Das XI. Unionscorps

 

Die Grundlage für den Hegemonialanspruch des römischen Reiches bildeten seine Armeen. Dabei klügelten die Herrscher und militärischen Führer in einem jahrhunderte dauernden Prozess eine Armeestruktur aus, die an Effektivität und Schlagkraft keinen Gegner fürchten musste. Die Legionen waren geboren. Dieser massive aber dennoch äußerst bewegliche Verband bestand aus 6000 Infanteristen und bildete das Rückrad der römischen Armee. In den unzähligen Schlachten, die Rom auf dem Weg zur Weltmacht führte, wälzten diese gewaltigen Legionen im Schutze ihrer breiten Schilde und Panzerungen alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte.

Gut 2000 Jahre später symbolisierten aus Messing geformte Adler an den Standarten der napoleonischen Armee die enorme Schlagkraft der Truppen und knüpfte auf diese Weise an die Erfolge der Römer an. Im Unterschied zu den damaligen Herrschern wie Scipio oder Marius musste Napoleon die gewachsenen Anforderungen an seine Soldaten berücksichtigen. So konnte ein massiver Truppenkörper von mehreren tausend Mann keinen Schutz unter Schildern oder Brustpanzerungen vor den Geschossen des Gegners finden. Darüber hinaus konnte durch die Einführung der Vorderladerwaffen das Schlachtfeld bereits nach einigen hundert Metern Distanz eröffnet werden. Nur die Taktik und das Zusammenspiel mehrerer dieser großen Truppenkörper hatten sich kaum geändert. Der Ausgang einer Schlacht hing also immer noch ganz wesentlich von den Feldherrenkünsten des Oberbefehlshabers ab.

Napoleon Bonarparte gehörte in dieser Hinsicht zu den ganz Großen in der Weltgeschichte. Er erkannte rasch, dass er die Stärke seiner Truppen zwingend erhöhen musste, ohne dabei auf Flexibilität und Zusammenspiel zu verzichten. Erstmals gliederte Napoleon seine Corps in mehrere Divisionen und erreichte dabei eine ständig schwankende Truppenstärke zwischen 16.000 und 70.000 Mann. Weiterhin erhielt jedes Armeecorps Artillerie- und Kavalleriebrigaden sowie Pionierkompanien, die jederzeit wieder herausgelöst werden und daher autonom operieren konnten. Dabei war es immer möglich, auf einzelnen Corps unabhängig von einander oder geschickt im Zusammenspiel miteinander zurückgreifen zu können. Napoleon hatte erstmalig eindeutig die Rolle eines Armeecorps definiert.

Mit Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges standen die Oberbefehlshaber genau vor der gleichen Problematik, die Napoleon seinerzeit erkannt und brillant gelöst hatte. Die Ursachen, die schließlich im März 1862 zur Bildung von Armeecorps auf Seiten der Nordstaaten führten, lassen sich genau auf die eben geschilderte bessere Koordination der mittlerweile stark angewachsenen Armeekräfte zurückführen. Der taktische und logistische Zugriff war nun spürbar verbessert worden.

Insgesamt formierten sich bis Kriegsende 25 Unionscorps, die ständigen Personalschwankungen zwischen 8.000 und 25.000 Mann unterworfen waren. Im Idealfall gliederte sich ein Unionscorps in drei Divisionen. Diese wiederum beinhalteten jeweils drei Brigaden zu fünf Regimentern. Ein solch strukturiertes Armeecorps bestand also im Ganzen aus 45 Regimentern. Hinzu kamen 9 leichte Artilleriebatterien. De facto hatte es aber eine solche Zusammensetzung nur sehr selten gegeben. Die amerikanische Generalität führte während des Krieges oft Umstrukturierungen durch, um das Zusammenwirken der Truppenkörper zu optimieren. Nicht immer waren solche Eingriffe von Erfolg gekrönt.

Nachdem US – Generalmajor Ambrose E. Burnside im November 1862 den Oberbefehl über die Potomacarmee, der Zusammenschluss der Unionsstreitkräfte auf dem östlichen Kriegsschauplatz, übernommen hatte, befahl er die sofortige Umstrukturierung der Armeecorps. Er gliederte sie nach französischem Vorbild in so genannte Großdivisionen (Granddivision). Obwohl General Burnside dadurch die Möglichkeit gegeben wurde, direkter innerhalb der zentralistisch geordneten Truppen eingreifen zu können, versagte er bereits einen Monat später kläglich in der vernichteten Schlacht von Fredericksburg. Die Truppenkonzentration war über ein kontrollierbares Maß hinausgewachsen.

Nur das Genie eines Napoleons hätte die relativ starren Truppenkörper erfolgreich befehligen können und dabei ständig den Überblick behalten. Burnside war zu keinem Zeitpunkt in der Lage dazu. Er hatte seine elementaren Grundlagen der Kriegskunst an der Militärakademie von West Point erlernt. Hier wurde grundlegend eine Art der modifizierten Strategie und Taktik à la Napoleon gelehrt. Geänderte Situationen des Bürgerkrieges waren für die Offiziersabgänger, die später in den Reihen der verfeindeten Armeen befehligen sollten, kein Thema. Ein Lernprozess begleitete praktisch jeden Absolventen während der Feldzüge und führte häufig zu schmerzvollen und furchtbaren Erkenntnissen.

