des 2. Kavallerieregimentes, bis er schließlich eine Anstellung im Postdienst fand und hier Briefe im "Wilden Westen" übermittelte. Während eines Schneesturms erfroren ihm beide Beine und mussten amputiert werden. Von Hammerstein kehrte daraufhin nach Europa zurück. Seine Spur verliert sich in Österreich.

In den Waffengattungen der Kavallerie und Artillerie wurde niemals eine vergleichbare Beteiligung der Deutschen erreicht, wie dies bei den Infanterieregimentern der Fall gewesen ist. Lediglich zwei Kavallerieregimenter der insgesamt 31 Einheiten aus New York zählten deutsche Einwanderer in ihren Reihen.

Das 1. New York Kavallerieregiment, die so genannte Lincoln Kavallerie, wurde im Juli 1861 von dem Rekrutierungsbeauftragten Carl Schurz organisiert. Das 4. Kavallerieregiment stand unter dem Kommando von Oberst Christian F. Dickel und setzte sich aus Deutschen, Schweizern und einigen Dänen zusammen. Das 2. New York Kavallerieregiment, die Harris Light, wurde zeitweise von dem Deutschen, Oberst Otto Harhaus, kommandiert. Die Situation in den Artilleriebataillionen war vergleichbar.

Otto Harhaus, Jahrgang 1826, befehligte das 2. New Yorker Kavallerieregiment und schied am 10. September 1864 ehrenhaft aus dem Dienst. Er hatte sich am 13. August 1861 als Hauptmann der G-Kompanie im 2. New Yorker Kavallerieregiment gemeldet. Am 1. März 1862 erhielt er seine Beförderung zum Major; im Juni 1863 folgte die Beförderung zum Oberstleutnant. Am 18. September erhielt er schließlich als Oberst das Kommando über das 2. New Yorker Kavallerieregiment.

Ludwig Philipp Siebert wurde am 27. März 1831 in Worms geboren. 1855 kam Siebert nach Amerika, wo er sich in New York City niederließ und als Geschäftsmann tätig war. Er meldete sich im Oktober 1861 zur 4. New Yorker Kavallerie und wurde als 2. Leutnant eingemustert. Siebert schied aus "persönlichen Gründen" am 15. März 1863 aus dem aktiven Dienst. Am 31. Dezember 1864 übernahm er als Oberst die 2. New Yorker Mounted Rifles und führte die Einheit bis zu seiner Ausmusterung am 23. Februar 1865. Viele Jahre nach dem Krieg heiratete Siebert 1886 Eliza Oothout, die Tochter des Präsidenten der Bank of New York. 1882 hatte sich Siebert bereits in den Ruhestand zurückgezogen. Siebert und seine Frau Eliza lebten abwechselnd in Amerika und Europa. Nach einem 12 jährigen Aufenthalt in der Alten Welt kehrte das Ehepaar im Jahre 1895 nach Amerika zurück, wo Ludwig Siebert am 26. November 1914 in Washington, DC, verstarb. Seine Frau starb ein Jahr später ebenfalls in Washington. Die Sieberts hinterließen zwei Kinder: John Oothout und Sophie.

Unter den 13 Artillerieregimentern aus New York waren wenigstens sieben Einheiten, die deutsche Kanoniere als Geschützbedienung zur Verfügung hatten. Die bekanntesten Einheiten waren dabei die 1. New York Leichte Artillerie unter Oberstleutnant Michael Wiedrich (in Frankreich geboren) und das 1. Bataillon Schwere Artillerie, die so genannte „Badische Artillerie“, unter dem Befehl von Oberstleutnant Andreas Brickel. Brickel, am 12. Mai 1818 im badischen Schwetzingen, keine 15 Kilometer westlich von Heidelberg, geboren, spielte eine aktive Rolle während der Revolution 1848/49. Nach der Niederschlagung flüchtete er wie viele andere Revolutionäre nach Amerika. Ebenfalls mit hoher Auszeichnung kämpfte die 32. Leichte New Yorker Artillerie unter dem aus den Gebieten des deutschen Bundes stammenden Karl (von) Kusserow (1832 bis 1879), ehemaliger Regimentsadjutant im preußischen Infanterieregiment Nr. 68. Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg übernahm Kusserow als Oberst das 2. US Veteran Corps. Er soll 1866 zurück nach Preußen gereist sein und im Krieg 1870/71 gegen Frankreich eine Kompanie im preußischen Infanterieregiment Nr. 74 kommandiert haben. Karl Kusserow starb am 3. Februar 1879 in seiner Wahlheimat und wurde auf dem Saint Marys Catholic Churchyard in Philadelphia, PA, beigesetzt. Seine Frau Mary überlebte ihn um 35 Jahre. Die deutschen Einwanderer aus New York leisteten mit Abstand den größten militärischen Beitrag während des Amerikanischen Bürgerkrieges. Präsident Abraham Lincoln belohnte die Deutschen für ihre Loyalität und ermöglichte zehn deutschstämmigen Offizieren von New Yorker Regimentern die Beförderung zum General bzw. brevettierten General.

