Deutsche Pennsylvania Einheiten

 

 

Eine wichtige Rolle für die militärische Verteidigung der Union spielten die Regimenter aus Pennsylvania. Der extraordinäre Beitrag resultierte dabei aus einem gewaltigen numerischen Potentials an Freiwilligen, aus dem der Bundesstaat schöpfen konnte. Bis 1865 meldeten sich rund 300.000 Soldaten, darunter etwa 17.000 Deutsche, in den 215 Infanterieregimentern, 23 Kavallerieverbänden und 6 Artillerieeinheiten. Im Wesentlichen existierten jedoch nur fünf Infanterieregimenter, die zumindest anfangs fast vollständig aus deutschen Einwanderern bestanden. Obwohl praktisch in allen Regimentern aus Pennsylvania sporadisch Deutsche ihren Kriegsdienst leisteten, wiesen lediglich weitere 17 Infanterieeinheiten eine Beteiligung deutscher Einwanderer bis etwa 30 Prozent auf.

Kurz nach Kriegsausbruch organisierte der aus Aurich in Württemberg eingewanderte John Frederick Ballier das 21. Pennsylvania Freiwilligenregiment, welches im September 1861 zur 98. Infanterie umbenannt wurde. Ballier hatte bereits als Offizier im Krieg gegen Mexiko teilgenommen. Vor dem Bürgerkrieg arbeitete er als Bäcker und war zeitweise als Wachmann für ein Geldinstitut tätig. Ballier war bereits 1838 nach Amerika emigriert. Im Amerikanischen Bürgerkrieg bewährte sich Oberst Ballier und wurde bereits im Juli 1864 zum Titular Brigadegeneral ernannt.

Im Mai 1861 formierte sich in Camden, New Jersey, das 27. Pennsylvania Infanterieregiment vollständig aus Deutschen. Der erste Oberst war der jüdische Einwanderer aus Bachau in Württemberg, Max Einstein. Einstein lebte bereits seit 1844 in Philadelphia und hatte im Jahre 1854 die Philadelphia Flying Artillery organisiert, deren Hauptmann er wurde. Aufgrund ständiger Unstimmigkeiten mit seinen Vorgesetzten, und der Tatsache, dass er sich mit einem Teil des 27. Regimentes während der Schlacht am Bull Run ohne Befehl vom Schlachtfeld entfernt hatte, schied Max Einstein im Oktober 1861 (dennoch) ehrenhaft aus dem Armeedienst und Adolph E. Buschbeck übernahm als Oberst das 27. Pennsylvania Infanterieregiment. General George B. McClellan bescheinigte in einem Gespräch mit dem Kriegsminister Simon Cameron dem Oberst Max Einstein pure Unfähigkeit. Dem politischen Einfluss Einsteins war es wohl zu verdanken, dass er sich einen Monat später (ab 13. November 1861) als US-Konsul in Nürnberg wiederfand und seine Entlassung offiziell daher gute Gründe haben musste. Politische Beziehungen spielten damals wie heute eine große Rolle. Adolph Buschbeck wurde 1822 in Koblenz geboren und diente nach seiner Offiziersausbildung in Potsdam in der preußischen Armee. Nachdem er 1848 in Abwesenheit als Deserteur verurteil worden war, emigrierte er nach Amerika und ließ sich 1853 in Philadelphia nieder. Im Oktober 1861 erhielt er sein Patent, um als Oberst das 27. Pennsylvania Regiment befehligen zu können. Buschbeck gehörte zu den herausragenden militärischen Führern des Bürgerkrieges. Ohne jemals befördert worden zu sein nahm Adolph Buschbeck im Juni 1864 seinen Abschied.