Man kann daher General Burnside sicher nur das Verkennen der realen Situation vorwerfen, die eine einfache Projektion französischer Reglements von 1800 nur bedingt und in einigen Fällen überhaupt nicht zuließ. Allerdings äußerte der General seit seiner Beförderung zum Kommandeur der Potomacarmee wiederholt Zweifel an der Eignung seiner Person. Leider sollten sich diese Zweifel bald als berechtigt erweisen. Nach der verheerenden Niederlage von Fredericksburg wurde Burnside entlassen und seine drei Grand Divisionen wieder aufgelöst. Hierdurch erhielt auch das XI. Corps, welches der Grand Division unter General Joseph Hooker zugeteilt war, seine Eigenständigkeit. Das Corps hatte seine Ursprünge im I. Corps. Dieser Verband wiederum ging aus der Übernahme der Regimenter der Division unter General Ludwig Blenker am 26. Juni 1862 hervor.

Ludwig Blenker, ein 48er aus Worms, hatte von August 1861 bis Juni 1862 eine etwa 10.000 Mann starke multiethnische Division kommandiert, die allerdings aufgrund anhaltender Erfolglosigkeit aufgelöst wurde. Kommandeur des dadurch neu geschaffenen I. Corps wurde Generalmajor John Charles Fremont, der sich einen Ruf als „Pfadfinder“ während der Erschließung des Westens gemacht hatte. Kurze Zeit später, am 29. Juni 1862, löste der ehemalige badische Revolutionär Franz Sigel den Kommandeur des I. Corps ab. Er gliederte das Corps in drei Divisionen, die von den Generalen Robert Cumming Schenck (1. Division), Adolph von Steinwehr (2. Division) und Carl Schurz (3. Division) befehligt wurden. Weiterhin stand dem I. Corps eine unabhängige Brigade unter Brigadegeneral Robert H. Milroy zur Verfügung.

In dieser Konstellation beteiligten sich nunmehr die Soldaten, die überwiegend aus Deutschland stammten, an der zweiten Schlacht von Bull vom 29. und 30. August 1862. Die Schlacht endete mit einer Niederlage für die Unionstruppen. Das I. Corps hatte 295 tote Soldaten zu beklagen. Insgesamt musste es 2.087 Ausfälle verzeichnen. Unter den Toten befand sich auch der Kommandeur der 73. Pennsylvania Infanterie, Oberst Johann A. Koltes, der noch im Juni 1862 als Interimsbefehlshaber der 2. Brigade in der Division Blenker fungiert hatte. Am 12. September 1862 erließ Präsident Abraham Lincoln die Allgemeine Kriegsorder Nr. 129, die eine Auflösung des I. Corps vorsah und die Truppen in ein neu zu errichtendes XI. Corps überführen sollte. Diese Entscheidung lag darin begründet, dass bereits seit März 1862 ein I. Unionscorps unter Generalmajor Irwin McDowell existierte. Sonderbarerweise musste es sich bis zur Umstrukturierung des nummerngleichen Corps als III. Corps der Armee von Virginia betiteln lassen, bis General McDowell nach langen Protesten die Re-Nummerierung durchsetzen konnte.

Im November 1862 reiste General Sigel nach Washington, um vor einem Ausschuss wegen Vorwürfen in Verbindung mit der Schlacht am Bull Run, auszusagen. Während seiner Abwesenheit übernahm der ehemalige ungarische Revolutionär Julius Stahel das Kommando bis zum Frühjahr 1863. Erst im März 1863 manifestierte sich die Struktur im XI. Corps, nachdem Franz Sigel zurückgetreten war. Am 31. des Monats wurde Generalmajor Oliver Otis Howard die Befehlsgewalt über das Corps übertragen.

Verbunden waren damit Unstimmigkeiten auf der Kommandoebene, da gemäß der Hierarchie Carl Schurz den Oberbefehl übernehmen sollte. Obwohl er kurz zuvor zum Generalmajor avanciert und dadurch der Rangälteste (geboren 1829) war, so stand dennoch Oliver O. Howard (geboren 1830) der Oberbefehl zu, da dieser bereits im November 1862 zum Generalmajor der Nordstaaten befördert worden war. Damit begann ein interner Konflikt zu wachsen, der nach den Chancellorsville Feldzügen seine Höhepunkt erreichen und bis zur Auflösung des XI. Corps im April 1864 Bestand haben sollte. Howard war alles andere als beliebt. Das galt auch für die angloamerikanischen Einheiten.

Von den 26 Regimentern und den 6 Artilleriebatterien waren 13 Regimenter nahezu Deutsch. Von ihnen wurde Howard zwar respektiert, aber der ewig auf Gott vertrauende General durfte keinen grenzenlosen Gehorsam erwarten. Selbst unter den Einheiten bestand keine besonders freundschaftliche Beziehung. Die meisten der angloamerikanischen Regimenter hätten in jedem anderen Corps gedient, nur nicht in diesem „dutch“ Corps. Zurückzuführen ist dies auf den schlechten Ruf der deutschen Einheiten, seit ihrem Zusammenschluss in der Division unter General Blenker. Sein Fehlverhalten bestand darin, die Regimenter im übertrieben Maße zur Schau zu stellen. In den Schlachten konnte er die Erwartungen dann jedoch nur mäßig erfüllen. Der einfache Soldat in den amerikanischen Einheiten traute diesen Regimentern nicht und zweifelte bald an den militärischen Fähigkeiten. Man begegnete einander arrogant und in vielen Fällen respektlos selbst gegenüber den Offizieren in den deutschen Regimentern. In der Schlacht von Chancellorsville entlud sich der angestaute Hass in einer geradezu furchtbaren Weise. 

