Waffentechnik

Der Amerikanische Bürgerkrieg schuf erstmals die Möglichkeit, zahlreiche unterschiedliche Waffensysteme großflächig zum Einsatz zu bringen. Trotz des entschiedenen Widerstandes einiger greiser Militärs, konnte sich eine Unmenge an Neuerungen in der Waffentechnik behaupten und durchsetzen. Die Bürokratenwut scheiterte tatsächlich am Pragmatismus der amerikanischen Gesellschaft und den Erfordernissen der Zeit. Aus diesem Teil des „American Way of Life“ könnte man zugegeben auch hier in Deutschland der Gegenwart etwas lernen…

Die Hauptbewaffnung der Infanterie auf beiden Seiten stellten nach wie vor Vorderladergewehre mit verbesserter Munition dar. Mit mörderischer Präzision schlugen Miniè Projektile blutige Schneisen in die Reihen der Soldaten. Die starre Formation à la Napoleon begann langsam zu zerbrechen. Moderne Hinterladersysteme und der Einsatz von Metallmunition verlieh insbesondere der Kavallerie eine ungeahnte Feuerkraft. Der Beginn einer waffentechnischen Revolution wurde eingeleitet, der schließlich zur uneingeschränkten Vormachtstellung der Vereinigten Staaten führen sollte.

Mein Interesse als Sportschütze gilt mittlerweile den verschiedenen Varianten von Bürgerkriegskarabinern, die anschaulich den langsam wachsenden Vorsprung der Amerikaner gegenüber den Europäern dokumentieren. Es geht mir dabei nicht um die glorifizierte Darstellung von Waffen, wie es gern in diesem Zusammenhang von einigen Kritikern behauptet wird. Die Auseinandersetzung von 1861 bis 1865 war kriegerischer Natur, begonnen, geführt und beendet primär mit Waffen. Jeder, der sich ernsthaft mit der Thematik beschäftigen will, kommt daher an der Waffentechnik der damaligen Zeit nicht vorbei. Auch ich nicht! Die meisten der nachfolgend aufgelisteten Waffen habe ich in Artikeln ausführlich beschrieben.

                                                              

           Der Kampf der Kavallerie bei Gettysburg, Ölgemälde von Henry Collins Bispham (1841 - 1882) aus dem Jahre 1865.  Tatsächlich waren kontinuierlich berittene Auseinandersetzungen dieser Art eher die Ausnahme. Das Gemälde hängt heute in der Soldiers and Sailors Memorial Hall in Pittsburg, Pennsylvania.

 

                                                

       links: Der Angriff der Unionskavallerie auf die CS - Truppen unter General George A. Pickett während der Schlacht von Five Forks, Virginia, am 1. April 1865. Die hier dargestellte, vorbildliche und einheitliche Uniformierung der Gegner, war reine Illusion. Tatsächlich herrschte speziell in der Konföderation am Ende des Konfliktes großer Mangel an brauchbaren Uniformen.

 

     rechts: Der Einsatz der Kavallerie entsprach in der Realität überwiegend der Verwendung als abgesessene Vorposten. Wie hier realistisch dargestellt, wurden die Pferde durch angewiesenes Personal am Zaum gehalten, während die Kavalleristen in lockeren Reihen zu Fuß den Angriff des Feindes mit gut gezieltem Feuer begegneten.

 

Der Angriff der Unionskavallerie bei Brandy Station, 9. Juni 1863, in einer Darstellung der Zeitschrift Harpers Weekly vom 4. Juli des gleichen Jahres. Gut zu erkennen ist dabei das geschlossene Vorrücken der Reiterei.

 

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Aus meiner Sammlung:

 

1. Gallager Karabiner Modell 1860 im Kal. 50 (Replik). Die Waffe konnte per Abzugsbügel entriegelt und mit einer Messingladehülse geladen werden. Zwischen 1861 und 1866 wurden 22.728 Stück von der US – Armee gekauft. Lesen Sie hier meinen ausführlichen Bericht über das Original und den Nachbau.

 

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2. Sharps Karabiner Modell 1863 im Kaliber .54. Der Fallblocklader erfreute sich auf beiden Seiten großer Beliebtheit, obwohl die Gasabdichtung zwischen Lauf und Fallblock immer wieder zu Schwierigkeiten führte. Die Unionsarmee kaufte zwischen 1861 und 1866 80.512 Karabiner. Recherchen zufolge wurde dieser Karabiner 1864 an die 18th Pennsylvania Cavalry ausgegeben.