Gustav Adolph Eberhard Buschbeck wurde am 23. März 1822 in Koblenz (damals sogenanntes Rheinpreußen) als Sohn eines preußischen Pionieroffiziers geboren. Bereits im zarten Alter von elf Jahren kam Gustav Adolph an die Kadettenanstalt nach Berlin. Nach seiner militärischen Ausbildung diente er anfangs als Fähnrich, später als Leutnant im 39. Infanterieregiment (7. Res. Regt.) und wurde 1843 in der Bundesfestung Luxemburg stationiert. Buschbeck zeigte eine starke Affinität zur Mathematik und noch während seiner militärischen Studien veröffentlichte er eine wissenschaftliche Arbeit unter dem Titel: "Die Einrichtung von Staats-Giro-Banken in der preußischen Monarchie. Ein Mittel der bedrohten Industrie Hülfe ]sic] zu bringen" (Berlin 1845). Bezüglich seines späteren Werdegangs zeigen sich die historischen Quellen widersprüchlich: Eine nunmehr gesicherte Variante besagt, dass Buschbeck 1848 desertierte, woraufhin ihm in Abwesenheit am 8. August desselben Jahres der Prozess gemacht wurde. 1981 fanden sich Unterlagen, die belegen, dass Buschbeck als Deserteur abgeurteilt und sein gesamtes Vermögen konfisziert worden war. Im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf vom 6. November 1848 wurde öffentlich bekanntgegeben, dass der Seconde-Lieutenant Heinrich Adolph Buschbeck am 9. Oktober zum Deserteur erklärt worden war. In der Zusammenstellung des DEUTSCHEN PIONIERS heißt es hierzu jedoch recht widersprüchig, dass Buschbeck im Jahre 1847 wegen seiner ausgezeichneten mathematischen Kenntnisse als Lehrer für Mathematik und Französisch an die Kadettenschule nach Potsdam berufen wurde und hier auch bis 1852 unterrichtet haben soll. Die Gründe für die nachweislich falschen Angaben im DEUTSCHEN PIONIER über die Vergangenheit von Buschbeck dürften sich im besten Falle in der Unkenntnis der Tatsachen finden lassen. Möglicherweise sollte aber der ausgezeichnete Ruf von Buschbeck in Amerika nicht unnötig wegen seiner Desertion in der alten Heimat Schaden nehmen. Kein Dissens herrscht darüber, dass er im Jahre 1853 in den U.S.A. ankam und sich in Philadelphia niederließ. Bald fand er eine Lehranstellung in einem Mädcheninstitut. Mit Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges übernahm er den Befehl über das 27. Regiment aus Pennsylvania, nachdem er am 8. September 1861 als Oberstleutnat eingemustert worden war. Soldat Thaddeus Reynolds vom 154. New Yorker Regiment, bezeichnete Buschbeck wie folgt: "The finest dutch man that I ever saw." Ab 1862 wirkte Buschbeck abwechselnd als Brigadekommandeur im XI. Unionscorps. Buschbeck schied am 11. Juni 1864 ehrenhaft, aber ohne Beförderung aus dem Armeedienst und nahm unverzüglich wieder seine Lehramtanstellung auf. 1870 heiratete er in Philadelphia die Tochter des Prof. Horner, der an der Pennsylvania-Universiät unterrichtete, und Buschbeck verdiente nun sein Geld als Mathematiklehrer an der 1785 privat gegründeten Episcopal Academy in Philadelphia. Buschbeck lebte nach 1873 abwechselnd in Wiesbaden und Florenz, Italien. Wiederholt reiste er mit seiner Gattin nach Belgien, Frankreich und Deutschland. Gustav Buschbeck starb überraschend während einer Italienreise am 26. Mai 1883 in Florenz, wo er auf dem Cimitero agli Allori begraben wurde. Buschbeck genoss das allerhöchste Ansehen unter Deutschen und Amerikanern gleichermaßen und war durch und durch als Sanguiniker beliebt und bekannt.

Der Gedenkstein der 27. Pennsylvania bei Gettysburg. Das Foto machte Prof. Hans A. Pohlsander