Im XI. Corps begann eine Separation zu blühen, die bald schon durch die Befehlsübergaben neue Nahrung erhielten. Charles Devens Jr., ein Rechtsanwalt aus Massachusetts, erhielt den Posten des Kommandeurs der 1. Division. Sein Stellvertreter wurde der fünf Jahre ältere Nathaniel C. McLean, ebenfalls Rechtsanwalt, allerdings aus Ohio. Die Division zählte etwas mehr als 4.000 Soldaten in zwei Brigaden. Die erste Brigade befehligte Oberst Leopold von Gilsa, ein ehemaliger preußischer Offizier und Teilnehmer des der Schleswig – Holstein Feldzüge gegen Dänemark. Seine vier Regimenter bestanden überwiegend aus deutschen Einwanderern, die bereits zwei Jahre im Dienste der Union kämpften. Das 41. New Yorker Regiment, das so genannte „deKalb“ Regiment, stand seit Juni 1861 unter Waffen und hatte an den Feldzügen unter General Blenker im Sommer 1862 teilgenommen. Während der zweiten Schlacht am Bull Run am 29. und 30. August 1862 waren 27 Soldaten des Regimentes tödlich verwundet worden. Zweifelsfrei handelte es sich bei den Männern um erfahrene Veteranen. Nachdem der Befehlshaber Leopold von Gilsa die Brigade übernahmen hatte, erhielt der aus Sachsen stammende Detleo von Einsiedel das Kommando über das 41. Regiment.

Auch das 45. New Yorker Regiment konnte auf die gleichen Kriegseinsätze verweisen. Die Männer unter Oberst Georg von Amsberg waren ursprünglich aus Norddeutschland eingewandert. Aus diesem Grund war das Regiment überall als das Plattdeutsche bekannt. Von Amsberg hatte nach seiner Teilnahme an den Aufständen in Deutschland eine mehrjährige Festungshaft  verbüßen müssen und kam erst Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts nach Amerika. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges arbeitete er als Reitlehrer in Hoboken, New York.

Das als Schwarzen Jäger bekannte 54. New York Regiment stand unter dem Befehl des ungarischen Revolutionärs Eugene Arthur Kozlay. Auch seine Männer hatten ihre ersten Erfahrungen in der Division General Blenkers gesammelt und kannten daher das Kriegshandwerk.

Eugene Arthur Kozlay wurde 1826 in Ungarn geboren. Vor seiner Auswanderung nach Amerika diente er als Hauptmann in der österreichisch-ungarischen Armee. Im Amerikanischen Bürgerkrieg kommandierte er das 54. Infanterieregiment von New York und erhielt später den Titularrang eines Brigadegenerals. Kozlay arbeitete nach dem Krieg in einem Ingenieurbüro und starb am 1. April 1883 in Brooklyn, New York. 

Seit März 1863 kommandierte der ehemalige österreichische Offizier Steven Kovacs die Soldaten, die überwiegend aus Deutschland stammten. Das letzte Regiment in der ersten Brigade war eine Einheit aus Pennsylvania. 

Das 153. Regiment wurde im September 1862 unter den Befehl von Oberst Charles Glanz eingemustert. Es gehörte zu den neuen und daher unerfahrenen Einheiten in der Brigade. Im Regiment selbst dienten etwa zur Hälfte Deutsche oder Abkömmlinge der zweiten Generation. Oberst Glanz, ein späterer Diplomat in Polen, wurde während der dritten Angriffswelle bei Chancellorsville von den Konföderierten gefangen genommen.

Karl Friedrich Wilhelm Glanz wurde 1823 in Braunschweig geboren. Nach seiner Ankunft in Amerika betätigte er sich im Brauerreigewerbe. Am 24. Mai 1861 wurde er als Major im 9. Pennsylvania Regiment für 3 Monate eingemustert. Am 11. Oktober 1862 übernahm Glanz als Oberst das 153. Regiment aus Pennsylvania. Bei Chancellorsville geriet er in Gefangenschaft. Oberst Glanz wurde am 24. Juli 1863 ehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen. Glanz starb am 24. Juli 1880 in Easton, Pennsylvania.

Die zweite Brigade stand unter dem Befehl von Brigadegeneral Nathaniel C. McLean. In den vier Regimentern aus Ohio und einem Regiment aus Connecticut hatten sich fast ausschließlich Angloamerikaner eingeschrieben. Auch diese Männer zählten bis auf einige Ausnahmen zu den erfahrenen Soldaten im Corps.

Das 17. Connecticut Regiment konnte im August 1862 zum Dienst eingemustert werden. Chancellorsville war die erste Schlacht, die die Männer unter Oberst William Henry Noble, einem Rechtsanwalt und Politiker aus Bridgeport, Connecticut, bestehen mussten. 42 Soldaten der 17. Connecticut Infanterie wurden dabei getötet oder schwer verwundet.

Anders verhielt es allerdings sich mit dem 25. Regiment aus Ohio. Oberst William P. Richardson, ein Rechtsanwalt, der bereits im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1846 bis 1848 gekämpft hatte, konnte seine Männer bereits in einigen Schlachten kommandieren. Das Regiment bewährte sich seit September 1861 in nicht weniger als sieben Schlachten in denen es 55 Soldaten verloren hatte. Mit Chancellorsville sollte ein weiterer hoher Blutzoll entrichtet werden, der die Verluste aus der Vergangenheit weit überstieg.

