*** REPLIKEN IM TEST ***

 

Schwarzpulverschützen und Reenactment Darsteller greifen in den meisten Fällen auf originalgetreue Nachbauten historischer Waffen zurück. Originale sind relativ selten, teuer und oft zu schade, um damit auf dem Schießstand dem Hobby nachzugehen. Ich möchte Ihnen eine Reihe interessanter Originale und Repliken in ausführlichen Tests und Beschreibungen vorstellen.

 

Klappe(r)n gehört zum Handwerk

Der Kipplaufkarabiner von Gilbert Smith

Die Vielzahl an Karabiner aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Und tatsächlich waren zwischen 1861 und 1865 über 40 unterschiedliche Varianten dieser kurzen und führigen Waffen der Kavallerie im Einsatz. Darunter jede Menge interessante und zukunftweisende Modelle. Vom simplen Vorderlader über Mehrlader mit Metallpatrone bis zum Einzellader mit Zylinderverschluss. Eine einfache und geradezu geniale Variante entwickelte Gilbert Smith bereits im Jahre 1857. Lesen Sie hier die Geschichte des Smith Karabiners und erfahren Sie mehr über den Nachbau dieser Waffe.

Das Original

Geschäfte während des US - Bürgerkrieges

Teile der US – Kavallerie führten bereits seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts Hinterladerkarabiner. Von den Vorteilen der Waffen überzeug, entbrannte ein regelrechter Wettlauf zwischen den Erfindern und Konstrukteuren. Jeder tüftelte an seiner Hinterladerkonstruktion und schielte dabei misstrauisch auf die Neuentwicklungen der Konkurrenz. Einer von ihnen war der Erfinder Gilbert Smith. Viel ist über diesen Mann nicht bekannt. Geboren wurde er in Buttermilk Falls, New York. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts ließ sich Smith 4 Patente eintragen, darunter 3 für Hinterladerkonstruktionen und eine für die erforderliche spezielle Munition. Sein später erfolgreich im Amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzter Kipplauf - Karabiner ging auf das Patent vom 23. Juni 1857 (Patent Nummer 17.644) zurück. Sieben Tage später folgte die Eintragung für die dazugehörige Munition (Patent Nummer 17.702). Gilbert Smith, der über keinerlei Erfahrungen im Waffengeschäft verfügte, traf vor Beginn des Bürgerkrieges auf Thomas Poultney und David B. Trimble. Die beiden Partner arbeiteten seit 1860 im Waffengeschäft und hatten sich auf die Zulieferung verschiedener Militärartikel an Miliztruppen der einzelnen Bundesstaaten spezialisiert. Schnell wurden die Rechte zur Vermarktung des Smith Karabiners in Baltimore, Maryland, mit dem Erfinder ausgehandelt. Nun musste nur noch ein Käufer gefunden werden. Noch im Juni 1860 kam Major Raleigh E. Colston vom Virginia Military Institute zu dem Schluss, der Smith Karabiner sei aufgrund seiner Konstruktion und der speziellen Kautschukkartuschen für den Feldgebrauch ungeeignet. Colston, der später als General in der Armee der Konföderation kämpfen sollte, empfahl der Militärkommission lieber den Kauf von Burnside – oder Maynardkarabinern. Die ablehnende Haltung einiger Militärs sollte sich jedoch bald ändern. Nur zehn Monate später entbrannte der Bürgerkrieg und die neuen Einheiten der verfeindeten Lager mussten schleunigst eingekleidet und bewaffnet werden. Die Firma Poultney & Trimble sah ihre Chance gekommen. Überall waren Regierungsbeamte auf der Suche nach Waffen für die schnell anwachsenden Armeen. Bereits Ende August 1861 kam der erste Vertrag zwischen Poultney & Trimble und dem Zeugamt der US – Armee zustande. Der Chef des Zeugamtes, Brigadegeneral James W. Ripley, West Point Absolvent Jahrgang 1814 (!), beauftragte die Firma mit der Lieferung von 10.000 Karabinern nebst Zubehör zum Stückpreis von $ 32,50. Dabei kam er mit Poultney & Trimble überein, die Waffen in der Massachusetts Arms Company, Chicopee Falls in Massachusetts fertigen und jeden Monat 1.000 Stück ausliefern zu lassen. Das Unternehmen arbeitete seit 1849 und beschäftigte in der Hochkonjunktur bis zu 300 Mitarbeiter. Äußerst zufrieden mit den guten Konditionen, unterschrieb Thomas Poultney nur einen Tag später den Kontrakt. Im Winter 1861 kam es dann zur Katastrophe: ein Feuer brach in den Fertigungshallen in Chicopee Falls aus und zerstörte eine große Anzahl an Maschinen. Die Einhaltung des Auftrages schien ernsthaft gefährdet zu sein. Thomas Poultney schilderte die schwierige Situation in einem persönlichen Brief vom 10. Februar 1862 dem neuen Kriegsminister Edwin M. Stanton. Gleichzeitig versicherte er, dass „Tag und Nacht“ an der Herstellung der Karabiner gearbeitet werde, um die Einhaltung des Regierungsauftrages gewährleisten zu können. Das Unternehmen Poultney & Trimble verkaufte zwischen Januar 1862 und Juni 1865 insgesamt 30.362 Kipplauf Karabiner Modell Smith. Damit rangierte er auf der Einkaufsliste der US – Kavallerie immerhin auf Platz vier. Zahlenmäßig wurde die Waffe nur von Spencer (94.196 Stück), Sharps (80.512 Stück) und Burnside (55.567 Stück) überboten. Aufgrund steigender Konkurrenz sowie der gewissenhaften Kontrolle der Inspektoren fiel der Preis von $ 32,50 auf $ 25,00 im Jahre 1863. Im letzten Kriegsjahr bezahlte das Zeugamt nur noch $ 23,50 pro Karabiner.