Lorenz Cantador in einer Darstellung aus dem Jahr 1848. Geboren wurde er am 1. Juni 1810 in Düsseldorf als Sohn einer angesehenen und wohlhabenen Kaufmannsfamilie. 1832 leistete Cantador einen einjährigen Dienst in der preußischen Armee. Während der revolutionären Erhebungen 1848/49 wurde er Schützen- und Bürgerwehrkommandant von Düsseldorf. Er zählte zu den Hauptführern der Revolution. Mit der Niederschlagung der Revolution 1849 musste Cantador nach Amerika flüchten, nachdem er am 9. Dezember 1848 von preußischem Militär gefangengenommen und bereits am 19. März 1849 ohne Gerichtsprozess wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. In Amerika angelangt, ließ er sich in Philadelphia nieder, wo er einen  Lebensmittelladen eröffnete. Seit 1855 war Cantador Mitglied der "Deutschen Gesellschaft von Pennsylvania". Bis zum Beginn des Bürgerkrieges reiste er mehrfach zurück nach Europa. Am 7. September 1861 trat Cantador die Stelle des Majors im 27. Pennsylvaniaregiment an. Einen Monat später war er Oberstleutnant. Cantador zeichnete sich unter anderem bei Bull Run II aus, wo er zeitweise das Regiment befehligte. Bei Chancellorsville und Gettysburg tat er sich ebenfalls hervor. Aufgrund einer ernstzunehmenden Erkrankung nahm Cantador am 16. November 1863 seinen Abschied. Beruflich konnte er sich nicht mehr etablieren. Von 1870 bis 1873 war er Mitglied der "German Society of the City of New York". In diese Zeit fällt auch seine Tätigkeit als Superintendent der Einwanderungsbehörde von Castle Garden in New York. Lorenz Cantador, einer der bedeutendsten und leider nahezu unbekannten Helden des Bürgerkrieges, starb am 1. Dezember 1883 in bitterster Armut in New York in der Wohnung eines Freundes in der Taylor Street Nummer 33. Als Todesursache wurde ein Schlaganfall diagnostiziert. Heute erinnert unter anderem eine Cantadorstraße in Düsseldorf an den streitbaren Revolutionär und Demokraten. Nach meinem Kenntnisstand  war Lorenz Cantador unverheiratet und ohne Nachkommen. Möglicherweise hatte er noch kurz vor seinem Tod eine Europareise unternommen und dabei vielleicht auch seine Geburtsstadt Düsseldorf besucht. 
Literaturhinweis: Lierenfeld, Winfried, Soldat der Freiheit. Das Leben des Bürgerwehrgenerals Lorenz Cantador, Ruhr Echo Verlag 2009.

Im Juli 1861 rekrutierte sich in Philadelphia das 73. Pennsylvania Freiwilligenregiment, welches zu über 90 Prozent aus gebürtigen Deutschen bestand. Oberst wurde Johann A. Koltes, der 1827 in Trier geboren worden war und bereits im Jahre 1840 in die Vereinigten Staaten einwanderte. Koltes diente im Krieg gegen Mexiko und trat anschließend in die reguläre Armee ein. Oberst Koltes wurde in der zweiten Schlacht am Bull Run im August 1862 tödlich verwundet. Das Kommando erhielt daraufhin der aus Württemberg eingewanderte Georg Adolph Mühleck. Oberst Mühleck nahm aus persönlichen Gründen im Januar 1863 seinen Abschied. Er starb 1869 in einer Nervenheilanstalt in New Jersey. Danach führte William Moore, den offiziellen Quellen zufolge 1831 in Deutschland geboren, das Regiment bis zu seiner Resignation im Februar 1864. Oberst Moore hatte in der Schlacht bei Chancellorsville einen Brustdurchschuss erhalten. Diese Verletzung zwang ihn schließlich dazu, das Kommando über das 73. Regiment niederzulegen. Die Veteranen des 73. Pennsylvania Regimentes konnten nach einem langen Kriegsdienst schließlich im Juli 1865 in Alexandria, Va., ehrenhaft aus der Unionsarmee verabschiedet werden. Der letzte Befehlshaber der 73. Infanterie hieß Charles Clement Cressen und war ein gebürtiger Amerikaner.

Johann A. Koltes wurde 1827 in Trier geboren. Die Angaben über sein Geburtsjahr und den Geburtsort sind jedoch nicht gesichert. Manche Quellen geben das Geburtsjahr 1823 an. Im Alter von 17 Jahren wanderte er nach Amerika aus. Hier wurde er zum Lehrer ausgebildet und arbeitete als solcher bis zum Ausbruch des Krieges mit Mexiko in einer katholischen Lehranstalt in Pittsburg. Mit Beginn des Krieges 1846 meldete er sich zur Armee und kämpfte später als Sergeant der E-Kompanie im 1. Pennsylvania Regiment im Krieg gegen Mexiko. Nach Beendigung des Konfliktes trat Koltes für Jahre in die reguläre Armee einund diente hier als Offizier bei den Marines. Koltes fand später eine Anstellung im öffentlichen Finanzsektor, war aktives Mitglied der örtlichen Miliz und drillte die Männer seiner Männerchor Rifle Guards. Im Amerikanischen Bürgerkrieg kommandierte er das 73. Pennsylvania Regiment, dessen Oberst er am 2. August 1861 wurde. Er hatte das Regiment mit Kriegsausbruch organisiert. Im Folgejahr übernahm er als Brigadekommandeur die Befehlsgewalt über die 2. Brigade in der Division Blenker, später die 1. Brigade in der 2. Division im I. Corps unter Sigel. Oberst Koltes fiel an der Spitze seiner Soldaten am 30. August 1862 in der zweiten Schlacht am Bull Run. Seine sterblichen Überreste wurden auf dem Glenwood Memorial Gardens, Delaware County, Pennsylvania, bestattet.