Über nicht ganz soviel Kriegserfahrung verfügte das 55. Ohio Regiment unter Oberst John C. Lee. Der Rechtsanwalt und spätere Politiker hatte seine Soldaten im Herbst 1861 für drei Jahre Kriegsdienst verpflichtet. Besonders schwere Verluste mussten die Soldaten in der zweiten Schlacht am Bull Run erleiden. Das Regiment rekrutierte sich fast ausnahmslos aus Angloamerikanern.

Aus Cincinnati und Umgebung eilten die Freiwilligen herbei, um im November 1861 im 75. Ohio Regiment vereidigt zu werden. Dabei handelte es sich zum größten Teil um amerikanische Freiwillige. Die Männer verfügten über einige Erfahrungen während der Feldzüge, darunter Cross Keys und Bull Run. Bei Chancellorsville erlitten sie ihre größten Verluste, darunter der getötete Oberst Robert Reily.

Etwa ¾ der Soldaten im 107. Ohio Regiment waren Deutsche. Die Männer hatten sich im Sommer 1862 für drei Jahre zum Dienst verpflichtet. Bis zum Mai 1863 verbrachten die Soldaten unter ihrem Oberst Seraphim Meyer die meiste Zeit mit Exerzieren. Seit der Eingliederung im XI. Corps wurde das Programm durch ständiges Marschieren erweitert. Kampferprobt war das Regiment allerdings nicht. Weiterhin führte die 1. Division noch die Artillerie unter Hauptmann Julius Dieckmann. Ihm unterstanden 123 Kanoniere, die 6 Kanonen im Kaliber drei Zoll bedienten. Diese gezogenen Geschütze waren äußerst beweglich und verschossen präzise ihre fast 10 Pfund schweren Kugeln.

Die 2. Division stand unter dem Befehl des allseits beliebten Brigadegeneral Adolph von Steinwehr. Die 1. Brigade kommandierte dabei der Berufssoldat Adolph Buschbeck, der aus Koblenz stammte. Brigadegeneral Francis C. Barlow befehligte die 2. Brigade in einer Stärke von 1.735 Mann. Alle Regimenter aus New York, Pennsylvania, Ohio und Massachusetts hatten Kampferfahrung, einige dienten seit Beginn des Krieges.

Als „First German Infantry“ dienten die Männer des 29. New Yorker Regimentes bereits seit Mai 1861 in der Union. Fast alle stammten aus Deutschland. Der erste Kommandeur war Adolph von Steinwehr, der später zum General aufstieg und die 2. Division im XI. Corps übernahm. Ihr Kriegseinsatz erstreckte sich von der ersten Schlacht am Bull Run über Cross Keys, bis die Männer im Sommer 1862 ein zweites Mal am Bull Run den Konföderierten gegenüber standen. Die Veteranen rückten unter Oberst Louis Hartmann nach Chancellorsville ab, um sich hier einzugraben. Louis Hartmann wurde 1821 in Braunschweig geboren und emigrierte später nach New York, wo er als Händler arbeitete. Während der dritten Angriffeswelle am 2. Mai 1863 wurde ihm durch die linke Schulter geschossen.

Ludwig F. Hartmann wurde 1821 in Braunschweig geboren. Am 29. September 1861 schrieb er sich als Hauptmann der A-Kompanie im 29. Infanterieregiment von New York ein. Im Mai des Folgejahres erhielt er seine Beförderung zum Major. Am 14. April 1863 wurde Hartmann zum Oberst des Regimentes befördert. In der Schlacht bei Chancellorsville erhielt er einen Durchschuss in der linken Schulter. Ludwig Hartmann wurde am 20. Juni 1863 ehrenvoll aus der Armee entlassen und starb am 15. April 1876 in Milwaukee, Wisconsin.

Nur etwa drei Prozent der Soldaten im 154. New Yorker Regiment waren in Deutschland geboren worden. Das Regiment konnte im Sommer 1862 rekrutiert werden. Nachdem es im Oktober des gleichen Jahres vom XI. Corps übernommen wurde, äußerte der Regimentsarzt Henry Van Aernam seine Hoffnungen gegenüber dem neuen Befehlshaber. „General Segel [sic] ist einer der besten Generale, die dieser Krieg hervorgebracht hat. Er sieht ziemlich deutsch (dutchy) aus und spricht nur gebrochen unsere Sprache“. Um das Durcheinander zu komplettieren, übernahm der Ire Patrick Henry Jones das 154. New York Regiment. Während der verhängnisvollen Schlacht von Fredericksburg spielte das Regiment wie alle Einheiten des XI. Corps nur eine Zuschauerrolle. Als Reservecorps eingeteilt konnten sie mit Schrecken die Angriffe ihrer Kameraden beobachten, die gnadenlos im Artilleriefeuer des Feindes niedergemäht wurden. Chancellorsville sollte die erste Schlacht sein, an der das 154. Regiment aktiv teilnahm.