Raleigh E. Colston (1825 - 1896), ein späterer General der Konföderierten, attestierte dem Smith Karabiner ein denkbar schlechtes Zeugnis.

 

Einfach und funktionell

Gilbert Smiths Erfindung war keineswegs neu. Kipplaufsysteme hatte es schon seit dem 17. Jahrhundert gegeben. Dennoch verbesserte er das Prinzip der scharniergeführten Teilung der Waffe während des Ladevorganges entscheidend. Darüber hinaus gelang es Gilbert Smith endlich einen gasdichten Hinterladerkarabiner zu entwickeln. Die Konstruktion der Waffe war einfach und funktionell: Der Schütze klappte den Lauf zum Laden über 90 Grad nach unten. Dazu musste er lediglich einen im Abzugsbügel integrierten Messingdorn bedienen, der ein flexibles Verriegelungseisen auf der Laufoberseite öffnet. Nun ließen sich Lauf und Vorderschaft problemlos nach unten kippen. Die Patrone im Kaliber .50 (tatsächlich schwankte das Geschosskaliber zwischen .52 und .525) steckte in einer Naturkautschukkartusche und konnte nun in das Patronenlager eingesetzt werden. Anschließend wurde der Lauf samt Vorderschaft nach oben zurückgekippt, das Verriegelungseisen rastete ein und verband den Lauf und Schloss des Karabiners fest miteinander. Ein konisch geformter Überstand im Patronenlager von etwa 2 mm fasste in das hintere Verschlussstück und verhinderte so den Gasaustritt. Zum Zünden setzte der Schütze ein Flügelzündhütchen auf das Piston und schon war der Karabiner schussbereit. Mit etwas Übung ließen sich so gut 10 Schuß pro Minute abgeben. In der Hand eines gedrillten Kavalleristen war ein Smith Karabiner Vorderladern sowie einigen Hinterladersystemen mit Papierpatrone weit überlegen.