Der Gedenkstein der 73. Pennsylvania bei Gettysburg. Auch dieses Bild stellte mir Prof. Hans A. Pohlsander zur Verfügung.

Ein weiteres Infanterieregiment, das sich fast vollständig aus deutschen Einwanderern zusammensetzte, konnte im September 1861 in Pittsburg gebildet werden. Oberst wurde Alexander von Schimmelfennig. Geboren wurde er 1824 in Bromberg, ehemals Westpreußen und diente später als preußischer Offizier. Nachdem er sich an der Revolution von 1848/49 beteiligt hatte, verließ er Europa und kam 1853 nach Philadelphia. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges arbeitete Alexander von Schimmelfennig als Konstrukteur für das Kriegsministerium in Washington und veröffentlichte nebenbei Bücher über den Krimkrieg.[i] Bis August 1862 kommandierte er das 74. Pennsylvania Infanterieregiment. Danach übernahm er eine Brigade im XI. Unionscorps. Bis Anfang März 1863 stand der 1825 im Elsass geborene Johann A. Hamm an der Spitze des Regimentes. Nach einigen personellen Veränderungen im Regiment kommandierte der ehemalige sächsische Offizier Adolph von Hartung das 74. Pennsylvania Regiment bis Juli 1864. Das Kommando übernahm daraufhin der 1827 in Hannover geborene Gottlieb Hoburg, der schließlich am 1. April 1865 zum Oberst befördert wurde. Dem Befehl Hoburgs unterstand der sogenannte Unterdisktrik von Clarksburg, West Virginia. Oberst Hoburg wurde am 29. August 1865 ehrenvoll aus dem Armeedienst verabschiedet. Nach dem Krieg arbeitete er als Angestellter unter anderem in einer angesehen Brauerei, bis er schließlich im Jahre 1870 in New York City verstarb. 

              

Familiäre Beziehungen: Links Joseph (1841-1862) und rechts Friedrich Tiedemann (1840-1877). Die Brüder dienten gemeinsam in der 75. Pennsylvania Infanterie. Beide waren die Schwäger von Hubert Dilger, der als Hauptmann in der 1. Ohio Artillerie im Bürgerkrieg kämpfte. Joseph Tiedemann trat am 4. September 1861 als private (einfacher Soldat) in die E-Kompanie ein und wurde kurze Zeit später Feldwebel in der K-Kompanie. Er kam am 15. April 1862 bei Berry's Ferry, Virginia, ums Leben. Sein älterer Bruder Friedrich kam am 20. August 1861 als private in die C-Kompanie und wurde bereits am 12. Oktober 1861 zum Leutnant in der A-Kompanie befördert. Am 23. August 1862 erhielt Friedrich seine Beförderung zum Hauptmann der G-Kompanie. Friedrich Tiedemann quittierte am 15. September 1863 den Dienst.

Franz Blessing diente als Major im 74. Pennsylvania Regiment. Während der zweiten Schlacht von Bull Run zeichnete sich der junge Offizier aus. In der Schlacht von Chancellorsville gelang ihm dies jedoch nicht. 

Adolph von Hartung wurde am 24. Juni 1834 in Küstrin (damals Ostpreußen) im heutigen Polen, geboren. Er diente in der preußischen Armee als Offizier und kam 1857 nach Amerika, wo er sich in Baltimore niederließ. Hier arbeitete er im Handel und war Mitglied des "Baltimore Socialistischen Turnvereins". Am 5. August 1861 wurde von Hartung als Hauptmann im 35. Pennsylvania Regiment (dem späteren 74. Pennsylvania Regiment) eingemustert. Am 17. Oktober 1862 erhielt er seine Beförderung zum Major. Am 15. Januar 1863 folgte die Ernennung zum Oberstleutnant; ab dem 2. Mai 1863 war von Hartung Oberst des 74. Pennsylvania Regimentes. Bei Gettysburg wurde von Hartung durch einen Schuss in sein linkes Bein verwundet und am 11. Juli 1864 aus dem Militärdienst verabschiedet. Adolph von Hartung war nach dem Krieg für die Regierung (unter anderem als U.S. Postbeamter) tätig. Er starb am 10. April 1902 in Baltimore, Maryland, und wurde auf dem Loudon Park Cemetery der Stadt beerdigt. 