Bereits im Mai 1861 konnte das 27. Pennsylvania Regiment unter starker deutscher Beteiligung in New Jersey unter Oberst Max Einstein eingemustert werden. Kurze Zeit später wurde er von Adolph E. Buschbeck abgelöst, der allerdings wiederum im Sommer 1862 zum Brigadekommandeur avancierte. Von  nun an befehligte Franz Laurenz Cantador das 27. Regiment. Geboren wurde er 1810 in Düsseldorf. Während der revolutionären Unruhen von 1848 gehörte er zu den Führern der Insurgenten, woraufhin ihn preußisches Militär im Dezember 1848 festnahm. Ein Jahr später emigrierte er nach Amerika, wo er seit 1855 als Mitglied der „Deutschen Gesellschaft von Pennsylvania“ wirkte. Cantador, der mit Ferdinand Lassalle und Ferdinand Freiligrath eng befreundet war, gehörte zu den entschiedenen Streitern für die Union und übernahm im September 1861, nunmehr 51 jährig, den Majorsposten im 27. Regiment. In der Division unter General Blenker beteiligte sich das Regiment an den Feldzügen von 1862. Als sie im Mai 1863 in den dichten Wäldern um Chancellorsville biwakierten, waren sie keine blutigen Anfänger mehr.

Über 90 Prozent der 73. Pennsylvania Freiwilligen Infanterie waren gebürtige Deutsche, die sich in Philadelphia niedergelassen hatten. Bereits seit 1840 lebte der Schweizer Johann A. Koltes in Amerika. Während des Mexikanischen-Amerikanischen Krieges konnte er erste militärische Erfahrungen in seiner neuen Heimat sammeln. Im September 1861 übernahm er das Kommando über das 73. Regiment und fiel an der Spitze der Soldaten in der zweiten Schlacht am Bull Run. Nun führte der in Deutschland geborene William Moore seine Soldaten in der verhängnisvollen Schlacht vom Mai 1863.

Nahezu ohne deutsche Emigranten zog das 33. Massachusetts Infanterieregiment in den Krieg. Der Harvardabsolvent und spätere Rechtsanwalt Adin B. Underwood hatte die Männer erst Anfang April 1863 übernommen. Außer Festungsdienst und dem strapaziösen Schlammarsch von Fredericksburg hatten die Soldaten des 33. Regimentes noch keinen Pulverdampf gerochen, wie es seinerzeit gern formuliert wurde.

Ebenfalls unerfahren und ohne deutsche Rekruten zog das 134. New Yorker Regiment in das große Abenteuer. Wie alle Regimenter in der zweiten Brigade kamen sie während der Schlacht von Chancellorsville mit einem blauen Auge davon. Keiner der Soldaten und Offiziere wurde getötet. Das Kommando hatte der Börsenmakler Charles R. Coster übernommen, der im November des gleichen Jahres aus „zwingenden privaten Gründen“ seinen Abschied nahm.

Aus New Hampshire stammte James Wood Jr. Er hatte am Union College, New York, Rechtswissenschaft studiert. Nun befehligte er knapp 1000 Mann im 136. New Yorker Regiment und gehörte wie sie zu den militärischen Anfängern. In diesem Regiment dienten auch vereinzelt Deutsche.

Kein Rechtsanwalt sondern Geschäftsführer einer Eisenbahngesellschaft, kommandierte nun als Oberst das 73. Ohio Freiwilligenregiment. Orland Smith stammte aus Maine. Im Gegensatz zu seinen Offizierskollegen in der Brigade verfügten er und seine Männer bereits über Kampferfahrung. Allein in der zweiten Schlacht am Bull Run vom Sommer 1862 waren 25 Soldaten des 73. Regimentes getötet worden. Für seinen verdienstvollen Einsatz während des Bürgerkrieges erhielt Orland Smith später das Brevet eines Brigadegenerals.

Als Artillerie stand die 1. Leichte Batterie New York unter dem aus Frankreich stammenden Hauptmann Michael Wiedrich der zweiten Brigade zur Verfügung. Vor dem Krieg hatte er als Prokurist in einer Reederei gearbeitet. Alle seiner 154 Kanoniere kannten das Kriegshandwerk bestens.

Die 3. Division war mit ihren 4.431 Mann die stärkste im XI. Corps. Befehligt wurde sie von Generalmajor Carl Schurz, der mit viel Engagement seine Aufgaben wahrnahm. Der ehemalige Mitstreiter der badischen Revolution von 1848 / 49 konnte sich in seiner neuen Heimat etablieren und wurde politisch tätig. So ist es auch seinen Beziehungen bis zum Präsidenten Lincoln zu verdanken, dass ihm im März 1863 das Patent eines Generalmajors der Freiwilligen verliehen wurde. Obwohl er auf keinerlei militärische Erfahrungen verweisen konnte, führte er seine Männer teilweise besser als einige Offiziere, die ihren Abschluss an der Militärakademie gemacht hatten.

Unter seinem Kommando stand Brigadegeneral Alexander Schimmelfennig, der die 1. Brigade befehligte. Der ehemalige preußische Offizier und Teilnehmer der Unruhen von 1848 – 49 hatte sich sein Geld bis Kriegsbeginn als Ingenieur im Kriegsministerium in Washington verdient. Seine fünf Regimenter waren überwiegend mit Deutschen besetzt und keineswegs alle blutige Anfänger.