Im Feldeinsatz - von Macken und anderen Problemen

Trotz der gut durchdachten Konstruktion gab es dennoch einige Schwierigkeiten mit dem Smith Karabiner. Bereits im April 1862 bemängelte Major Peter V. Hagner vom Zeugamt gebrochene Abzugsbügel. Poultney hatte ihm einen seiner Smith Karabiner überlassen, an dem nun der gewissenhafte Beamte den Mangel feststellen konnte. Major Hagner befürchtet, dass durch den gebrochenen Bügel der Entriegelungsdorn aus Messing verloren gehen könne und die Waffe infolgedessen unbrauchbar sei. Tatsächlich konnte dies nicht geschehen, da der Messingdorn im Gehäuse durch eine Schraube gegen das Herausfallen gesichert war. Am 23. April 1862 erstatte er General Ripley Meldung über die Misere. Die Firma Poultney & Trimble reagierte auf die festgestellten Mängel durch verstärkte Materialkontrolle und reduzierte darüber hinaus ab Juni des gleichen Jahres den Preis auf $ 27,00. Bis Ende 1862 waren 7.000 Karabiner an die Truppen ausgeliefert. Hier stießen die ungewohnten Kipplaufwaffen auf geteilte Meinungen. Einige Kavallerieabteilungen schätzten ihre neuen Smith’s aufgrund der Einfachheit des Systems sowie der wiederladbaren Munition. Der Karabiner ließ sich leicht zerlegen und war daher gut zu reinigen. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber den umständlichen Vorderladerwaffen. Die Männer des 2. Arkansas Kavallerieregimentes waren mit ihren Smith Karabiner sehr zufrieden. Dennoch stellten einige von ihnen fest, dass das Scharnier nach langem Gebrauch anfing zu klemmen. Andere Einheiten konnten oder wollten mit ihrer neuen Bewaffnung überhaupt nichts anfangen. Sie bemängelten die schwer zu entfernende Kautschukkartusche nach dem Schuss. Die sonst recht zufriedenen Reiter des 10. New Yorker Kavallerieregimentes beklagten die schlechte Qualität der Kartuschen. Die Probleme mit der Patrone waren dabei nicht ganz unbegründet. Noch während des Krieges bastelte Thomas Poultney an einer Kartusche aus Metallfolie, die anstatt des Kautschuks verwendet werden sollte. Oberstleutnant Horace B. Sargent vom 1. Kavallerieregiment aus Massachusetts beschwerte sich bei seinem Vorgesetzten über den Smith Karabiner. Seine Männer waren der Verzweiflung nahe, nachdem die Smith Karabiner im Dauereinsatz ständig versagt hätten. Während eines feindlichen Hinterhalts im November 1862 wurden vier seiner Reiter getötet, weil ihre Smith’s selbst nach mehrfachem (bis zu siebenmal) Aufsetzen eines neuen Flügelzündhütchens nicht gezündet hatten. Sargent bezeichnete den Karabiner als „absolut unzuverlässig“ in den Händen seiner Reiter. Mögliche Bedienungsfehler erwähnte er natürlich nicht. Oberst Sargent stieß mit der Kritik bei seinem Vorgesetzten auf offene Ohren. General James H. Wilson teilte die Abneigung seines Untergebenen und besorgte der Truppe im Januar 1863 die beliebten Sharps Karabiner.

In den Jahren 1863 und 1864 wurde durch das US – Zeugamt eine Studie über Hinterladerkarabiner im Feldeinsatz in Auftrag gegeben. Dabei berichteten 86 Offiziere über ihre Erfahrungen mit dem Smith Karabiner. 17 von ihnen hielten die Kipplaufwaffe für die beste unter den Karabinern. 46 Offiziere attestierten dem Smith ein gutes Zeugnis, 11 bescheinigten ihm Feldtauglichkeit. 4 Tester hielten den Karabiner für eine schlechte Waffe, 8 Offiziere lehnten den Smith als absolut wertlos ab. Sie erklärten dabei, dass bei einigen Waffen das Verriegelungseisen auf der Laufoberseite brechen würde, und der Karabiner nicht mehr zu gebrauchen sei.

 

Peter Valentine Hagner (1815 - 1893) beanstandete bereits im Frühjahr 1862 die Abzugsbügel der Waffe, die leicht zerbrechen konnten.

Oberstleutnant Horace B. Sargent (1821 - 1908) verlor vier seiner Männer, nachdem deren Smith Karabiner nicht gezündet hatten.

