Sharps Carbine

 

Oben liegt ein Original Sharps Karabiner, Modell 1863, darunter die Replik eines Modells 1859 von Pedersoli. Beide Karabiner messen knapp einen Meter Gesamtlänge, 55 cm entfallen dabei auf den Lauf. Der Pedersoli Nachbau ist mit 3,6 kg nur etwas schwerer als das 1863er Original. Der Lauf besitzt sechs Züge.

 

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Christian Sharps gehörte zu den Profis im Waffengeschäft. Sein handwerkliches und konstruktives Können hatte er dabei in der Waffenschmiede von John H. Hall erlernt. Bis 1873, ein Jahr vor seinem Tode, beanspruchte Christian Sharps immerhin 19 Patente. Sharps bastelte lange an seinem Fallblocklader, um insbesondere das Problem der nach hinten ausströmenden Pulvergase zu lösen. Nüchtern betrachtet, ist ihm die Lösung des Problems nicht hundertprozentig zufrieden stellend gelungen. Kein Grund allerdings, seine Waffen im US - Bürgerkrieg nicht erfolgreich einzusetzen. Im Wesentlichen kamen zwischen 1861 und 1865 drei unterschiedliche Modelle zum Einsatz: New Model 1859 mit Patchbox und verbessertem Gasverschluss. Etwa 50.000 Stück wurden hergestellt. New Model 1863 mit und ohne Patchbox, insgesamt etwa 65.000 Stück. New Model 1865 Karabiner kamen kurz vor Kriegsende. Die Waffe wurde in einer Stückzahl von etwa 5000 Exemplaren ohne Patchbox ausgeliefert. Einer Befragung des Kriegsministeriums in den Jahren 1863 / 64 zufolge gaben 215 Offiziere an, bei dem Sharps Karabiner handele es sich um die beste Waffe. 199 Befragte bezeichneten den Sharps als gut, 3 als vertretbar und nur 5 Offiziere als Wertlos. Der Sharps Karabiner war derart beliebt, dass zwischen 1862 und 1864 eine Kopie in den Südstaaten gefertigt wurde. Insgesamt produzierten zwei konföderierte Manufakturen 5200 Sharps Karabiner mit Messinggarnitur und einfacher Visierung.

 

Der Pedersoli Nachbau (unten) wirkt nicht nur massiver, sondern die Modelle 1859 waren tatsächlich massiver in ihrer Konstruktion. Im Verlauf des Bürgerkrieges musste dann allerdings gespart werden. Die Waffen wurden schlanker und die Patchbox entfiel. Unten liegen zwei Papierpatronen im Kaliber .54, mit denen der moderne Sportschütze von heute seine Sharps testen kann.

 

William Thompson (1813 - 1897), Oberst der 1. Iowa Kavallerie, war von den Sharps Karabinern ganz begeistert. Sein Statement aus dem Jahre 1864: "Es gibt nichts besseres als Sharps Karabiner. Im Gefecht ist er absolut gleichwertig mit Miniè Gewehren, und die Leichtigkeit und Genauigkeit, mit der die Waffen geladen werden können, macht unsere Reiter mehr als als nur gleichwertig mit der feindlichen Infanterie und bringt sogar große Überlegenheit gegenüber ihrer Kavallerie."

 

                            

Schlossplatte und der Fallblock der 1863er Sharps. Rechts ist der Maynard Tape Primer zu erkennen, der Zündpillen aus einer Röhre nach oben schob. Die Kavalleristen benutzten dieses, von Richard S. Lawrence am 12. April 1859 verbesserte System, nur im äußersten Notfall.

Martin R. M. Wallace (1829 - 1902), Oberst der 4. Illinois Kavallerie, bezeichnete den Sharps Karabiner als die beste Waffe, die ihm je untergekommen ist.

 

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