Das 82. Regiment aus Illinois bestand aus acht Kompanien deutscher Einwanderer und jeweils einer Kompanie jüdischer Soldaten und Skandinavier. Rekrutiert wurde es im November 1862 vom ehemaligen badischen Revolutionär Friedrich Hecker. Die Männer waren allesamt ohne Erfahrungen. Bis Kriegsende nahm das 82. Regiment an etwa 13 Schlachten teil und verlor dabei über 100 Mann. Allein in der Schlacht von Chancellorsville zahlten sie einen Blutzoll von 47 getöteten oder tödlich verwundeten Soldaten. Auch Oberst Hecker wurde schwer verletzt und nachdem auch Major Ferdinand Rolshausen das Bein durchschossen wurde, übernahm Edward S. Salomon das Kommando. Er stammte aus Schleswig Holstein und hatte vor dem Krieg als Rechtsanwalt gearbeitet. Mit Kriegsbeginn organisierte er die jüdische Kompanie (Concordia Guards) im 82. Regiment, die aus Einwohnern von Chicago bestand. Die Männer hatten für die Ausrüstung über 10.000 Dollar gesammelt. Edward S. Salomon beendete den Krieg als Titular Brigadegeneral und wirkte von 1870 bis 1872 als Gouverneur des Washington Territoriums. Bekannt wurde das 68. New Yorker Regiment als „Second German Rifles“, obwohl etwa ¼ der Soldaten geborene Amerikaner waren. Der deutsche Einwanderer Robert J. Betge hatte die Einheit bereits im August 1861 organisiert. Bis August 1862 kommandierte er das Regiment, um anschließend wieder in seinem Beruf als Schreibwarenhändler zu arbeiten. Das Regiment hatte an allen Feldzügen in der Division unter General Blenker teilgenommen und dabei große Verluste erlitten.

Seit Oktober 1862 kommandierte der zwielichtige ehemalige österreichische Offizier und Leibgardist des Papstes Gotthilf Von Bourry de Ivernois das 68. Regiment. Ein Jahr nach seiner Übernahme des Regimentes wurde er wegen Trunkenheit aus dem Militärdienst entlassen. Die Trunksucht in der Armee war ein ernstzunehmendes Problem, dem nur vereinzelt nachgegangen werden konnte. Die Union hätte sicher keinen Sieg erringen können, wären alle trunksüchtigen Offiziere und Soldaten entlassen worden.

Gotthilf von Bourry de Ivernois, eine höchst zweifelhafte Person, über deren Lebensweg nicht viel bekannt ist. Im Oktober 1861 gehörte er dem illustren Stab von General Ludwig Blenker an. Am 6. August 1862 übernahm er als Oberst das 68. Infanterieregiment aus New York. Später wurde er sogar zum Brigadekommandeur im Rang eines Oberst ernannt. De Ivernois machte sich mehrfach verschiedener Vergehen schuldig, darunter Trunkenheit während des Dienstes, und wurde schließlich am 17. Mai 1864 entlassen.

Aus sicherer Entfernung konnten die Soldaten des 157. New Yorker Regimentes die Attacken auf die Stellungen des Feindes bei Fredericksburg beobachten und mussten hilflos mit ansehen, wie die Sturmreihen regelrecht niedergeschossen wurden. Über mehr Erfahrung verfügte das Regiment nicht. Den Befehl hatte Oberst Philip Perry Brown Jr., ein Lehrer aus New York. Nur sehr wenige Deutsche hatten sich im September 1862 in der Einheit verpflichtet.

Zwei Kompanien des 61. Ohio Regimentes bestanden aus irischen Einwanderern, die wegen ihrer Kaltblütigkeit und Zähigkeit gefürchtet waren. Geführt wurde das Regiment von Oberst Stephen J. McGroarty, der 1830 in Irland geboren worden war. Vor dem Krieg arbeitete er als Kurzwarenhändler. Die Soldaten hatten bereits in den Schlachten von Bull Run II und Fredericksburg gekämpft. Bei Chancellorsville erlitt das Regiment die zweithöchsten Verluste im XI. Corp. Oberst McGroarty beteiligte sich bis Kriegsende an zahlreichen Schlachten, darunter Peach Tree Creek in Georgia, wo er im Juli 1864 seinen linken Arm verlor. Auch er wurde nach dem Krieg zum Titular Brigadegeneral befördert.

Das letzte Regiment in der ersten Brigade der dritten Division kam aus Pennsylvania. Im September 1861 übernahm Alexander von Schimmelfennig das Kommando über das 74. Regiment, welches komplett aus Deutschen aus Philadelphia bestand. Als Bestandteil der Division General Blenkers rückte es in den Feldzügen von 1862 gegen die Armee General Stonewall Jacksons vor. Besonders verlustreich war dabei die zweite Schlacht am Bull Run, wo das 74. Regiment 106 Ausfälle verzeichnen musste. Nachdem Alexander von Schimmelfennig zum Brigadegeneral befördert worden war, rückte der aus Troppau in Sachsen stammende Adolph von Hartung an die Stelle des Regimentskommandeurs. Bei Chancellorsville wurden auch seine Soldaten vom Feind überrannt und zahlreiche von ihnen gefangen genommen. Die 2. Brigade führte Oberst Wladimir Krzyzanowski. Er war 1824 in Polen geboren worden und genoss wie viele seiner späteren Mitstreiter eine militärische Ausbildung. Auch er musste nach dem Scheitern der Revolution von 1848 seine Heimat verlassen. Er ließ sich in New York nieder und fand eine Anstellung als Ingenieur in einem Unternehmen. Die Regimenter seiner Brigade kamen aus New York, Pennsylvania, Wisconsin und Ohio. Bis auf das 119. New Yorker Regiment verfügten die meisten Soldaten über militärische Erfahrungen. Die Männer stammten nicht nur überwiegend aus Deutschland, sondern sie wurden auch von Landsleuten befehligt.