 

Nach dem Krieg kam das Aus

Mit Ende des Bürgerkrieges ging das Interesse an Hinterladerkarabinern mit Perkussionszündung schlagartig zurück. Einige Exemplare des Smith Karabiners wurden auf Metallpatrone konvertiert. Den letzten Einsatz erlebten Smith Karabiner mit Perkussionszündung während der Indianerkriege im Westen der Vereinigten Staaten. Am Morgen des 26. Juli 1865 ritten 20 Kavalleristen unter Leutnant Caspar W. Collins als Geleitschutz einem Planwagentransport entgegen, als plötzlich feindliche Cheyenne Indianer auftauchten. Eine Übermacht der Krieger drängte ihn und sein Detachement von den Planwagen ab und tötete alle 25 Soldaten unter Feldwebel Amos Custard, die als Begleitung der Versorgungswagen abkommandiert waren. Seine Männer hatten mit ihren Smith Karabinern gegen die teilweise mit modernen Henry - und Spencer Gewehren bewaffneten Indianer keine Chance. So endete der Einsatz dieses Kipplaufsystems blutig in den Prärien von Wyoming.

 

Der Nachbau

Gelungene Wiederbelebung mit Schwächen

Unser Testkandidat kommt aus der italienischen Waffenschmiede F. A. P. F. LLI PIETTA di G. & C. S. n. c. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Brescia, gut 60 Kilometer östlich von Mailand. Hier werden seit 1964 Repliken des Amerikanischen Bürgerkrieg gefertigt. Begonnen hatte alles mit dem Nachbau des Colt Revolvers Modell 1851 Navy, der sich zum Verkaufsrenner entwickeln sollte. PIETTA vertreibt seine Waffen weltweit. In Deutschland kann über FRANKONIA bezogen werden.

Mit dem Smith Karabiner hat sich das Unternehmen besondere Mühe im Hinblick auf Authentizität gegeben. Die Detailtreue spiegelt sich unter anderem in der Prägung auf der linken Schlossplatte wider. Wie beim Original befinden sich auf dem Nachbau Patentdatum, Firmenname und Fabrikbezeichnung eingestanzt. Selbst einige Einzelteile sind zwischen Original und Nachbau austauschbar. So kann etwa der Lauf samt Vorderschaft vom Original ohne Schwierigkeiten in der Replik eingesetzt werden. Aufgrund minimaler Abweichungen im Material wird auf diese Weise allerdings kein gasdichter Verschluss erreicht.

Der Smith Karabiner aus Italien ist gut 1 cm kürzer als das Original. Anstatt des tief gebläuten Laufes wurde dieser beim Nachbau sorgfältig brüniert. Ebenso Laufband, Abzugsbügel, Kolbenkappe sowie die Verriegelungsfeder auf der Laufoberseite. Besonders bemerkenswert ist das buntgehärtete Schloss. Während beim Original im Laufe der Zeit die blanke Schlossplatte zum Vorschein kommt, verleiht die kräftige Bunthärtung dem Replikat einen besonders guten Gesamteindruck. Die Verriegelung im Nachbau klappt allerdings nicht ganz reibungsfrei. Das Original schnappt fast selbständig nach oben und klickt spielerisch beim Arretieren. Beim Italiener muss hier etwas nachgeholfen werden, indem nach der Verriegelung die oben liegende Feder per Hand zusammengedrückt wird. Absolute Übereinstimmung erreichen die beiden Waffen im Kaliber. Exakt .50 (12,7 mm im Feld) sowie drei breite Züge im Rechtsdrall zeugen von ausgezeichnetem handwerklichen Können des Nachbaus. Die Dralllänge beträgt 1200 mm. Beide Karabiner bringen jeweils 3,4 kg auf die Waage.

Der Smith Nachbau mit buntgehärtetem Gehäuse. Bis auf die Anordnung sind alle eingeschlagenen Bezeichnungen identisch.