Gustav A. Schleiter wurde am 3. Oktober 1839 im hannöverschen Neustadt geboren. Am 8. Dezember 1852 erreichte er mit dem Schiff "Favorite" Baltimore. Er ließ sich in Coal Spring, New York, nieder, wo er für kurze Zeit in einem Textilunternehmen arbeitete. 1854 heuerte er auf einem Walfangschiff an und war damit für die nächsten 5 Jahre auf den Meeren unterwegs. Nach Ablauf seiner Pflichtzeit auf dem Walfänger arbeitete er vorübergehend in St. Louis, Missouri. 1860 kam Schleiter nach Pittsburg und betätigte sich hier bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges im Kurzwarengeschäft. Im August 1861 meldete er sich im 74. Pennsylvaniaregiment unter Oberst Schimmelfennig. Nach langer Krankheit kehrte er im Frühjahr 1862 zum Regiment zurück und wurde Quartiermeister. Im April 1863 erhielt Schleiter seine Beförderung zum Major und diente als aide de camp unter General Schimmelfennig. Schleiter erkrankte später wieder ernsthaft an Rheuma und litt am Typhusfieber. Die Krankheit forderte die Sehkraft seines linken Auges. 1864 nahm Gustav Schleiter seinen Abschied. Ab 1879 führte er höchst  erfolgreich das Unternehmen "G. Schleiter & Co." und machte mit eleganter Modebekleidung und edlen Stoffen ein Vermögen. Gustav Schleiter starb als angesehner Bürger von Pittsburg am 6. November 1887.

Zahlreiche Berufssoldaten aus Europa füllten die Reihen des 75. Pennsylvania Freiwilligen Regiment, das sich im September 1861 in Philadelphia rekrutierte. Heinrich Bohlen, ein wohlhabender Kaufmann aus Bremen und direkter Vorfahre der Krupp Dynastie, organisierte und finanzierte die Freiwilligen im 75. Pennsylvania Regiment. Sein abenteuerliches Leben als mondäner Geschäftsmann und Berufssoldat endete im August 1862, als der mittlerweile zum Brigadegeneral der Nordstaaten avancierte Heinrich Bohlen bei Freemans Ford getötet wurde. Der neue Kommandeur des 75. Pennsylvania Regimentes war der badische Offizier und Teilnehmer der Revolution von 1848/49, Franz Mahler. Oberst Mahler fiel im Juli 1863 in der Schlacht von Gettysburg. Bis zur Ausmusterung des 75. Pennsylvania Regimentes befehligte der ehemalige preußische Offizier Wilhelm A. von Matzdorff die Einheit.

Philip Jacob Schopp wurde am 16. August 1826 in (Bad) Orb, Bayern (heute Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt. (Bad) Orb wurde 1814 bayerisch und 1866 preußisch), gut 45 km nordöstlich von Frankfurt am Main, geboren. Nach seiner Teilnahme an der Revolution 1848/49 flüchtete er im Jahre 1850 nach Amerika. Hier fand er rasch eine Anstellung als technischer Zeichner und Ingenieur in Reading, Berks County, Pennsylvania. In dieser Funktion fertigte Schopp eine Vielzahl von Landkarten an, die für spätere Kanalbaumaßnahmen herangezogen wurden. Am 27. August 1861 wurde er als Hauptmann der D-Kompanie in dem 75. Regiment aus Pennsylvania eingemustert. Am 13. September 1862 nahm Schopp seinen "vorläufigen" Abschied vom Militär, um am nächsten Tage als Oberst das Kommando über das 75. Freiwilligenregiment aus Pennsylvania zu übernehmen. Oberst Schopp schied bereits am 7. November 1862 ehrenvoll aus dem aktiven Militärdienst und fungierte als Assistant-Adjutant-General unter General John Pope während der Feldzüge in Virginia. Schopp arbeitete später als Ingenieur im zivilen Bereich und beteilgte sich an der Expedition des Engineer corps unter General Godfrey Weitzel. Als dessen Assistent fungierte Schopp im Juni 1874 während des Baumaßnahmen für den Louisville- and Portland Canal. Philip Schopp war Mitglied des U.S. Vermessungskorps. Wenige Jahre vor seinem Tod heiratete Schopp am 15. April 1891 die Deutsche Hildegard Köbelin. Er starb am 8. Februar 1893 in Greenville, Ohio und wurde mit allen militärischen Ehren auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.