Im 58. New Yorker Regiment, dem so genannten „Polnischen Regiment“, hatten sich Deutsche, Franzosen, Dänen, Italiener, Polen und Russen im Juli 1861 eingeschrieben. Wie die meisten der Einheiten mit einer solch vielfältigen ethnischer Durchmischung, fand auch das 58. Regiment seinen Platz in der Division unter General Blenker. Nach den beschwerlichen Feldzügen von 1862 übernahm der Kommandeur Wladimir Krzyzanowski eine Brigade. Lediglich 225 Soldaten unter Hauptmann Friedrich Braun bezogen in der Wildnis Stellung. Bereits nach der ersten Angriffswelle der Konföderierten unter General Stonewall Jackson wurden über 30 Soldaten verwundet oder getötet. Auch Hauptmann Braun war unter den Toten.

Zu den Anfängern in der Brigade gehörten die Männer und Offiziere des 119. New Yorker Freiwilligen Regimentes. Oberst Elias Peißner befehligte die Truppe, die zu etwa 1/3 aus Deutschen bestand, seit August 1862. Der Professor für Nationalökonomie, der in Vileck in Bayern geboren wurde und in München studiert hatte, verfügte über keinerlei militärische Kenntnisse. Der Versuch, das Chaos während des Angriffes des Gegners an einer Verbindungsstrasse nach Chancellor zu ordnen, bezahlte Oberst Peißner mit dem Leben. Mit ihm verlor das 119. Regiment einen beliebten und vorbildlichen Offizier. Zu den Veteranen des blutigen Kriegshandwerkes zählte das 75. Regiment aus Pennsylvania. Viele Deutsche aus Philadelphia folgten dem Ruf Oberst Heinrich Bohlens und schrieben sich im September 1861 in die Stammrolle ein. Der reiche Kaufmann aus Bremen stieg später zum Brigadegeneral der Nordstaaten auf und fiel in der Schlacht von Freemans Ford im August 1862. Von nun an befehligte Franz Mahler die Männer. Als ehemaliger badischer Offizier und Revolutionär verfügt er über ein hohes Maß an militärischem Wissen. Aber auch er sollte den Krieg nicht überleben. Im Juli 1863, nur zwei Monate nach Chancellorsville, fiel er bei Gettysburg.

Hoch motiviert aber ohne jegliche Erfahrung im Krieg, folgten die Männer des 26. Wisconsin Infanterie Regimentes den Klängen des Spielmannzuges. Im September 1862 wurde das Regiment als „Sigel Regiment“ eingemustert und bestand vollständig aus Deutschen, die sich in Wisconsin niedergelassen hatten. Der Gouverneur des Bundesstaates, Edward S. Salomon, stammte aus einem kleinen Dorf bei Magdeburg. Er ernannte Wilhelm H. Jacobs zum Oberst des 26. Regimentes. Jacobs wurde 1831 in Braunschweig geboren und kam mit 19 Jahren nach Amerika. Hier fand er eine Anstellung als Banker. In seiner Freizeit frönte er seiner Leidenschaft als Sänger und engagierte sich mit anderen Landsleuten im Milwaukee Sängerbund. Chancellorsville zeigte die furchtbare Realität des Bürgerkrieges für die Männer, die sich alle persönlich kannten und bereits vor dem Krieg freundschaftlich verbunden waren. 25 Soldaten wurden getötet, weitere 133 verwundet, darunter auch Oberst Jacobs. Doch Chancellorsville sollte erst der Einstieg für das 26. Regiment in das blutige Handwerk sein. Über 24 Prozent der 1089 Freiwilligen im Regiment sollten den Krieg nicht überleben.

Die Artillerie in der dritten Division stellte die 1. Ohio Leichte Batterie unter Hauptmann Hubert Dilger mit 6 Napoleon Kanonen. Die 12 Pfünder hatten ein Kaliber von 4,62 Zoll und gehörten zur Standartbewaffnung der Artillerie. Dilger wurde 1836 in Engen im Schwarzwald geboren. Er diente in der badischen berittenen Artillerie und erhielt sein Patent als Leutnant. Im Frühjahr 1861 reiste er nach Amerika. Über ihn und seine Aktivitäten während des Bürgerkrieges sind viele Bücher und Artikel geschrieben worden, wenngleich Hubert Dilger selbst immer bescheiden blieb. Tatsächlich befehligte er seine Batterie vorbildlich und seine amerikanischen Kollegen respektierten ihn und nannten ihn bald „Leatherbreeches“, wegen seiner Lederhosen, die er in den Schlachten trug. Als Chef der Artillerie im XI. Corps fungierte Oberstleutnant Ludwig Schirmer, der bis zum Ausbruch des Krieges als Handelsvertreter gearbeitet hatte. Jetzt unterstanden ihm drei weitere Artilleriebatterien aus New York, Ohio und West Virginia. Im Frühjahr 1863 hatte der Oberbefehlshaber dem XI. Corps noch ein weiteres Regiment zugeteilt, welches allerdings keiner Division unterstellt war.

Oberst James S. Robinson, ein Verleger aus Kenton, Ohio, stieß mit 484 Soldaten des 82. Ohio Regimentes zum Corps. Die Männer hatten bereits ein verlustreiches vergangenes Jahr hinter sich gebracht. Dabei hatte die Einheit in der zweiten Schlacht am Bull Run ihren ersten Oberst James Cantwell verloren. Mit dem 82. Regiment verfügte das XI. Unionscorps über angloamerikanische Veteranen, die sich den ganzen Krieg hindurch bewähren sollten.