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3. Smith Karabiner Modell 1857 im Kaliber .50. Oben liegt das Original, darunter der italienische Nachbau. Die Waffe wurde mittels Messingdorn entriegelt. Anschließend konnte der Lauf bis etwa 90 Grad nach unten gekippt werden. Obwohl der Karabiner sehr praktisch und nahezu gasdicht war, lehnten ihn viele US – Kavalleristen ab. Zwischen 1861 und 1866 wurden 30.062 Stück an die Truppe ausgegeben. Recherchen zufolge wurde dieser Karabiner 1863 an die 2nd West Virginia Cavalry ausgegeben.                                        

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Lesen Sie meinen ausführlichen Testbericht

 

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4. Burnside Karabiner, 5. Modell 1863  im Kaliber .54. Durch das Betätigen eines Dreh-Kippverschluss ließ sich eine konische Messinghülse einsetzen, die bei starker Erwärmung nur mit Schwierigkeiten wieder entfernt werden konnte. Zwischen 1861 und 1866 erwarb die US – Kavallerie 55.567 Karabiner. Recherchen zufolge wurde dieser Karabiner 1863 an die 4th Wisconsin Cavalry ausgegeben.

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Lesen Sie hier meinen ausführlichen Bericht zu diesem Karabiner

 

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Spencer Karabiner. Im Bürgerkieg wurden etwa 94.000 Stück überwiegend von den Unionstruppen erfolgreich eingesetzt.

 

5. Colt Revolver Modell Army 1860 im Kaliber .44 (Replik). Die Waffe war die beliebteste Faustfeuerwaffe der Unionsarmee. Zwischen 1861 und 1866 wurden 129.730 Stück verkauft.   

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Der Colt Army 1860 wurde im Bürgerkrieg auch mit Anschlagschaft geliefert. Die Präzision erhöhte sich dadurch entscheidend. Die zeitgenössische Skizze zeigt einen Angriff von Unionskavalleristen auf Konföderierte. Der Reiter in der Mitte des Bildes legt gerade mit seinem Revolver mit Anschlagschaft auf einen feindlichen Infanteristen an.

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Colt Navy .36, Second Model Squareback. Der führige Revolver zählte zu den beliebtesten Faustfeuerwaffen im US-Bürgerkrieg. Die US-Army erwarb zwischen 1861 und 1866 17.010 Stück.

6. Scharfschützengewehr mit Halbschäftung und schwerem Achtkantklauf im Kaliber .43. Diese Waffe wurde von Einheiten der U.S.S.S. (Unionsscharfschützenregiment) geführt.

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Lesen Sie hier die interessante Geschichte der Scharfschützenwaffen im Bürgerkrieg

 

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7. Hall-North Karabiner Md. 1843 im Kaliber .54. Einige Tausend Exemplare dieser veralteten Karabiner wurden im US - Bürgerkrieg auf beiden Seiten geführt.

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Erfahren Sie hier alles über die Geschichte dieser Waffe

 

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8. Starr Karabiner Modell 1858 im Kaliber .54. Ein zuverlässiger Fallblocklader der Unionskavallerie. Allerdings war der Starr nicht bei allen Einheiten beliebt. Zwischen 1861 und 1866 kaufte die US Regierung 25.603 Starr Karabiner. Recherchen zufolge wurde dieser Karabiner 1864 an die 16th Missouri Cavalry ausgegeben.                  

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Patronensammlung:

von links nach rechts:

Burnsidepatrone aus Messing im Kaliber .54. Während des US - Bürgerkrieges wurden 21.819.200 Patronen an die Truppe ausgegeben.

Gallagerpatrone aus papierumwickeltem Messing im Kaliber .50. Fast 8,3 Mio. Stück kaufte die US - Regierung.

Gallagerpatrone mit Messinghülse im Kaliber .50. Nur wenige wurden davon hergestellt.

Smithpatrone aus papierumwickeltem Messing im Kaliber .50. Die Regierung kaufte 13.861.500 Stück.

Starr Linen Patrone im Kaliber .54. 6.860.000 Stück erreichten zwischen 1861 und 1865 die Front.

Sharps Linen Patrone im Kaliber .52. 16,3 Mio. dieser Patronen wurden im Amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt.

 

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Oben liegt ein US - Infanterieoffizierssäbel Modell 1850 von William H. Horstmann aus Philadelphia. Horstmann, eigentlich Wilhelm H. Horstmann, (1785 - 1850) stammte aus Kassel und gründete 1828 in Philadelphia eine Blankwaffenmanufaktur.

Darunter liegt ein Mannschaftskavalleriesäbel Modell 1860 von Ames MfG Company in Chicopee, MA. Die Firma lieferte zwischen 1861 und 1865 insgesamt 79.500 dieser Säbel an die US - Kavallerie.

Der leichte Kavalleriesäbel Modell 1860 im Vordergrund trägt die eingeschlagenen Zahlen und Buchstaben: "U.S. ADK 1862". ADK steht für Andrew D. King, der zwischen 1840 und 1865 als armory sub-inspector (ASI) für das US- Zeugamt arbeitete.

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