Richard Ledig, der Sohn von August Otto Ledig (siehe hierzu Deutsche im Krieg), befehligte als Hauptmann eine Kompanie im 75. Regiment. Geboren wurde Richard 1839 in der Heimat seines Vaters, in Sachsen. Um das Jahr 1860 wanderte er nach Amerika aus. Richard schrieb sich als private am 9. August 1861 gemeinsam mit seinem Vater August im 75th PA Regiment ein. Am 2. Mai 1861 stieg er zum First Lieutenant der B-Kompanie auf. Bei Bull Run II wurde er verwundet. Am 1. März 1863 erhielt Richard als Hauptmann das Kommando über die F-Kompanie. Richard Ledig quittierte aufgrund seiner Kriegsverletzung am 3. November 1864 den Dienst. Sein Vater August Ledig wurde bereits am 20. Juli 1862 zum Major im Regiment ernannt. Seine Dienstzeit lief am 30. Juli 1865 aus.


Roderich Theune, ursprünglich Hauptmann im 75. Pennsylvania Regiment, diente als Generaladjutant Heinrich Bohlens. Geboren wurde er um das Jahr 1834 in den Gebieten des Deutschen Bundes. Am 3. Juli 1856 kam er mit einem Schiff aus Bremen in New York an. Mit Beginn des Bürgerkrieges meldete er sich sofort in der Unionsarmee. Bei Second Manassas verlor er ein Bein und schied schließlich am 28.12.1863 aus dem aktiven Dienst. Am 13. März 1865 erhielt er den Brevet Rang eines Majors. Roderich Theune, der seinen Wohnsitz in New York hatte und hier als Händler arbeitete, starb wenige Jahre später an seiner schweren Verwundung.


Wilhelm Albin Matzdorff wurde am 10. Dezember 1824 im Territorium des Deutschen Bundes geboren. Von 1849 bis 1851 diente er als Geometer in der Schleswig - Holstein Armee. Matzdorff kam am 1. Juni 1852 von Bremerhaven mit dem Schiff "Highland Mary" in New York an. Er ließ sich in Philadelphia nieder und betätigte sich hier als Kaufmann. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges meldete er sich am 9. August 1861 zur 75. Pennsylvania Infanterie und erhielt den Rang eines Majors. Am 30. Juli 1862 wurde Matzdorff bereits zum Oberstleutnant befördert. In der Schlacht von Chancellorsville gerieten 40 Soldaten unter seinem Kommando in Gefangenschaft. Nach einem Gefangenenaustausch quittierte Matzdorff am 23. Juni 1863 den Dienst. Fünf Monate später, am 18. November, trat er erneut in das Regiment ein, das er bis zu seiner Ausmusterung am 1. September 1865 zeitweise befehligte. Matzdorff kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück und wirkte unter anderem als Bürgermeister in Dobvilugk (Kreis Luckau, Frankfurt an der Oder) Er beteiligte sich am Krieg gegen Frankreich 1870 / 71 und arbeitete danach als Beamter in Elsaß - Lothringen. Wilhelm A. Matzdorff starb 1887 in Colmar, Haut - Rhin im Oberelsass, Frankreich.


Franz Mahler wurde am 1. August 1826 in Baden-Baden geboren. Hier erhielt er eine militärische Ausbildung und nahm später an der Revolution 1848 / 49 auf Seiten der Insurgenten teil, wo er als Major die Festung Rastatt befehligte. Mit Niederschlagung geriet er in Gefangenschaft und wurde zum Tode verurteilt. Mahler gelang jedoch die Flucht. Im August 1851 kam Mahler nach Amerika und ließ sich in Philadelphia nieder. In seiner neuen Heimat heiratete er die aus Massachusetts stammende Jennie M. (1832-1918). Mit Beginn des Bürgerkrieges gehörte er zu den Mitorganisatoren des 75. Freiwilligenregiment aus Pennsylvania. Am 9. August 1861 wurde er als stellvertretender Kommandeur im Regiment eingeschrieben. Nachdem General Heinrich Bohlen eine Brigade übernommen hatte, wurde Franz Mahler am 20. Juni 1862 zum Oberst der 75. Pennsylvania Infanterie befördert. In der Schlacht von Gettysburg erhielt Oberst Mahler zwei Verwundungen. Die zweite Schussverletzung war tödlich. Oberst Mahler starb am 5. Juli 1863 in einem föderierten Feldlager. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Mount Peace Cemetery in Philadelphia. Sein jüngerer Bruder Ludwig fand ebenfalls in der Schlacht bei Gettysburg den Tod.  Literaturhinweis: Nachtigall, Hermann, Geschichte des 75sten Regimentes, Pa. Vols., Philadelphia 1886.