Als Feldwache und die Aufgaben einer Militärpolizei wahrnehmend, fungierte eine Kompanie der 8. New Yorker Infanterie unter Leutnant Hermann Rosenkrantz. Diese Kompanie war die einzige, die nach der Auflösung des Regimentes im April 1863 übrig geblieben war.

Im Mai 1863, kurz vor den Ereignissen von Chancellorsville, meldete das XI. Corps eine Stärke von 12.977 Mann. Diese Stärke sollte das Corps danach nie wieder erreichen. Ständige Umstrukturierungen führten im Sommer 1863 dazu, dass der junge Harvardabsolvent aus New York, Francis C. Barlow, die 1. Division im XI. Corps übernahm. Am Vorabend der Schlacht von Gettysburg zählten die drei Divisionen 10.576 Offiziere und Mannschaften. Anfang August 1863 wurde die 1. Division, die mittlerweile Brigadegeneral Alexander von Schimmelfennig befehligte, zur Belagerung der konföderierten Festung Charleston abkommandiert.

Am 24. September 1863 wurde das stark geschrumpfte Corps nach Tennessee beordert. Es bestand nur noch aus den beiden Divisionen unter den Generalen von Steinwehr und Schurz. In Tennesse vereinte es sich schließlich mit dem XII. Corps zum neuen XX. Corps unter General Joseph Hooker. Nachdem er als Oberbefehlshaber der Potomacarmee versagt hatte, übertrug Präsident Lincoln ihm die Führung des auf 21.280 angewachsenen neuen Armeecorps. Bis zur Auflösung des XX. Corps beteiligten sich die Regimenter an den Feldzügen in Carolina und paradierten ein letztes Mal im Mai 1865 in Washington. Mittlerweile waren alle deutschen Divisionskommandeure durch angloamerikanische Offiziere ersetzt worden. Das XX. Corps bestand zuletzt aus 47 Infanterieregimentern und 6 Artilleriebatterien. Zusätzlich hatte man eine Kavalleriedivision in der Stärke von 17 Regimentern beigefügt.

Von den ursprünglich 13 Regimentern, die sich überwiegend aus deutschen Einwanderern zusammengesetzt hatten, waren am Ende nur noch 4 Infanterieregimenter geblieben, die zahlreiche Deutsche in ihren Reihen einte. Tatsächlich war die Geschichte des „Dutch Corps“ keine glückliche. Von der Bildung der Einheit bis zu dessen Niedergang erfuhr es fast ständig die Kritik ihrer amerikanischen Kameraden. Doch damit nicht genug. Die amerikanische Presse, die damals wie heute einen ungeheuer großen Einfluss auf die Meinungsbildung ausübte, stellte die Soldaten des XI. Corps nahezu pausenlos an den Pranger. Während seines Aufenthaltes in den Südstaaten konnte sich der preußische Beobachter Justus Scheibert, einen Überblick über die Berichterstattung beider Seiten verschaffen. Hinsichtlich der föderierten Presse gelangte er zu folgender Erkenntnis: „Die amerikanische Presse, unter keiner Zucht gehalten, nur durch die Sucht getrieben, dem sehr neugierigen und für Sensationen empfänglichen Publikum Neues, Abnormes, Übertriebenes und Aufregendes zu liefern, ist als Quelle für Studium des Krieges deshalb eine wahre Null.“ Deutliche Formulierungen, die den aufgeklärten Erdenbürger der Gegenwart sicher nicht mehr in Erstaunen versetzt. Die Sensationspresse, so wie wir sie kennen, nahm in den Ereignissen von 1861 bis 1865 ihre Anfänge.

Ulysses S. Grant, der Sieger des Bürgerkrieges und spätere Präsident der U.S.A., erinnerte sich in seinen Memoiren, wie im Frühjahr 1863 ganz unverhohlen sein Rücktritt in der föderierten Presse gefordert worden war. Er hatte sich bezüglich seiner weiteren Pläne nicht geäußert und sich dadurch den Zorn der Medien zugezogen. Kaum auszudenken, wenn aus der Forderung Realität geworden wäre. Tatsächlich spielte die Presse auf beiden Seiten eine überwiegend negative Rolle. Der Aufstieg und Fall einer Person hing ganz wesentlich von seiner Gesprächsbereitschaft ab. Damals erfuhr man nur vereinzelt über das Versagen in der Kommandoebene, die ausschließlich mit West Point Absolventen besetzt war. Luden solch mittelmäßige Generale zur „Pressekonferenz“ ein, konnten sie sich in der Regel eines wohlwollenden Artikels sicher sein. Das zu solchen Anlässen oft auch militärische Geheimnisse verraten wurden, liegt auf der Hand. Es klingt unglaublich, aber speziell die Konföderation war durch die Unionspresse bestens über sämtliche Feldzüge und Pläne der Feldherren unterrichtet. Das Volk und auch der Präsident verlangten nach großen Siegen. Niederlagen, wie die von Chancellorsville, passten so überhaupt nicht in das Konzept einer entschlossenen Kriegspolitik in Washington. Hier war man sich rasch einig darüber, dass ein Opfer gefunden und verantwortlich gemacht werden musste. Der Niedergang des einst stolzen XI. Corps war besiegelt.