Gustav Friedrich Wagner wurde um das Jahr 1813 in Dresden geboren. Andere Quellen nennen Ungarn als das Geburtsland. Während der Revolution von 1848 / 49 schloss er sich den ungarischen Insurgenten an (was die Annahme, er sei in Ungarn geboren, untermauen würde) und wanderte später nach Amerika aus. 1862 kommandierte er als Oberst die 2. New Yorker Schwere Artillerie und wurde jedoch am 26. August des gleichen Jahres wegen "Trunkenheit" (eigentlich habitual drunkeness - Gewohnheitstrinker) aus dem Dienst entlassen. Wagner arbeitete nach dem Krieg als Ingenieur und starb am 27. Dezember 1891 in Hampton, Virginia.





Jacob Roemer wurde am 3. April 1818 in Wahlheim, Kreis Alzey, in Darmstadt geboren und diente später als Kavallerieunteroffizier in Worms. 1839 kam er nach Amerika, wo er sich in New York niederließ. In der Gemeinde Flushing eröffnete er 1842 ein Schuhgeschäft. Zufällig kam er im September 1845 zum 93. New Yorker Milizregiment, in welchem die Artillerie dominierte. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges hatte Roemer bereits den Dienstgrad eines Leutnants in der Flushing Battery inne. Später kommandierte er als Hauptmann die Batterie L der 2. New Yorker Artillerie, die im I. Unionscorps, in der 3. Division unter Brigadegeneral Carl Schurz integriert war. Roemer bewährte sich bei Cedar Mountain, Bull Run II und am Antietam. Im Februar 1864 wurde die Einheit zur 34. unabhängigen New Yorker Batterie der Leichten Artillerie umorganisiert. Auch diese Einheit unter dem Kommando von Hauptmann Roemer zeichnete sich in den Petersburg-Feldzügen im April 1865 aus. Hier erhielt er das Brevet eines Majors und schied im Juni aus dem Heer. Nach dem Krieg kehrte Roemer in sein Schuhgeschäft in Flushing, New York, zurück. In der Gemeinde genoss der Deutsche hohes Ansehen. Zweimal wurde er in den Gemeinderat von Flushing gewählt. Jacob Roemer starb am 16. Juli 1896 in Flushing. Ein Jahr später erschienen seine "Reminiscences of the War of the Rebellion 1861-1865" bei der lokalen Zeitung in Flushing.

Alfred von Kleiser trat mit 21 Jahren in die Unionsarmee ein und befehligte später die 30. New Yorker Leichte Artillerie. In der Schlacht von New Market am 13. Juni 1862, zeichnete er sich durch persönlichen Mut aus. Seine Batterie stand im Zentrum des Geschehens ( US - Befehlshaber war General Franz Sigel) direkt den konföderierten Truppen unter General Breckinridge gegenüber. Von Kleiser geriet nur 7 Tage später bei Buford's Gap, Virginia, in Gefangenschaft. Im März 1863 konnte von Kleiser ausgetauscht werden. Die Ironie bestand allerdings darin, dass das Kriegsministerium ihm ein Verfahren in Höhe von $ 625,00 angehängt hatte, da er für den Verlust einer Kanone während der verlorenen Schlacht verantwortlich gemacht worden war. In einem längeren Verfahren konnte jedoch seine Unschuld bewiesen werden. Hauptmann von Kleiser brauchte die $ 625,00 nicht zu zahlen.

Johann J. Diehl wurde 1819 in Oberweiler im Tal, gut 30 Kilometer nordwestlich von Kaiserslautern, im heutigen Rheinland-Pfalz, geboren. 1838 kam er nach New York. Im Amerikanischen Bürgerkrieg hatte er den Rang des Oberstleutnants der 5. New Yorker Artillerie inne. Johann J. Diehl war nach dem Krieg Offizier in einer regionalen Milizeinheit. Johann J. Diehl starb nach kurzer Krankheit am 16. Februar 1871 in New York City, in seiner Wohnung in der Essex-Street. Das Bild stammt aus dem Jahre 1861.

[i] Die Stammrolle eines Regimentes beinhaltete in der Regel die Namen aller Soldaten und Offiziere, die sich mit ihrem Zusammenschluss erstmals zu einem Regiment formiert hatten.

[ii] Mit dem Krieg gegen Mexiko begann die U.S.A. eine lange Serie von Agressionskriegen. Durch die Niederlage im Jahre 1848 verlor Mexiko nahezu 2/5 seines gesamten Territoriums. Weitere Gebiete des heutigen Arizona wurden 1853 mit dem Gadsden Kauf an die U.S.A. abgetreten.

[iii] Die Bezeichnung geht auf den aus Bayreuth stammenden Baron Johann von Kalb zurück, der 1780 im Unabhängigkeitskrieg auf Seiten der Amerikaner fiel.

[iv] Die Schwarzen Jäger kämpften unter Freiherr von Lützow im Krieg gegen Napoleon. Deutsche Regimenter schmückten sich während des Amerikanischen Bürgerkrieges gern mit Bezeichnungen aus der Zeit der Befreiungskriege.

[v] Guiseppe Garibaldi kämpfte für die Wiedervereinigung Italiens und gilt heute als Nationalheld. Nach seiner Emigration nach Südamerika kehrte er 1848 nach Italien zurück und avancierte zu einem der Führer der Unruhen der damaligen Zeit.

 

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