Im September 1861 formierte sich das 103. Pennsylvania Freiwilligen Infanterieregiment unter dem Kommando von  Oberst Theodore F. Lehmann. Der ehemalige hannoversche Offizier einte in dem Regiment einige seiner Landsleute, die nach Amerika ausgewandert waren. Das 153. Pennsylvania Infanterieregiment bestand zum großen Teil aus Deutsch – Pennsylvaniaern der 2. Generation und wurde von Oberst Karl Glanz befehligt. Nur sehr wenig deutschgeborene Rekruten dienten im 167. Pennsylvania Regiment unter dem ehemaligen badischen Offizier Karl A. Knoderer, der in der Schlacht von Deserted Hause, Virginia, im Januar 1863 tödlich verwundet wurde. Aus Giessen in Hessen stammte Louis Wagner, der bereits als elfjähriger mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert war. Im September 1861 wurde das 88. Pennsylvania Freiwilligenregiment gebildet, dessen Oberst er wurde. Nach schweren Verwundungen während des Kriegseinsatzes betätigte sich Louis Wagner mit Ende des Bürgerkrieges als Ausbildungsoffizier für farbige Soldaten und erhielt im März 1865 den Brevetrang eines Brigadegenerals der Nordstaaten. Adolph Mehler hatte als preußischer Offizier im Schleswig-Holstein Krieg 1848-49 gekämpft und befehligte nun im Amerikanischen Bürgerkrieg als Oberst das 98. Infanterieregiment. Am 12. März 1863 wurde Oberst Mehler wegen Betruges und Falschaussage unehrenhaft entlassen. Eine Nachprüfung des Vorgangs ergab jedoch die Unschuld von Adolph Mehler, so dass seine Reputation bereits am 18. Juni 1863 wiederhergestellt werden konnte. Nach der Entlassung von Oberst Mehler kommandierte Johann Friedrich Ballier wieder das 98. Regiment aus Pennsylvania. Er hatte es ursprünglich organisiert und aus Teilen der 21. Infanterie (3-Monate-Einheit) neu formiert. Der Kommandeur des 111. Infanterieregimentes von Pennsylvania war von Januar bis August 1862 der aus Bayern eingewanderte Matthias Schlaudecker, ein Händler aus Erie, Pennsylvania. Schlaudecker befehligte später die 2. Brigade der 2. Division im II. Armeecorps, bis er schließlich krankheitsbedingt im November 1862 aus dem Militärdienst ausschied.

Karl August Knoderer wurde am 26. März 1824 im badischen Emmendingen (heute Baden Württemberg, Regierungsbezirk Freiburg), etwa 15 km nördlich von Freiburg im Breisgau, geboren. In Karlsruhe wurde er zum Offizier ausgebildet. Während der revolutionären Unruhen 1848/49 stand er jedoch auf der Seite der Insurgenten. Nach dem Scheitern der Revolution floh Knoderer nach Amerika und arbeitete hier in einem Ingenieurbüro für die Navy. Im September 1861 gehörte Knoderer als Hauptmann dem Stab von General Sigel an. Im September 1862 übernahm er als Oberst das 11. Milizregiment aus Pennsylvania. Am 6. November 1862 wurde er zum Oberst der 167. PA Infanterie ernannt. Oberst Knoderer starb am 15. Februar 1863 in Suffolk, VA, an den Verletzungen, die er sich im Gefecht zugezogen hatte.


Theodor Friedrich Lehmann wurde am 1. März 1812 in Eystrup, Hannover (heute Niedersachsen, Landkreis Nienburg/Weser), etwa 50 km südöstlich von Bremen, geboren. Nach einer militärischen Ausbildung diente er für 6 Jahre in der hannoverischen Armee als Offizier. 1837 kam er nach Amerika, wo er sich in Pittsburg niederließ und eine Anstellung als Lehrer fand. Am 1. Juli 1861 wurde er zum Oberstleutnant im 62. Pennsylvania Regiment ernannt, dessen Organistaion im Wesentlichen seinen Bemühungen zu verdanken war. Im Oktober 1861 übernahm er als Oberst das 103. Pennsylvania Regiment. Fungierte später mehrfach als Brigadekommandeur im 18. Armeecorps der Unionsarmee. Im April 1864 geriet er bei Plymouth, North Carolina, in Gefangenschaft. Nach einem Gefangenenaustausch übernahm er unterschiedliche Departments. Lehmann wurde am 25. Juni 1865 ehrenhaft aus dem Armeedienst verabschiedet. Nach dem Krieg trat er die Stelle des Präsidenten in der Western Pennsylvania Military Academy an. Theodor Lehmann starb am 6. Dezember 1894 in Washington D.C. Theodor Lehmann verfügte über einige ganz außergewöhnliche Talente, und so betätigte er sich neben seinen musischen Begabungen auch als Erfinder, Techniker und Chemiker. Er war ebenso als Musiker und Schauspieler im engsten Freundeskreis beliebt und bekannt. Zeitlebens gelang es ihm jedoch nicht, aus seinen Begabungen Kapital zu schlagen. 