 

Probleme wie eh und je

Das eigentliche Problem bestand während des US – Bürgerkrieges in der wiederladbaren Munition. Und daran hat sich bis heute nichts geändert! Denn dem ambitionierten Schwarzpulverschützen von heute werden einige Steine in den Weg zum optimalen Schussbild gelegt. Über FRANKONIA können Spezialladehülsen aus Messing bezogen werden, die allerdings nur im Nachbau passen. Die Hülse ist mit 13,95 Euro das Stück recht teuer. Für den Smith Nachbau kann eine eigens gefertigte Kokille im Kaliber .50 für 149,00 Euro ebenfalls über FRANKONIA erworben werden. Nach dem Bleigießen wird man allerdings feststellen, dass jenes angeblich dem Original nachempfundene Projektil glatt durch den Lauf plumpst. Im freien Fall! Beim Nachmessen stellt der genervte Schwarzpulverschütze fest, dass hier 0,3 mm zum Zugkaliber fehlen. Das Geschoss passt daher weder zur Messinghülse noch zur Waffe. Um Abhilfe zu schaffen gibt es zwei Möglichkeiten. Möglichkeit 1: Man verwendet Rundkugeln im Kaliber .511 von Haendler & Natermann zu 9,95 Euro für 50 Stück. Die passen dann wieder in die Ladehülsen und damit auch durch die Züge im Lauf. Möglichkeit 2: Man bestellt sich in den Staaten Plastikladehülsen und Geschosse nach Originalkokille im Kaliber .52. Zehn Hülsen kosten hier schlappe 4,00 $, dazu 100 Geschosse für 19,95 $ zzgl. Versand. Die Ladehülsen aus Kunststoff können sowohl im Original als auch im Nachbau verwendet werden. Die Hülsen fassen 40 grains Schwarzpulver. Im Pendant aus Messing gehen gut 10 grains mehr hinein.

Links liegen die preiswerten Plastikkartuschen aus den Staaten. Daneben sind die Messingladehülsen.

 

Auf dem Schießstand

Als Testwaffe diente ein italienischer Nachbau des Smith Karabiner, Modell Kavallerie. Weiterhin wurden Bleirundkugeln aus dem Handel verwendet, die jeweils aus Messingladehülsen verfeuert wurden.  Zu den Testbedingungen: 50 m sitzend aufgelegt. Alle Schießergebnisse dienen lediglich als Richtlinie. Subjektive Einflüsse sowie witterungsbedingte Gegebenheiten führen natürlich zu Verfälschungen, die infolgedessen auch Bestandteil der nachfolgenden Auswertung sein können. Jeder Interessierte wird selbst im Laufe der Zeit durch eine optimale Ladung, Geschosswahl und Anschlagart beste Trefferbilder erzielen können, die in dieser Versuchsreihe leider nur angedeutet werden konnten.

 

 

Ladung

Geschoss

Kartusche

Schussanzahl / Streuung [cm]

50 grains Ch 2

.511 RK H&N

Messing

10 /11,5

40 grains Ch 2

.52 Ogival Form

Plastik

10 / 8

 

Mit Messinghülse

Nach dem Einfüllen von 50 grains Schwarzpulver in die Messingladehülse wird die Bleirundkugel auf den Hülsenmund aufgelegt und eingedrückt. Aber Vorsicht. Schwarzpulver ist schlag - und druckempfindlich. Es muss daher mit absoluter Sorgfalt vorgegangen werden. Der Einsatz einer Ladepresse für VL – Revolver hat sich für das Einpressen der Rundkugel in eine Metallhülse bewehrt. Um den unnötigen Verlust von Schwarzpulver zu vermeiden, sollte die konisch eingelassne Zündöffnung der Ladehülse mit einem passenden Schusspflaster abgeklebt werden. Anschließend wird die geladene Messinghülse in die Patronenkammer eingeführt und der Lauf zurückgekippt. Beim Schießen auf 50 m sollte allerdings berücksichtigt werden, dass die Visierung wie bei vielen amerikanischen Militärwaffen erst bei etwa 100 yards beginnt. Es muss also etwas unterhalb Spiegel aufsitzend angehalten werden. Bereits nach wenigen Schüssen lässt sich die Messinghülse nur mit großem Kraftaufwand wieder entfernen. Ursache hierfür sind Pulvergase, die sich durch den Druck zwischen Hülse und Patronenlager zwängen und hier für Verschmauchungen sorgen. Abhilfe schafft nur das kurze aber gründliche Reinigen von Hülse und Patronenlager. Außerdem hinterlässt die Bleikugel nach jedem Schuss einen schmalen Bleiring, der durch das Abscheren am Überstand zwischen Patronenlager und Lauf entsteht und dort hängen bleibt. Dieser sollte möglichst nach jedem Schuss mit einem kleinen Schraubendreher entfernt werden.

 

Mit Plastikhülse

Die Plastikhülse fasst zwar etwa 10 grains weniger Schwarzpulver als die Messingkartusche, steht aber in Hinblick auf Präzision dieser in nichts nach. Das Geschoß muss auf jeden Fall mindestens bis zur Hälfte in der Hülse verschwinden, um problemlos geladen zu werden. Der Schuss wirkt durch das relativ große Geschosskaliber wesentlich kräftiger als mit der Rundkugel. Bereits nach wenigen Schüssen tritt an der Plastikladehülse ein unschöner Überstand in Form eines Ringes auf. Zurückzuführen ist dies auf den Gasdruck, der den Kunststoff augenblicklich staucht und dennoch in der nahezu ursprünglichen Länge belässt. Vorbeugend ist daher das Material am Hülsenboden verstärkt worden. Das Einführen in das Patronenlager wird dadurch zwar erschwert, funktioniert aber mit ein wenig Fingerspitzengefühl dennoch fast tadellos. Auch nach vielen Schüssen passen Geschoss und Plastikhülse in die Waffe. Nach dem Abfeuern wird die Hülse ohne Schwierigkeiten wieder entnommen. Auch nach einer ganzen Serie von Schüssen. Um spätere Schmauchablagerungen im Lauf zu reduzieren, sollten die Fettrillen des Geschosses mit Geschoßfett gefüllt werden.

Der Smith Nachbau mit Blick in den geöffneten Verschluss.

Fazit

Der Smith Karabiner Nachbau überzeugt durch ein gleichmäßig akzeptables Schussbild. Interessant wird der Kipplauf dadurch, dass mindestens zwei unterschiedliche Ladehülsen samt Geschosse verwendet werden können. Der günstigeren Kartusche aus Plastik ist eindeutig der Vorrang zu gewähren. Sie ist gut zu laden und selbst nach zahlreichen Durchgängen klemmt die Hülse nicht im Patronenlager fest. Die Berichte frustrierter Unionskavalleristen konnten daher nicht bestätigt werden, obwohl unsere heutigen Plastikhülsen dem damals verwendeten Material recht nahe kommen. Warnungen vor dem recht großen Geschosskaliber und der Notwendigkeit dieses herunter zu kalibrieren erwiesen sich als unbegründet. Unsere Replik „verschlang“ ohne jegliche Probleme die Projektile und entwickelte ein angenehmes - weil etwas kräftigeres - Schussverhalten. Die Präzision litt dadurch aber keinesfalls, sondern es ergab sich sogar ein besseres Schussbild.

Sergeant Israel Coombs von der G Kompanie der 1. Maine Kavallerie ist hier mit einem Smith Karabiner abgelichtet. 

        

Zum Vergleich: links Detaildarstellung der oberen Abbildung, rechts daneben das Foto eines Smith Karabiner aus meiner Sammlung in einer ähnlichen Position. Bei beiden deutlich zu erkennen: der breite Verschlussbügel.

 

Alles hat seinen Preis

Ein originaler Smith Karabiner in einem guten Zustand kostet heute etwa das 100fache seines ursprünglichen Preises. Diese interessante Wertanlage kann für bis zu $ 2.500 in den Staaten erworben werden. In Deutschland ist es vergleichsweise schwierig, ein gut erhaltenes Originalmodell des Kipplauf Karabiners zu bekommen. Die Nachbauten der Modelle Cavalry und Artillery sind jeweils für 849,00 Euro bei Frankonia erwerbscheinfrei erhältlich. Allerdings muss mindestens alle zwei Jahre mit einer Preissteigerung von bis zu 2,5 % gerechnet werden. Hin und wieder wird ein Smith Nachbau im Internet versteigert. Unter www.egun.de können auf diese Weise durchaus bis zu 300 Euro gegenüber der Neufertigung gespart werden.

 

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