Während sich in den 24 Kavallerieverbänden aus Pennsylvania keine eigenständigen deutschen Verbände über die Kompanie hinaus etablieren konnten, so dienten fast ausschließlich Deutsche in der 3. Schweren Artillerie unter dem ehemaligen badische Offizier Major Franz Wilhelm von Schilling (1832-1895). Er gehörte zu dem ominösen Kreis der Abenteurer und Glücksritter, die in Amerika einen Neuanfang wagten, und kam erst im Jahre 1861 in die USA. Nach dem Krieg heiratete von Schilling die Amerikanerin Mary "Molly" Booker. Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1881 kehrte Franz von Schilling nach Deutschland zurück, ließ sich in Karlsruhe nieder und starb hier im Jahre 1895. Auch im 1. Pennsylvania Leichte Artillerieregiment war die Beteiligung der Deutschen groß. Der Befehlshaber der 2. Pennsylvania Schweren Artillerie vom Februar bis Juni 1862 war Karl Angeroth, ein ehemaliger preußischer Artillerist und Teilnehmer am Krieg gegen Mexiko. Begonnen hatte er seinen Dienst im Mai 1861 als Oberstleutnant des 27. Pennsylvania-Infanterieregimentes. Seine starke Affinität zur Artillerie ließ Angeroth schließlich im September 1861 den Dienst quittieren, um fünf Monate später eine angemessene Stelle in einer Artillerieeinheit zu finden. Max Friedman, aus Mühlhausen in der Oberpfalz gebürtig, befehligte als Oberst vom August 1861 bis zum März 1862 das 5. Reiterregiment aus Pennsylvanien. Ebenfall aus den Territorien des deutschen Bundes stammte Wilhelm Frischmuth, der bis April 1862 als Kommandeur der 12. Pennsylvania Cavalry fungierte. Beide Reiterregimenter zählten vereinzelt Deutsche in den Reihen. Weiterhin verteilten sich zahlreiche Neueinwanderer auf nahezu alle Regimenter der einzelnen Waffengattungen. In den meisten Fällen bildeten sie separate Kompanien und demonstrierten oft genug mit Stolz ihre Herkunft, die alle miteinander verband.

Der Deutsche Adam Kramer (geboren 1838 in Hessen?) diente bereits vor dem Krieg im 2. US Dragonerregiment (er hatte sich am 16. Mai 1857 als private in der F Kompanie eingeschrieben). Er war 1855 nach New York gekommen. 1863 wurde er zum Hauptmann im 15. Pennsylvania Kavallerieregiment befördert und wurde am 21. Juni 1865 ehrenhaft aus der Armee verabschiedet. Noch vor Ende des Bürgerkrieges diente er als 2. Leutnant im 2nd USCC (United States Colored Cavalry), einer Farbigeneinheit. Adam Kramer kämpfte nach dem Krieg gegen die Indianer (er diente 1866 in der 7. US - Kavallerie) und schied 1897 als Major aus dem aktiven Dienst. Adam Kramer starb am 10. November 1901 in Iowa City, Iowa.


Thomas Severn Brenholts befehligte das 50. Pennsylvania Regiment, welches fast zur Hälfte aus Deutschen bestand. Brenholtz hatte zwar deutsche Wurzeln, war aber in Reading, Pennsylvania, geboren worden und sollte während der Belagerung von Vicksburg im Juli 1864 fallen.

[i] Im Jahre 1854 brach der so genannte Krimkrieg zwischen Russland und der Türkei aus, der im wesentlich die Machtansprüche auf dem Balkan regeln sollte. Russlands Kriegsführung scheiterte schließlich 1856 an den leeren Staatskassen.

 

 

zurück zur Übersicht